Heute geht's in Freiberg um Sachsens Bodenschätze: "Risiken gibt es immer"

Freiberg - Seltene Erden stecken in Smartphones, Elektroautos oder Windkraftanlagen. In Storkwitz (Nordsachsen) lagert das einzig bekannte Vorkommen in Mitteleuropa. Darüber und über andere Bodenschätze sprach TAG24 im Vorfeld der 3. Sächsischen Rohstoffkonferenz mit Prof. Martin Bertau (57) von der TU Bergakademie Freiberg.

Prof. Dr. Martin Bertau (57) organisiert die 3. Rohstoffkonferenz in Freiberg.  © Kristin Schmidt

TAG24: Herr Prof. Bertau, um den Bergbau war es in Sachsen jahrelang ruhig. Aktuell gibt es gleich mehrere Initiativen. Was ist da los?

Martin Bertau: "Die Weltmarktpreise waren lange im Keller. Inzwischen bewegen sie sich auf einem Niveau, da kann man entspannt nachdenken, ob und wo es sich lohnt, einzusteigen."

TAG24: Hätte der hiesige Bergbau gegen Giganten wie China wirklich eine Chance?

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Martin Bertau: Wenn China mit Dumpingpreisen den Markt manipuliert - übrigens: Nichts anderes haben westliche Nationen früher auch gemacht -, muss Europa eben in der Lage sein, darauf zu antworten.

TAG24: Machen Proteste und die Bürokratie nicht jeden Bergbau in Deutschland unattraktiv?

Martin Bertau: Nicht, wenn alle Beteiligten rechtzeitig aufeinander zugehen und ehrlich und transparent kommunizieren. Risiken gibt es immer. Aber Bergbau ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit Mondlandschaft. Der moderne Bergbau ist wie ein Tunnel, nur dass Sie wieder aus demselben Loch rausfahren. Alles andere passiert im Berg. Und bleibt auch dort. Oder Sie machen Fluidbergbau: Die Wertstoffe löst man raus und pumpt sie hoch. Wir haben dazu auch ein Patent auf den Weg gebracht.

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Sieht aus wie Silber, tatsächlich enthält die Gesteinsprobe Lithium.  © Holm Helis

Lagerstätte für Zinn, Wolfram, Gold, Silber und Fluorit im Erzgebirge

Sachsen hat eine ganze Reihe von Primärrohstoffen zu bieten. In Altenberg (Foto) soll Lithium abgebaut werden.  © Egbert Kamprath

TAG24: Für welche Rohstoffe eignet sich dieses Verfahren?

Martin Bertau: Für die Gewinnung seltener Erden, wie sie in Storkwitz bei Delitzsch vorkommen, zum Beispiel. Zwei kleine Bohrlöcher genügen. Einen Schacht abzuteufen, erübrigt sich. Über das Lithium bei Altenberg wurde schon viel publiziert.

TAG24: Welche Rohstoffe sind sonst noch von Bedeutung?

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Martin Bertau: Wir haben in Pöhla bei Schwarzenberg eine unheimlich spannende Lagerstätte mit Zinn, Wolfram, Gold, Silber und Fluorit. Daran sind gleich zwei Bergbauunternehmen interessiert. Mit etwas Glück findet man in Sachsen vielleicht auch Weißen Wasserstoff. Der ist geologisch entstanden und kann wie Erdgas gefördert werden.

TAG24: Was spielt auf der Rohstoffkonferenz sonst noch eine Rolle?

Martin Bertau: In einem zweiten Teil wird es um nachwachsende Rohstoffe gehen. Teil 3 widmet sich dem Recycling.

Das Foto entstand 1991. Durch moderne Bergbauverfahren kann heute vielfach auf einen Abbau mit Tunneln und Bahnen verzichtet werden.  © Egbert Kamprath

Wer kann an der Rohstoffkonferenz teilnehmen?

TAG24: Wer kann an der Tagung eigentlich teilnehmen?

Martin Bertau: Die Konferenz ist offen für alle! Wirtschaft, Bürger, Wissenschaft, jeder ist willkommen. Auch Wirtschaftsminister Panter wird dabei sein.

Die 3. Sächsische Rohstoffkonferenz findet am heutigen Donnerstag an der TU Bergakademie Freiberg, Petersstraße 5, statt. Weitere Informationen findet Ihr unter: www.tu-freiberg.de.

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