Tragödie um Alicia (†6): Mutter und Kita warnen vor Gefahr, doch E-Mails bleiben im Jugendamt ungelesen

Osternienburger Land - Nach dem gewaltsamen Tod einer Sechsährigen im Osternienburger Land sieht sich das Dessau-Roßlauer Jugendamt mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Die kleine Alicia war am Vormittag des 7. Juni mit heftigen Kopfverletzungen in eine Klinik eingeliefert worden. Noch am Abend hatte die Polizei den Lebensgefährten (27) der Mutter festgenommen und seine Wohnung durchsucht. Er selbst spricht von einem Unfall, sitzt seitdem in U-Haft. Das Mädchen verstarb zwei Tage später an einem Schädel-Hirn-Trauma.

Die kleine Alicia hatte in Osternienburg schwere Kopfverletzungen erlitten, an denen sie später verstarb. (Archivfoto)  © imago/Steffen Schellhorn

Wie der TV-Sender RTL unter Berufung auf Insider aus dem zuständigen Jugendamt berichtet, sollen sich sowohl die Mutter der verstorbenen Sechsjährigen als auch die Kita, in die das Mädchen ging, in E-Mails hilfesuchend und warnend an das Jugendamt gewendet haben.

Das Unfassbare: Ein Fax, das die Kita im März wegen einer möglichen Kindeswohlgefährdung an das Jugendamt geschickt hatte, soll in der Behörde automatisch in eine E-Mail umgewandelt und an das Postfach eines Mitarbeiters weitergeleitet worden sein, der zu diesem Zeitpunkt jedoch längst in Rente war.

Erst nach dem Tod Alicias prüften andere Mitarbeiter das besagte Postfach und fanden dort über 400 ungelesene Mails, teils mit Hinweisen auf weitere Kindeswohlgefährdungen.

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Laut einer Insiderin aus dem Jugendamt in Dessau soll Alicias Mutter zuvor bereits im Februar Hilfen zur Erziehung beantragt haben, da sie offenbar mit der familiären Situation überfordert war. Der Antrag sei erfasst worden, dann aber "spurlos verschwunden", berichtet RTL. Das Amt sei personell massiv unterbesetzt, Notrufe würden nur verzögert bearbeitet.

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Stadtrat gedenkt Alicia mit Schweigeminute

Der Stiefvater der Sechsjährigen sitzt in U-Haft. (Symbolfoto)  © Soeren Stache/dpa

Am Montag hatten die Behörden dann den Befund der Obduktion von Alicias Leichnam veröffentlicht und darin der Darstellung des Stiefvaters eindeutig widersprochen, der angegeben hatte, dass die schweren Verletzungen Folge eines Unfalls seien.

Am Mittwochnachmittag widmete sich der Stadtrat von Dessau-Roßlau nun in einer Sondersitzung hinter verschlossenen Türen den tragischen Geschehnissen und gedachte der Verstorbenen mit einer Schweigeminute.

"Wir haben detailliert erfahren, welche Nachrichten wann an welches Amt weitergeleitet wurden", sagte Hendrik Weber, Fraktionsvorsitzender des Freien-Bürger-Forums, der "MZ" nach der Sitzung. Weber bestätigte, dass E-Mails bei einem Mitarbeiter des Amtes versandet waren, der längst nicht mehr dort tätig ist.

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Im Stadtrat habe jedoch Einigkeit geherrscht, dass niemand aus der Stadt für den Tod des Kindes verantwortlich sei. Trotz dessen habe man die Verwaltung aufgefordert, dafür zu sorgen, organisatorisch zu klären, dass solch ein Fall in Zukunft ausgeschlossen ist.

Wie die "MZ" weiter berichtet, hat die Staatsanwaltschaft inzwischen Ermittlungen im Rathaus von Dessau-Roßlau aufgenommen.

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