Bürokratie-Irrsinn in Sachsen! Gemeinde soll neuen Radweg wieder abreißen
Sayda - Die Idee war einfach. Weil in Dorfchemnitz (Erzgebirge) der touristische Radweg "Blockline" die Kreisstraße an einer unübersichtlichen Kurve kreuzt, wollte Bürgermeister Thomas Schurig (63) die Unfallgefahr mildern. Dafür entstand ein 90 Meter langer Weg, der eine sichere Umleitung für Radfahrer und Wanderer ermöglicht – der jetzt auf Weisung des Landratsamtes Mittelsachsen wieder abgerissen werden soll.
Die Gemeinde fand eine preiswerte Materiallösung, ließ den Erdaushub einer nahe gelegenen Baustelle parallel zur Straße aufschütten und verdichten.
"Wir haben dafür insgesamt rund 500 Euro ausgegeben. Mit einer Decke aus Feinsplitt wären es am Ende 3000 Euro gewesen", so Bürgermeister Schurig. "Das Landratsamt wusste Bescheid, es gab vor dem Bau eine Ortsbegehung."
Doch bevor der Bau vollendet war, sperrte das Amt den Radweg. "Eine neu errichtete Verkehrsanlage muss für alle nutzbar sein, zum Beispiel auch für eine Familie mit Radanhänger. Dies setzt eine Ertüchtigung der jetzt vorhandenen Erdaufschüttung voraus", teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.
Die Behörde verweist auf weitere gesetzliche Vorgaben, wie ein Planfeststellungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Bürokratie-Posse! Planung für Radweg kostet 35.000 Euro
"Nun liegt die Entscheidung bei der Gemeinde, die Aufschüttung zurückzubauen oder in das große Baurechtsverfahren einzusteigen."
"Das würde 35.000 Euro Planungskosten bedeuten. Wie soll ich das dem Steuerzahler erklären?", fragt sich Bürgermeister Schurig.
Auch Blockhausen-Sauensäger Andreas Martin (69), der als Grundstückseigentümer die Fläche neben der Straße zur Verfügung stellte, schüttelt mit dem Kopf: "Das ist Bürokratie hoch drei. Einen fast fertig gebauten Radweg, der gut funktioniert, wieder abzureißen, ist so sinnlos."
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt (2)
