OB-Wahl in Aue: Darum schnitten die "Freien Sachsen" bei der Briefwahl so schlecht ab
Aue-Bad Schlema - Bei der OB-Wahl in Aue-Bad Schlema setzte sich der CDU-Kandidat Marcus Hoffmann (41) knapp gegen Stefan Hartung (37, rechtsextreme "Freie Sachsen") durch. Die Briefwahl-Ergebnisse verhinderte den Hartung-Sieg. Doch warum schnitten die "Freien Sachsen" bei der Briefwahl so schlecht ab?
Der CDU-Kandidat erhielt 1885 Brief-Stimmen, der "Freie Sachsen"-Herausforderer 976.
Politikwissenschaftler Prof. Eric Linhart (50) von der TU Chemnitz weiß: Es gibt Unterschiede zwischen Brief- und Urnenwählern. Unter anderem wissen Briefwähler meist schon einige Wochen vor der Wahl genau, wem sie Ihre Stimme geben.
"Es lassen sich aber auch Unterschiede zwischen Parteien feststellen", sagt Linhart. Vor allem bei der AfD sei zu beobachten, dass es besonders wenig Briefwähler gibt.
"Das ist kaum verwunderlich, da AfD-Politiker häufig die angebliche Unsicherheit von Briefwahlen betonen", erklärt der Politik-Experte.
Bei den "Freien Sachsen" sei das Muster ähnlich. Wähler der rechtsextremen Kleinstpartei sehen die Briefwahl skeptisch, geben daher ihre Stimme eher direkt im Wahllokal ab.
"Unterschiedliche Ergebnisse zwischen Brief- und Urnenwahlergebnissen in der vorliegenden Form sind daher völlig plausibel", so der Uni-Professor.
"Hartung"-Anhänger kritisieren Briefwahl
Sowohl Stefan Hartung als auch einige seiner Anhänger schimpfen auf die Briefwahl. Einige Unterstützer fordern im Netz sogar, dass diese abgeschafft werden soll.
Dabei ist das Verfahren extrem wichtig für die Demokratie. Es ermöglicht allen Bürgerinnen und Bürgern die Teilnahme an einer Wohl - unabhängig von Zeit, Ort oder körperlichen Einschränkungen.
Zudem betont der Politik-Experte: "Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass bei Briefwahlen verstärkt manipuliert würde."
Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa, Ralph Kunz
