Zwischen Genuss und Abhängigkeit: Ab wann wird Alkoholkonsum zum Problem?
Magdeburg - Viele Deutsche werden es kennen: Nach der Arbeit wird zur Entspannung ein Bier oder ein Glas Wein getrunken. Doch wann wird der tägliche Alkoholkonsum zum Problem?
Alles in Kürze
- Alkoholkonsum kann schleichend zur Abhängigkeit führen.
- Täglicher Konsum kann zum Problem werden.
- Abstinenz ist das einzige risikofreie Verhalten.
- Jeder Fünfte in Deutschland trinkt gefährliche Mengen.
- Die Jugend stellt Gesundheit vor Alkoholkonsum.

Über die guten und schlechten Seiten des Alkoholkonsums wurde am vergangenen Mittwoch bei der MDR-Sendung "Fakt ist! aus Magdeburg" mit Moderatorin Anja Heyde (49) diskutiert.
Doch wie kommt es zu einer Alkoholsucht? "Die Abhängigkeit fängt schleichend an", so Dr. Arndt Heinemann, Psychiater und Suchttherapeut aus Magdeburg.
Sasha Hövelborn ist Leiter einer Selbsthilfegruppe in Eisenach und kennt das Gefühl zu gut. Er war jahrelang alkoholsüchtig. "Ich habe nur noch an Alkohol denken können", erklärt er in der Sendung.
Er ist der Meinung, wenn man umsichtig mit Alkohol umgeht und es auch wie ein Genussmittel sieht, sei der Konsum okay. Nutzt man es jedoch als Medikation für Probleme, ist man auf dem falschen Weg.
Wo fängt unproblematisches Trinken an und wo hört es auf? Ernährungsmediziner Dr. med. Carl Meißner erklärt, dass aus medizinischer Sicht Alkohol noch immer ein Zellgift ist, welches auch in kleinen Mengen über einen längeren Zeitraum schädlich wirkt. Risikofrei sei für ihn nur die Abstinenz.
Geht das: Suchtprävention und Kulturgut erhalten?
Dennoch gilt die flüssige Droge als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und gilt bei vielen als Kulturgut. Hartmut Schreiter, Geschäftsführer des Winzervereins Freiburg, ist der Meinung, dass das Thema Alkoholsucht zum Teil überdramatisiert wird. "Ich erlebe, dass wir in der Branche zum Teil angegriffen werden", berichtet Schreiter bei "Fakt ist!". Alkohol vollständig zu verteufeln, sieht er als gleichermaßen problematisch.
Winzerin und Vizepräsidentin des Deutschen Weinbauverbandes Luise Böhme ist zudem davon genervt, dass hochprozentiger Alkohol mit dem Genussmittel Wein auf eine Stufe gestellt wird.
Einen Spagat zwischen Suchtprävention und Erhaltung des Kulturguts zu finden, ist schwierig. Meißner ist der Ansicht, dass man für beide Seiten Verständnis zeigen muss. "Medizinisch-faktisch gibt es kein Risikoarm. Jeder muss sein Risiko kennen", so der Mediziner.
Die Generationen gehen anders mit Alkohol um

Schon seit Längerem ist Alkohol die Alltagsdroge Nummer eins in Deutschland. Jeder Fünfte trinkt in zum Teil gefährliche Mengen. Insgesamt sind 1,6 Millionen Menschen in Deutschland abhängig vom Alkohol. Besonders in Sachsen-Anhalt ist die Anzahl an Suchtkranken erschreckend hoch.
Doch warum hält gerade der Osten so stark am Alkohol fest? "Exactly"-Reporter Daniel Tautz berichtet, dass er bei seiner Recherche festgestellt hat, dass sich die Erfahrungen der Menschen hier oftmals ähneln.
In den älteren Generationen spielen teils negative Erlebnisse nach der Wende eine Rolle.
Bei der jüngeren Generation geht der Trend derweil in eine andere Richtung. Auszubildende und Zuschauerin Leni erzählt, dass sie gar keinen Alkohol trinkt. Geschichten ihrer Eltern über massiven Alkoholkonsum haben sie regelrecht abgeschreckt.
Laut Dr. med. Paula Piechotta (B'90/Die Grünen) sieht die Jugend mittlerweile nicht nur die Sucht, sondern auch andere negative Aspekte. Sie stellen die Gesundheit in den Vordergrund. 1976 gaben 70 Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 an, regelmäßig Alkohol zu trinken – 2023 waren es nur noch 29 Prozent.
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