Von Dörthe Hein
Magdeburg - Gewaltbereite rechtsextremistische Jugendgruppen finden nach Einschätzung des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt immer mehr Anhänger.
"Die aktuelle Entwicklung im neonazistischen Milieu weckt dunkle Erinnerungen an die 90er- und frühen 2000er-Jahre", erklärte Innenministerin Tamara Zieschang (55, CDU).
"Damals wie heute zieht die rechtsextremistische Szene zahlreiche, vorwiegend männliche, junge Menschen an." Kahl rasierte Schädel, Bomberjacken, Springerstiefel gehörten für viele dazu, so die Ministerin weiter.
"Die Mitglieder rechtsextremistischer Jugendgruppen definieren sich über gemeinsame Feindbilder, zu denen neben Migranten und Anhängern des politisch linken Spektrums vor allem die LGBTQ+-Community zählt", hieß es in der Mitteilung des Innenministeriums.
"Daneben existieren auch rechtsextremistische Jugendgruppen, die sich teils selbst als 'Pedo Hunters' bezeichnen und deren Aktionen sich gegen von ihnen als (vermeintliche oder tatsächliche) 'Pädophile' identifizierte Personen richten."
Wie gefährlich sind die rechtsextremistischen Jugendgruppen wirklich?
Der Verfassungsschutz befasst sich mit den Personen, die zu den gewaltbereiten rechtsextremistischen Jugendgruppen gehören und bewertet ihr Gewaltpotenzial.
Es geht um Mobilisierungs- und Rekrutierungsstrategien sowie Verbindungen zu anderen Akteuren der rechtsextremistischen Szene.
Neben den bundesweit organisierten Gruppierungen "Jung & Stark", "Deutsche Jugend Voran" und "Der Störtrupp" sei etwa die Gruppierung "Deutsche Jugend Zuerst" in Sachsen-Anhalt aktiv, teilte das Innenministerium mit.
Verstärkt in Erscheinung getreten seien zuletzt auch die "Jungen Nationalisten", die Jugendorganisation der Partei "Die Heimat" (ehemals NPD).
Wie hoch das Gewaltpotenzial einiger dieser Gruppen ist, zeigt laut dem Verfassungsschutz ein Angriff mehrerer Jugendlicher aus Halle auf SPD-Mitglieder in Berlin im Dezember 2024.