Sachsen - Heim und Hof oder (Profi-)Karriere? Emely Dittrich (20) gilt im Boxen als Nachwuchshoffnung, der Schritt zu den Profis ist in greifbarerer Nähe. Gleichzeitig beendet sie bald ihre Ausbildung zur Tierwirtin – und mit diesem Dilemma steht eine Entscheidung fürs Leben an.
Morgens 6.30 Uhr in Struppen: Emely Dittrich steht in Gummistiefeln mit der Heugabel auf dem Milchhof.
Mit dem dritten Lehrjahr schließt sie ihre Ausbildung diesen Sommer ab, hat Aussichten, übernommen zu werden: "Hier ist kein Tag wie der andere. Mal ist die eine Kuh krank, dann muss man bei einer Geburt helfen. Ich habe sicher meinen Traumberuf gefunden", strahlt die 20-Jährige im Stall.
Während ihrer Schicht versorgt sie die Tiere mit neuem Stroh, organisiert das Melken der insgesamt 550 Milchkühe und flickt auch mal eine Wunde am Huf, wenn eine Kuh lahmt.
Emely ist vierfache Deutsche Meisterin
15 Uhr: Nach der körperlichen Arbeit duscht sich Emely den Stallgeruch ab und fährt ins Boxtraining nach Sebnitz.
16 Uhr: Vor jedem Training wird gewogen. Dann Seilspringen, zwei Runden Schattenboxen und Dehnübungen als Warm-up.
Als achtjähriges Mädchen fand Emely über einen Mitschüler zum Boxsport. Mittlerweile ist sie vierfache Deutsche Meisterin der letzten Jahre, dreifache Europameisterin der U-17, Vize-Europameisterin U-19, Vize-Europameisterin der U-23: "Für die Nationalmannschaft zu kämpfen, das macht mich schon stolz."
Dass sie nicht nur austeilen, sondern auch einstecken kann, bewies die boxende Sächsin bei der EM 2023 in Armenien, als ihr die Gegnerin in der zweiten Runde die Nase brach: "Ich war unkonzentriert, habe die Deckung unten gelassen, da kam der Schlag – und die Nase war durch."
Erst zum Ende der dritten Runde stoppte der Ringarzt den blutigen Kampf.
Emely Dittrich muss sich zwischen ihren Träumen entscheiden
Zweimal die Woche trainiert Emely bei der BSG Sebnitz, erhält zusätzlich über die Woche verteilt Hausaufgaben von ihrem Trainer, Heiko Kött (61): "Emely ist eine Kämpfernatur. Athletik, Ausdauer, Schnelligkeit, sie liefert einfach das Gesamtpaket." Zudem mache sie "ihr absoluter Siegeswille zu einem Ausnahmetalent".
Nun muss sich Emely Dittrich zwischen ihren Träumen entscheiden: Tierwirtin oder Profi-Boxerin.
Denn für den Schritt zu den Profis müsste sie zum Leistungsstützpunkt des Bundes ins rund 600 Kilometer entfernte Heidelberg: "Die Natur, die Berge, die Aussicht, das ist halt meine Heimat", sagt die gebürtige Altendorferin gerührt, nimmt damit ihre Entscheidung vielleicht schon vorweg ...
Doch zunächst bereitet sich Emely auf ihren nächsten Kampf vor. Am 28. März boxt sie bei der "Großen Kampfnacht" in Großenhain.