Um Punkt 11 Uhr heulen wieder die Sirenen: Das wird am Warntag wirklich geprobt
Von Jule Prietzel, Jonas Reihl
Köln - Das Handy piept schrill, die Sirenen heulen laut - am Donnerstag ist wieder bundesweiter Warntag. Für NRW wird Innenminister Herbert Reul (73, CDU) persönlich den Alarm um Punkt 11 Uhr auslösen.
Zweimal im Jahr ertönen zum Warntag die Sirenen im gesamten Bundesgebiet probeweise. Doch wie funktioniert der Warntag genau und was soll damit überhaupt erreicht werden?
"Der landesweite Warntag dient in erster Linie dazu, die gesamte Warninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen regelmäßig zu testen und die Bevölkerung mit den Warnsignalen vertraut zu machen", erklärt die Sprecherin des NRW-Innenministeriums, Nina Louwen.
Im Ernstfall müssen Warnsysteme sofort und ohne Einschränkungen funktionieren. Der Warntag soll helfen, technische Probleme zu erkennen und Abläufe zwischen Behörden, Leitstellen und Medien zu überprüfen. Außerdem soll er Menschen sensibilisieren, wie mit solchen Warnungen umzugehen ist.
"Bei vorangegangenen Warntagen konnte festgestellt werden, dass etwa einzelne Sirenen nicht funktionierten und aufgrund dieser Erprobung repariert werden konnten", sagt Louwen. Bei Handynutzern mit einem älteren Gerät könne der Empfang der Warnmeldung über Cell Broadcast möglicherweise nicht funktionieren. Wer feststellt, dass die Warnung auf einem zu alten Handy nicht angekommen ist, müsse sich für eine Aktualisierung direkt an den Hersteller wenden.
So funktionieren die bundesweiten Warnmeldungen
Die Warnmeldungen werden über einen sogenannten "Warnmix" verbreitet: Laut Innenministerium nutzen die kommunalen Leitstellen in NRW dafür das Modulare Warnsystem (MoWaS), um gleichzeitig mehrere Warnkanäle zu aktivieren und so möglichst viele Menschen zu erreichen.
Warnmittel, an die das System die Warnung weiterleitet, sind unter anderem: Sirenen, Warn-Apps wie NINA oder KATWARN, Radio und Fernsehen, digitale Stadtinformationstafeln und/oder Lautsprecherfahrzeuge.
Warnmeldungen sollen die Bevölkerung über Ereignisse informieren, bei denen erhöhte Aufmerksamkeit oder schnelles Handeln erforderlich ist, um rechtzeitig Maßnahmen zum Selbstschutz ergreifen zu können. Dazu gehören etwa extreme Unwetter und deren Auswirkungen für die Bevölkerung, große Brände oder Explosionen, Chemieunfälle oder Gefahrstofffreisetzungen, Ausfälle wichtiger Infrastruktur (z. B. Trinkwasser oder Strom) oder auch Bombenentschärfungen.
Zentraler Baustein der Warnkette sind die Warnnachrichten über den Mobilfunkdienst Cell Broadcast, die viele neuere Smartphones empfangen und anzeigen. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz erreiche kein anderer Warnkanal mehr Menschen direkt.
Über Cell Broadcast können Warnnachrichten direkt und anonym als sogenannte Push-Nachricht an Smartphones oder Handys geschickt werden. "Der Broadcast ermöglicht es, Warnungen einfach, schnell und ortsbezogen sowie zeitgleich an eine große Anzahl von Menschen zu versenden", erklärt Louwen. Aktuell werde auch daran gearbeitet, künftig auch Entwarnungen über das System zu verbreiten.
Titelfoto: Bildmontage: Rolf Vennenbernd/dpa (2)

