Von Sebastian Münster
Freyburg/Radebeul - Immer mehr Winzer bieten alkoholfreie Alternativen zu herkömmlichen Weinen und Sekten an. Während "Rotkäppchen" den Trend als entscheidenden Wachstumsmarkt sieht, sind andere deutlich skeptischer.
Der Markt für Sekt scheint in Zeiten sinkenden Alkoholkonsums ein stabiler Anker zu sein: Während der Weinkonsum nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) im vergangenen Jahr erneut sank, blieb der Absatz bei Sekt und Schaumwein weitgehend stabil - bei 3,5 Litern pro Kopf bei über 16-Jährigen.
"Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken", so Martin Junge, Sprecher des sächsischen Staatsweinguts Schloss Wackerbarth. Jede fünfte Flasche Sekt weltweit werde hier entkorkt.
Schloss Wackerbarth hat seinen Sektabsatz seit 2002 nach eigenen Angaben verfünffacht. Dabei setzt auch die Traditionsmanufaktur seit dem vergangenen Jahr auf die Produktion einer alkoholfreien Sorte - nach langem Tüfteln. Denn wenn dem Wein, der die Grundlage für den Sekt bildet, der Alkohol technisch entzogen wird, fehlt auch ein Geschmacksträger, wie Kellermeister Aumüller erklärt.
Das Verhältnis von Süße und Säure müsse deshalb angepasst werden, "um einfach den Geschmack ein bisschen vollmundiger zu gestalten".
Trendstudie: Jeder Zweite wünscht sich mehr Alkoholfrei-Angebot
Die wohl bekannteste ostdeutsche Sektmarke "Rotkäppchen" gibt es nach Unternehmensangaben bereits seit 2008 auch alkoholfrei.
"Alkoholfrei ist für uns ein zentraler Hebel für weiteres Wachstum", sagt die Geschäftsführerin der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH, Silvia Wiesner, der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen ist heute nach eigenen Angaben Marktführer bei alkoholfreien Schaumweinen und sieht sich durch die eigene Marktforschung in seiner Strategie gestärkt.
Demnach wünscht sich jeder Zweite unter insgesamt 1500 Befragten einer Trendstudie mehr Auswahl in dem Bereich.
Doch das DWI gibt den Anteil alkoholfreier Weine am Gesamtumsatz mit nur rund zwei Prozent an. Entsprechend skeptisch zeigt sich die Freyburger Winzervereinigung. Geschäftsführer Hartmut Schreiter bremst die Erwartung, alkoholfreie Weine könnten zum Massengeschäft werden. "Wir betrachten das hier absolut als Ergänzungsprodukt."
Rund drei Prozent des verkauften Weins gingen auf die beiden alkoholfreien Sorten zurück. Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger sei zudem der Einstieg ins alkoholfreie Geschäft.
Winzer im Osten trotz schwieriger Marktlage optimistisch
Für das aufwendige Verfahren des Alkoholentzugs brauche es den Transport zu externen Dienstleistern. Weitere Produktionsschritte und Kosten fielen an. Bereits für die rund 360 Winzer der Freyburger Winzervereinigung sei das angesichts des geringen Umsatzanteils ein hoher Aufwand.
Trotz eines schwierigen Marktumfelds mit rückläufigem Weinkonsum bleibt man an Saale und Unstrut optimistisch und setzt vor allem auf die Vermarktung im Osten Deutschlands als regionales Produkt. Mit Erfolg: Der Absatz der Freyburger Winzervereinigung sei stabil "mit kleiner Wachstumstendenz", so Geschäftsführer Schreiter.
Auch das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth spricht von einer insgesamt positiven Entwicklung.