Von Sebastian Münster
Magdeburg - In Sachsen-Anhalt müssen 22 problematische DDR-Spannbetonbrücken mittelfristig durch Neubauten ersetzt werden.
Das teilte das Infrastrukturministerium in Magdeburg auf dpa-Anfrage mit. Die Brücken seien zum Großteil in den 1970er Jahren errichtet worden und in ihrer Bauart vergleichbar mit der Dresdner Carolabrücke, die im September 2024 teilweise eingestürzt war.
Laut Ministerium handelt es sich um Brücken, die teils Bundesstraßen führen oder queren oder über größere Gewässer führen.
Ohnehin bereits planmäßig im Gange ist der Abriss und Neubau der Muldebrücke der B100 bei Pouch im Kreis Anhalt-Bitterfeld. Auch der Bau der Alandbrücke der B189 in Geestgottberg im Landkreis Stendal im Zuge der Bauarbeiten für den Lückenschluss der Autobahn A14 läuft.
Bei weiteren Brücken laufen die Planungen für einen Baubeginn in den nächsten vier Jahren.
Betroffen ist davon dann erneut auch der vielbefahrene Magdeburger Ring. Hier soll die Brücke Osterweddinger Chaussee, die über die vierspurige Straße führt, frühestens ab Ende 2028 erneuert werden. Bereits jetzt wird der Verkehr auf dem Ring wegen zweier Brückenabrisse teilweise über Behelfsbrücken geführt und es kommt zu Einschränkungen.
DDR-Brücken zeigen Anzeichen von Spannungskorrosion
In fünf Fällen seien Proben des verbauten Spannstahls untersucht worden. An einer Bahnbrücke der L51 in Schönebeck im Salzlandkreis sei dabei "ein frühes Stadium der Spannungsrisskorrosion" festgestellt worden, so ein Sprecher.
Eine solche Korrosion hatte Untersuchungsergebnissen zufolge zum Einsturz der Carolabrücke geführt. Eine unmittelbare Gefahr gebe es aber bei keinem der 22 Bauwerke in Sachsen-Anhalt, hieß es zuletzt.
"Alle Brücken sind derzeit weitestgehend ohne Einschränkungen für den öffentlichen Verkehr nutzbar. Die intensive Überwachung wird fortgesetzt, bis die Bauwerke mittelfristig durch Ersatzneubauten abgelöst werden", sagte Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (62, FDP) der Deutschen Presse-Agentur.
Eine Sanierung der Brücken sei aus Sicht des Ministeriums nicht wirtschaftlich. In laufende und bislang geplante Brückenneubauten investiert das Land den Angaben zufolge 85 Millionen Euro, allein 53 Millionen davon für die Muldebrücke bei Pouch.