AfD-Bürgermeister für Altenberg: Wer ist André Barth?

Altenberg - Die AfD baut ihre Stellung in der Fläche weiter aus: Mit dem Sieg von André Barth (56, AfD) im ersten Wahlgang bei der Bürgermeisterwahl in Altenberg (Osterzgebirge) zieht bereits der zweite AfD-Kandidat in Sachsen in ein Bürgermeisteramt ein.

André Barth (56, AfD) ließ am Sonntag bei den Bürgermeisterwahlen in Altenberg die Konkurrenz deutlich hinter sich.
André Barth (56, AfD) ließ am Sonntag bei den Bürgermeisterwahlen in Altenberg die Konkurrenz deutlich hinter sich.  © Daniel Förster

Die Wahl gewann Barth am Sonntag nach dem vorläufigen Ergebnis klar mit 2689 oder 61,8 Prozent der Stimmen vor Johanna Franz (35, parteilos) mit 928 Stimmen (21,3 Prozent). Dahinter folgen Steffen Götze für die Wählervereinigung Geising (WVG, 7,6 Prozent) sowie die Parteilosen Lars Schlegel (4,9 Prozent) und Attila Dorkó (4,4 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 70,8 Prozent.

Barth ist für die Altenberger kein Unbekannter. Der gelernte Facharbeiter für Eisenbahntechnik und studierte Jurist führt das Bürgermeisteramt stellvertretend bereits seit dem überraschenden Rücktritt seines Vorgängers Markus Wiesenberg (37, CDU) im März 2024.

Barth sitzt außerdem im Landtag, hatte aber bereits angekündigt, sein Mandat im Falle eines Wahlsiegs zurückgeben zu wollen. Für ihn wird Jörg Kühne (56) nachrücken, der bereits von 2019 bis 2024 Mitglied des Landtags war.

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Ein unbeschriebenes Blatt ist der in Dippoldiswalde wohnhafte Barth auch nicht. Als er vor zehn Jahren seine Anwaltszulassung verlor, versäumte er, den Landtag darüber zu informieren und wurde nach Bekanntwerden zu einer Strafzahlung von 1000 Euro verdonnert.

Vor ihm hatte mit Rolf Weigand (41) in Großschirma (Mittelsachsen) ein weiterer Kandidat der vom sächsischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuften AfD bei Bürgermeisterwahlen punkten können. In Pirna bekleidet der parteilose Tim Lochner (56) das Bürgermeisteramt, das er 2023 auf der Liste der AfD erobert hatte.

Frage der Zeit - ein Kommentar von Thomas Staudt

TAG24-Reporter Thomas Staudt kommentiert die Wahl von AfD-Mann Barth.
TAG24-Reporter Thomas Staudt kommentiert die Wahl von AfD-Mann Barth.  © Eric Münch

André Barth von der AfD ist zum neuen Bürgermeister im osterzgebirgischen Altenberg gewählt worden. Das ist vor ihm nur Rolf Weigand in Großschirma gelungen. Auffällig ist, wie nah die AfD dabei dem Erfolgsrezept der CDU kommt.

Die Union hatte vor ein paar Jahren Rico Anton (Erzgebirge) und Stephan Meyer (Görlitz) aus ihren sicheren Positionen im Landtag gezielt als Kandidaten für die jeweiligen Landratsämter aufgebaut. Anders als sie hat Barth sein Landtagsmandat jedoch nicht schon zuvor abgegeben.

Einen ähnlichen Establishment-Bonus scheint sich aktuell die CDU in Sachsen-Anhalt im Hinblick auf die Landtagswahl im September durch den Wechsel von Reiner Haseloff zu Sven Schulze im Amt des Ministerpräsidenten zu erhoffen. Und auch Michael Kretschmer trat bei den Landtagswahlen im Freistaat 2019 nicht als Bundeswahlkampf-Verlierer an, sondern als Amtsnachfolger Stanislaw Tillichs - nach dessen Rücktritt 2017 - und damit als amtierender Ministerpräsident.

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Tatsächlich scheint gut geklaut immer noch besser zu sein als schlecht selbst gemacht. Egal, wie - auch Weigand und Barth haben ihren Bekanntheitsgrad als strategischen Vorteil mit in den jeweiligen Bürgermeisterwahlkampf genommen - und genutzt.

Damit ist es der CDU wieder nicht gelungen, den Vormarsch der AfD zu stoppen. Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste AfD-Landrat in Sachsen in Amt und Würden kommt. Will die CDU bei den Landtagswahlen 2029 nicht untergehen, wäre es jetzt an der Zeit, Gas zu geben.

Titelfoto: Daniel Förster

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