Begegnungen mit Wölfen bleiben in Sachsen eine Ausnahme
Von Jasmin Beisiegel
Dresden - In Hamburg hat sich ein Wolf in eine Einkaufspassage verirrt und eine Frau verletzt. Bei dem Angriff handelt es sich aus Sicht der Experten um eine Ausnahme. Man könne davon ausgehen, dass das Tier panisch gewesen sei und sich in die Enge getrieben gefühlt habe, erläuterte Falk Hofer vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden.
Wölfe weichen Menschen grundsätzlich aus und sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv, wie Hofer mitteilte. Da Menschen nachts selten draußen unterwegs sind, suchen Wölfe zu dieser Zeit gelegentlich Ortsränder auf oder streifen durch Siedlungen.
Ungewöhnlich an dem Hamburger Fall ist laut Hofer die Länge des Aufenthalts von mehreren Tagen im Siedlungsraum und die Tagaktivität.
"Offensichtlich hat sich hier ein Wolf – möglicherweise auf der Suche nach einem eigenen Revier - in die Stadt Hamburg verirrt und nicht wieder herausgefunden."
Das könne zwar auch in Sachsen passieren - und auch mit anderen Tierarten, Hofer erinnerte an den Elch, der 2014 in ein Bürogebäude in Dresden spaziert sei. "Allerdings bleibt so ein Ereignis die große Ausnahme."
Sollte der Wolf sich nicht zurückziehen, empfiehlt Hofer Folgendes:
ruhig verhalten und Abstand wahren,
sich bemerkbar machen und langsam zurückgehen,
wenn der Wolf wider Erwarten folgt, stehenbleiben und einschüchtern, zum Beispiel durch "Großmachen" oder Anschreien oder ein paar Schritte auf ihn zugehen
Wenn Menschen einem Wolf begegnen, ist es wichtig, das Tier nicht in die Enge zu treiben. In der Regel bietet eine Begegnung in der Natur dem Wolf deutlich mehr Möglichkeiten auszuweichen.
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Müssen Hunden- und Katzenbesitzer nun Angst haben?
Wer mit Hund im Wolfsgebiet unterwegs sei, solle seinen Vierbeiner anleinen und nahe bei sich führen, rät Hofer. Wenn Hund und Wolf aufeinandertreffen, sollte man den Hund zu sich rufen, anleinen und sich ruhig zurückziehen, dabei den Hund an der kurzen Leine halten.
Falls der Wolf weiter Interesse an dem Hund hat, sollte man sich durch Rufen deutlich bemerkbar machen und den Wolf gegebenenfalls durch das Werfen von Gegenständen vertreiben.
"Eine Gefahr für den Hundeführer selbst besteht in diesen Situationen nicht", betont Hofer. In Sachsen werden laut LfULG immer wieder Wölfe beim Queren von Ortschaften beobachtet oder von automatischen Kameras erfasst.
Zuletzt sorgte ein Foto aus Lauta, das in den sozialen Medien kursierte, für Sorgen bei Haustierbesitzern. Zu sehen soll sein, wie ein Wolf eine tote Katze im Maul trägt.
Die Aufnahme ist den Experten bekannt, bestätigen lässt sich der Vorfall aber nicht.
Ob es sich bei dem Tier in der Aufnahme überhaupt um einen Wolf handele und was es im Maul trage, lasse sich wegen der schlechten Bildqualität nicht eindeutig sagen.
Titelfoto: Fotomontage/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/123RF/ bodnarphoto

