Doppel-Zoff bei Sachsens Freien Wählern: Jetzt schmeißt der Parteichef hin

Dresden - Ihr Potenzial auf kommunaler Ebene ist groß, doch zu Land- und Bundestagswahlen verpufft es regelmäßig: Die Freien Wähler Sachsen stecken in der Bedeutungskrise. Jetzt wirft auch noch ihr Landes-Chef hin.

War fünf Jahre Chef der Freien Wähler in Sachsen: Thomas Weidinger (62) wirft jetzt hin.  © Robert Michael/dpa

Thomas Weidinger (62) reicht es. Nach fünf Jahren an der Landesspitze der Freien Wähler ist der Rechtsanwalt aus Zwenkau zurückgetreten. Nach zwei Bundestagswahlen und einer verlorenen Landtagswahl sei der Zeitpunkt gekommen, dass neue Köpfe mit neuen Ideen die Verantwortung übernehmen, erklärte er zum Abschied. Es ist die freundliche Version.

Die ehrliche ist, dass Weidinger die Nase voll hat, weiter in einem Sandwich aus destruktiver Bundesparteipolitik und kommunalem Desinteresse zerrieben zu werden. In einem Schreiben an die sächsischen FW-Mitglieder spricht der scheidende Parteichef von mangelnder Unterstützung aus den FW-Vereinen, Kreistagsfraktionen und Kreisverbänden.

"Ein 'Rosinenpicken' - kommunal profitieren, aber landespolitisch auf Distanz gehen - kann und darf auf Dauer kein Modell sein", kritisiert Weidinger. Hier brauche es "endlich Klarheit, Verlässlichkeit und ein Mindestmaß an Solidarität innerhalb unserer eigenen Strukturen".

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Weidinger lässt kein gutes Haar an Aiwanger

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (55) fällt bei Thomas Weidinger (62) durch.  © Lennart Preiss/dpa

Noch vernichtender fällt sein bundespolitisches Fazit aus: "Das Einknicken von Hubert Aiwanger und seiner bayerischen Landtagsfraktion im Zusammenhang mit der Schuldenbremse hat dem Ansehen der Freien Wähler - auch in Sachsen - spürbar geschadet", lässt Weidinger kein gutes Haar am Bundesvorsitzenden.

Statt nach dem schwachen Ergebnis der vergangenen Bundestagswahl zügig einen klaren bürgerlich-konservativen Kurs einzuschlagen und den Mut zu haben, auch unbequeme Themen offen anzusprechen, verharre man "in unverbindlichen Allgemeinplätzen".

Damit werde weder Vertrauen geschaffen noch politische Relevanz erzielt, so Weidinger "Wer nicht bereit ist, auch einmal Gegenwind auszuhalten, wird weder Profil noch Wahlen gewinnen."

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Am 13. Juni soll es nun einen Landesparteitag in Chemnitz geben. Bis dahin werden Weidingers Stellvertreter Matthias Binner (40) und Madelaine Vogt (49) die Partei führen.

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