Bodycam-Einsatz in Sachsen auf Höchststand: Aufzeichnungen nutzlos?

Dresden - Die Nutzung von Bodycams im Zuge von Polizeieinsätzen hat in Sachsen stark zugenommen.

Im Jahr 2025 haben sächsische Polizeibeamte insgesamt rund 167 Stunden Videomaterial mit einer Bodycam aufgezeichnet. (Symbolbild)  © Marcus Brandt/dpa

Insgesamt 1327 Mal haben Polizeibeamte im vergangenen Jahr eine Bodycam aktiviert, wie aus Antworten des Innenministeriums auf Anfragen des Landtagsabgeordneten Rico Gebhardt (62, Linke) hervorgeht. So oft wie noch nie seit Einführung der Bodycams im Jahr 2020.

Davon erfolgten 742 Aktivierungen im ersten Halbjahr, 585 weitere kamen im zweiten Halbjahr dazu. Zusammengerechnet wurden dabei knapp über 10.000 Minuten (rund 167 Stunden) an Videomaterial aufgezeichnet, der Großteil davon im Dezember.

Zum Vergleich: Im Jahr 2024 aktivierten sächsische Polizisten ihre Bodycams in 760 Fällen und zeichneten rund 7000 Minuten (117 Stunden) auf.

Sachsen Training im Schießkanal: Hier werdet Ihr selbst zum Biathlon-Star

Gebhardt bezeichnete den leichten Rückgang im zweiten Halbjahr 2025 in einer Mitteilung am Dienstag als Anzeichen dafür, dass Bodycams - den gestiegenen Einsatzzahlen zum Trotz - bereits ein halbes Jahrzehnt nach ihrer Einführung "ausgereizt" seien.

Anzeige

Bodycams in Sachsen: Aufgezeichnetes Videomaterial häufig nutzlos

Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt (62) hält die Bodycams in Sachsen bereits jetzt für "ausgereizt". (Archivbild)  © Steffen Füssel

Seine Schlussfolgerung begründete der Fraktionsvorsitzende unter anderem damit, dass das aufgezeichnete Videomaterial nur selten von Bedeutung ist: "In den meisten Fällen bleibt es beim sogenannten 'Pre-Recording'. Dabei werden 60-Sekunden-Clips aufgezeichnet, aber automatisch wieder gelöscht, wenn sie nicht benötigt werden."

Dieser Sachverhalt geht auch aus den Zahlen des Innenministeriums hervor. Bei insgesamt 14.165 Einsätzen blieb es im gesamten Jahr 2025 lediglich beim "Pre-Recording". In 358 Fällen ging das "Pre-Recording" in eine dauerhafte Aufzeichnung über, in 553 Fällen wurde der Polizeieinsatz unmittelbar mit einer dauerhaften Videoaufzeichnung gestartet.

Nur in 846 Fällen wurde das mit einer der 1504 verfügbaren Bodycams aufgezeichnete Material dabei zu Beweiszwecken oder zur Prüfung der Rechtmäßigkeit einer polizeilichen Maßnahme überhaupt abgespeichert.

Sachsen Ärger an sächsischem Bahnhof: Feuerwehr muss fünf Personen aus neuem Aufzug befreien

Bodycams wurden in Sachsen mit dem Ziel eingeführt, Polizeibeamte vor Angriffen zu schützen und "konfliktbehaftete Situationen zu deeskalieren", wie die Sächsische Datenschutz- und Transparenzbeauftragte damals mitteilte.

Dass diese Ziele nur bedingt erfüllt wurden, ging schon aus einem Zwischenfazit der Staatsregierung aus dem Jahr 2024 hervor.

Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt: "Kein belastbarer Nachweis für Deeskalations-Effekt"

Der Nutzen von Bodycams wird weiterhin kontrovers diskutiert. (Symbolbild)  © Monika Skolimowska/dpa

In zwei Befragungswellen gab nur eine Minderheit von 40 beziehungsweise 35 Prozent der Polizisten an, dass eine Bodycam im Hinblick auf die "Deeskalation in schwierigen Situationen" einen hohen oder sehr hohen Nutzen aufwies.

Ebenfalls in der Minderheit waren Polizeibeamte, die den Nutzen einer Bodycam zum Zwecke der Eigensicherung als hoch oder sehr hoch bewerteten.

Linken-Politiker Gebhardt erklärte, dass bisher noch "kein belastbarer Nachweis" über die deeskalierende Wirkung von Bodycams erbracht worden sei. Aus diesem Grund warnte er vor einer geplanten Ausweitung von Bodycam-Anwendungen.

"Im Zuge der geplanten Novellierung des Sächsischen Polizeivollzugsdienstgesetzes will die Staatsregierung es künftig auch erlauben, Bodycams unter bestimmten Voraussetzungen in Wohnungen zu aktivieren. Bislang ist das nur in 'öffentlich zugänglichen Bereichen' erlaubt. Die Ausweitung sehen wir als Linke skeptisch. Denn die Wohnung ist verfassungsrechtlich besonders geschützt", so Gebhardt.

Mehr zum Thema Sachsen: