Fliegendes Hightech-Labor: Wissenschaftler forschen in Sachsen am Treibstoff der Zukunft

Kamenz - In Sachsen hebt bald die Zukunft ab. Die TU Dresden präsentierte am Donnerstag auf dem Flugplatz Kamenz ihr spektakuläres neues Forschungsflugzeug. Was aussieht wie ein kleiner Flieger, ist in Wahrheit ein europaweit einzigartiges fliegendes Hightech-Labor für klimafreundliches Fliegen. Hier soll die Luftfahrt neu erforscht werden - ohne Kerosin, aber mit jeder Menge Vision.

Im Hänger des Flugplatzes wurde das neue fliegende Labor präsentiert.  © Ove Landgraf

Für Maik Gude (55), Direktor vom Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik, ist klar: "Das ist ein Meilenstein." Acht Jahre Arbeit stecken in dem Projekt. "Der Weg hierher war ganz sicher nicht einfach, aber wir feiern unser fliegendes Reallabor."

Die Idee: Verschiedene Antriebe, zum Beispiel elektrisch, mit Wasserstoff oder kombiniert, werden direkt im Flug getestet. Einfach gesagt: Statt nur im Labor zu tüfteln, schauen die Forscher jetzt, was wirklich in der Luft funktioniert.

"Wir schließen die Lücke zwischen Theorie und Praxis", so Gude. Auch Johannes Markmiller (48), Inhaber der Professur für Luftfahrttechnik an der TU, schwärmt: "Das ist für uns der Schlüssel zur klimaneutralen Luftfahrt. Wir können hier unter realen Bedingungen die Grenzen verschieben."

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Das Flugzeug, eine Diamond DA62 MPP, hat eine Spannweite von rund 14,7 Metern und erreicht bis zu 372 km/h. Bis zu zehn Stunden bleibt es in der Luft.

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Flugzeuge haben einen hohen Verbrauch an umweltschädlichen Kerosin.  © imago/Sven Simon
Johannes Markmiller (48) hatte das Flugzeug nach Kamenz geflogen.  © Ove Landgraf
Maik Gude (55) sprach von einem Symbol für die Zukunft.  © Ove Landgraf
Ministerialrat Walter Kühme (57, SPD) machte auf die internationale Bedeutung des Projektes aufmerksam.  © Ove Landgraf

Sachsens Wissenschaftsminister betont Tragweite

In den nächsten Wochen und Monaten wird das 2300 Kilo schwere Flugzeug für diverse Tests abheben.  © Diamond Aircraft Industries GmbH

An Bord messen Sensoren alles Wichtige: Energieverbrauch, Temperaturen, Luftströmungen und Kräfte, die auf das Flugzeug wirken.

Aus diesen Daten entsteht ein "digitaler Zwilling", ein virtuelles Abbild des Flugzeugs im Computer, mit dem weiter getestet werden kann.

Doch es geht um mehr als Technik. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47, CDU) betont die Tragweite: "Die Maschine ist für den Forschungsstandort Lausitz ein wichtiger Baustein für den Strukturwandel. Hier geht es um nicht weniger als die Zukunft der Luftfahrt."

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Walter Kühme (57) vom Wissenschaftsministerium ergänzt: "Die Welt verändert sich sehr stark und wir sehen jeden Tag, warum es sinnvoll ist, sich von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen."

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