Kommt es jetzt ganz dicke für Sparkasse in Gelsenkirchen? Anwalt wirft Bank Mängel vor
Von Rolf Schraa
Gelsenkirchen - Rund vier Wochen nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse erhebt der Geschädigten-Anwalt Daniel Kuhlmann scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen.
Ein renommierter Sachverständiger für Sicherungssysteme in Banken komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" hätte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hätte, sagte Kuhlmann.
Stand der Technik seien laut dem Sachverständigen etwa Bewegungsmelder für den Tresorraum und ein sogenannter Wandschutz. Letzteres sei eine netzartige Innenauskleidung des Tresorraums, die beim Durchbohren sofort Alarm schlage. Alternativ oder zusätzlich seien auch stündliche Patrouillengänge rund um den Tresorraum möglich, so Kuhlmann.
Die Sparkasse hatte bisher Kritik zurückgewiesen. Die Filiale mit dem Schließfachraum sei "nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", hatte sie betont.
Zu den konkreten Vorwürfen nahm die Bank zunächst keine Stellung. Die Bank äußere sich "grundsätzlich zu anwaltlichen Äußerungen nicht", antwortete die Sparkasse laut "Stern" auf eine ähnliche Nachfrage.
Weiterhin keine heiße Spur von den Tätern
Der Anwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Essen drei Musterklagen erhoben. Er fordert darin im Namen der Mandanten von der Bank die volle Haftung für die entstandenen Schäden, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Ein Landgerichtssprecher konnte den Eingang zunächst nicht bestätigen. Zunächst müssten die Klagen an die Beklagte zugestellt werden.
Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gebohrt. Dort räumten sie rund 3100 Kundenschließfächer aus. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher liegen.
Die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren. Die Polizei geht etwa 600 Hinweisen nach, es gibt aber aktuell keine heiße Spur, wie ein Polizeisprecher sagte.
Titelfoto: Christoph Reichwein/dpa

