Von Wolf-Dietrich von Dewitz
Köln - Nach der Bekanntgabe von Reformplänen des Bundesverkehrsministeriums zum Führerschein-Fahrunterricht verzichten in Nordrhein-Westfalen viele Menschen vorerst darauf, einen Führerschein zu machen.
"Die Anmeldezahlen sind in den vergangenen Monaten gesunken, viele Interessenten üben sich in Zurückhaltung", sagte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Nordrhein, Kurt Bartels, der dpa in Köln.
Der Rückgang sei vor allem in größeren Städten "beträchtlich". "Manche Fahrschulen haben ein Minus von 50 bis 70 Prozent, andere haben gar kein Minus." Auf dem Land seien die Zahlen stabil, weil der Führerschein dort besonders wichtig sei. Bartels ist auch Vize-Chef der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, seine Äußerungen zu dem Thema beziehen sich auf ganz Nordrhein-Westfalen.
Einen Grund für die Entwicklung sieht Bartels in dem Vorhaben von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57, CDU), der den Führerschein mit neuen Vorgaben billiger machen möchte. "Wir haben einen deutlichen Schnieder-Effekt", sagt Bartels mit Blick auf die rückläufigen Anmeldezahlen.
Geplant sind Vereinfachungen und digitale Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile. So soll die Möglichkeit geschaffen werden, verstärkt Simulatoren zu nutzen. Außerdem soll es weniger verpflichtende Sonderfahrten - wie auf Autobahnen - geben.
Keine allzu guten Erfahrungen mit Online-Schulungen
Ob und wann diese Reformpläne umgesetzt werden, ist zwar noch unklar. Dennoch wartet manch einer in Erwartung von möglicherweise sinkenden Preisen erst einmal ab.
Fahrlehrerverband-Vertreter Bartels hält das Vorhaben für wenig sinnvoll. "Wenn man beim Theorieunterricht auf Online-Schulung statt auf Präsenz setzt, ist der Lerneffekt schwächer - das dürfte dazu führen, dass mehr Menschen durch die Theorieprüfung fallen als bislang." Bartels verweist dabei auf die Corona-Zeit, als Fahrlehrer notgedrungen auf Online-Schulungen setzen mussten.
"Die Durchfallquoten in der Theorieprüfung waren damals deutlich höher als vor und nach der Pandemie." Bei den Online-Schulungen hätten die Schülerinnen und Schüler weniger Fragen gestellt und wären nicht so konzentriert gewesen wie im Präsenzunterricht, der Lerneffekt sei spürbar schwächer gewesen.
Außerdem hat Bartels starke Zweifel, ob die Preise überhaupt sinken würden. "Wenn eine Fahrschule sich künftig einen Simulator kaufen muss, in dem ein Teil der Fahrausbildung erfolgen soll, dann muss sie dafür 30.000 bis 40.000 Euro ausgeben." Um Geld zu sparen, könnten sich Fahrschulen nicht verkleinern und in ein kleineres Büro umziehen, sagt Bartels. "Den Raum, in dem wir bislang Präsenzunterricht für die Theorie gemacht haben, brauchen wir dann für den Simulator."
Nach Angaben des Fahrlehrerverbandes kostet es im Schnitt zwischen 3000 und 3100 Euro, bis man die Fahrerlaubnis hat. "Die vom Bundesverkehrsministerium genannte Durchschnittszahl von 3400 Euro können wir nicht nachvollziehen."