Archäologen buddeln in Ottendorf-Okrilla nach den Steinzeit-Sachsen

Ottendorf-Okrilla (Bautzen) - Unter dem Sand des Kieswerks schlummerte über viele Generationen hinweg ein Geheimnis - jetzt ist es gelüftet: In Ottendorf-Okrilla (Bautzen) haben Archäologen spektakuläre Hügelgräber entdeckt. Und darin: seltene Kupferperlen, Waffen und geheimnisvolle Spuren einer mehr als 4500 Jahre alten Generation.

Auf dem Gelände des Kieswerks in Ottendorf-Okrilla waren die Archäologen zu Gange.  © Norbert Neumann

Ein Fund, der selbst Experten staunen lässt und den es so seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Was hier bei Grabungen ans Licht kommt, ist eine echte Sensation: Insgesamt zehn Hügelgräber aus der Jungsteinzeit und ein weiteres aus der Bronzezeit wurden freigelegt.

"Wir freuen uns wirklich. Das ist schon spektakulär, so eine Ausgrabung machen zu dürfen", lobt Grabungsleiter Matthias Conrad (45).

Die Gräber gehören zur sogenannten Schnurkeramik-Kultur und wurden mit reichlich Beigaben versehen. Gefäße wie Amphoren und Becher standen an den Füßen, kleinere Gegenstände lagen bei den Armen. Doch was die Forscher hier fanden, geht weit über das Übliche hinaus: In rund 60 Prozent der Gräber lagen Äxte und Beile - ein außergewöhnlich hoher Wert.

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"In Sachsen ist es üblich, dass man so etwas in rund fünf Prozent der Gräber findet." Die Waffen waren nicht nur Werkzeuge, sondern wohl auch Statussymbole - und möglicherweise im Kampf im Einsatz.

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Grabungsleiter Matthias Conrad (45) freut sich über die besonderen Funde.  © Norbert Neumann
Auch Amphoren mit den für die Zeit typischen Verzierungen befanden sich in den Hügelgräbern.  © Norbert Neumann
Ausgrabungsvorarbeiterin Petra Herold (57) war Teil des Teams von bis zu sieben Leuten.  © Norbert Neumann
Im Erdreich wurden verschiedene Äxte und Beile gefunden, was auf Gräber von Männern hindeutet.  © Norbert Neumann

Nächstes Jahr wird in der Nähe vermutlich weiter gesucht

Ein atemberaubender Fund waren die kleinen Perlen aus Kupfer.  © Norbert Neumann

Für besondere Aufregung sorgt jedoch ein ganz anderer Fund: In einem Grab entdeckten die Archäologen knapp 20 kleine Kupferperlen. Metall war in der Steinzeit extrem selten - entsprechend wertvoll waren solche Stücke.

"Diese Perlen sind die ältesten in Sachsen", freut sich Conrad. "Vermutlich wurden sie als Kopfschmuck oder Kette getragen." Dass sich ausgerechnet in diesem Grab sogar ein menschlicher Unterkiefer erhalten hat, ist eine kleine Sensation.

"Das liegt wahrscheinlich am Kupfer. Eigentlich ist es hier durch den Boden unüblich, dass sich Knochen erhalten."

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Auch Landesarchäologin Regina Smolnik (64) ist beeindruckt: "Die letzte Gelegenheit, Hügelgräber dieser Zeit zu untersuchen, liegt mehr als 40 Jahre zurück."

Aktuell werden noch die letzten Arbeiten abgeschlossen. Im nächsten Jahr geht es vermutlich nicht weit von der aktuellen Fundstelle entfernt weiter.

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