Straßberg/Glashütte - Arielle stand schon auf der Abschussliste: Kaum ein halbes Jahr alt, büxte das renitente Rindvieh im vergangenen Oktober beim Einstallen aus einer Herde bei Straßberg im Harz aus. Nach monatelangem Überlebenskampf in verschneiter bajuwarischer Wildnis kam die Rettung für die Jungkuh in letzter Sekunde aus Sachsen.
Seit Januar beobachtete Mareike Drexler (23) den Überlebenskampf des Jungrindes mit einem Fernglas von ihrem Schlafzimmerfenster aus: "Mir hat imponiert, dass sie im Freien überlebt, und gleichzeitig hat es mich traurig gemacht, dass sie den Winter ohne Herde überstehen muss."
Der Impuls zu helfen war geboren.
Die 23-jährige Studentin kontaktierte bundesweit c, erhielt Rückmeldung vom Tierparadies MUHrielle nahe Glashütte.
Conny Böttger (50) erkannte die Notsituation: "Es ist ganz normal, dass eine ausgebüxte Kuh vom Besitzer zum Abschuss freigegeben wird. Dann muss man schnell handeln."
Zu groß sei die Gefahr durch frei laufende Kühe für den Straßenverkehr. Zudem sei eine "freiheitsliebende Kuh" ein Sicherheitsrisiko für die Milch-Industrie, konstatiert Böttger.
Tierparadies statt Todesurteil
Über ein Dutzend Mal habe man vergeblich versucht, Arielle zu fangen, ehe Sebastian Wiechardt (26) in Absprache mit Polizei und Feuerwehr vergangenen Freitag sein Lasso schwang: "Anwohner hatten ja Heu ausgestreut, die Kuh wusste also, wo es Essen gibt."
Keine zehn Minuten später wurde das Rind "gefunden und gefangen", berichtet der bayerische Cowboy und Pferdewirt.
Wenige Stunden später war der Tiertransport in Börnchen angekommen. Nach Eingewöhnungszeit am Wochenende berichtet Conny Böttger: "Arielle ist natürlich noch ein bisschen unter fremden Gesichtern, aber im Gleichgewicht."
Unter anderen Ausreißern, blinden Kühen oder Tieren mit Gen-Defekt ist Arielle das 113. Mitglied der "Schattentier-Herde" von MUHrielle. Der Verein sucht Kuh-Paten: muhrielle.org.