"Ergebnis darf niemanden kaltlassen": Besorgte Stimmen nach OB-Wahl in Aue
Aue-Bad Schlema - Es war ein absoluter Wahlkrimi! Am Sonntagabend herrschte im Rathaus in Aue-Bad Schlema (Erzgebirge) ein wahrer Medienrummel. Der Grund: Beinahe wäre ein Neonazi zum Bürgermeister gewählt worden. Nur etwa 500 Stimmen verhinderten die politische Zäsur. Besonders aus dem linken Spektrum kommen besorgte Töne.
Gegen 19.30 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest. CDU-Kandidat Marcus Hoffmann (41) gewann mit 5007 Stimmen, Stefan Hartung (37, rechtsextreme "Freie Sachsen") musste mit 4499 Stimmen seine Wahlniederlage einräumen.
Es folgten zahlreiche Gratulationen für den neuen CDU-Bürgermeister - so etwa von den erzgebirgischen Grünen. Dass fast 5500 Bürger für den rechtsextremen Kandidaten stimmten, macht die Grünen allerdings nachdenklich.
"Dieses Ergebnis darf niemanden kaltlassen", teilt die Partei auf ihrer Facebook-Seite mit: "Es zeigt, dass viele Menschen Sorgen und Frustrationen haben und sich von Politik nicht ausreichend gehört fühlen."
Auch das Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz" zeigt sich besorgt. Dass fast die Hälfte der Wähler ihr Kreuz bei einem Neonazi gemacht haben, sei ein fatales Signal.
"Es gibt keinerlei Entschuldigung und auch keinerlei Verständnis unsererseits für solch ein Wahlverhalten", teilt das Bündnis mit.
Wahl-Krimi zeigt: In Aue-Bad Schlema brodelt es gewaltig - vor allem beim Thema Sicherheit
Die Wahl machte deutlich: In Aue-Bad Schlema brodelt es gewaltig. Viele Bürger sorgen sich um Sicherheit und Ordnung.
Vor allem der Postplatz rückt dabei immer wieder in den Fokus. Hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalt-Eskalationen. Bürger berichten in Gesprächen, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen.
Genau an diesem Punkt setzte Stefan Hartung an. Der "Freie Sachsen"-Kandidat machte die Probleme zum Wahlkampfthema Nummer eins - und traf damit bei vielen Wählern ins Schwarze. Für einen Wahlsieg reichte es aber nicht.
Übrigens: Auch CDU-Kandidat Marcus Hoffmann will in Aue für Sicherheit und Ordnung sorgen.
Der neue OB spricht in seinem Wahlprogramm von einem Beleuchtungskonzept in dunklen Ecken. Dazu will er die Ordnungsbehörde ausbauen und einen professionellen Sicherheitsdienst beauftragen.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (3)