Dresden - Vielfalt unter Beschuss: Spätestens seit 2024 stehen "Christopher Street Days" (CSD) und Pride-Paraden im Fokus rechtsextremer Gegendemos. Erstmals haben Wissenschaftler nun untersucht, wie sich das auf die Teilnehmer der Demos auswirkt. Doch auch vom Freistaat Sachsen gibt es Gegenwind für den Regenbogen.
Auf 15 CSDs, einem Dyke-Marsch und der "Queerpride Dresden" verteilten die Politikwissenschaftler Lea Bellmann (25) und Bastian Stock (33) Fragebögen, 2701 davon kamen auswertbar zurück.
"Das ist keine Repräsentativität, aber ein guter Einblick", erklärt Stock. Im ländlichen Raum habe man damit sogar 16 Prozent der Teilnehmer erreicht.
Doch deren Stimmung hat wenig mit Party zu tun: 755-mal wurden den Forschern selbst erlebte und 1530 beobachtete Angriffe berichtet. "Während der Events eher weniger", sagt Lea Bellmann. "Aber die An- und Abreisen werden zu Angsträumen."
Dass es sich nicht nur um gefühlte Bedrohung handelt, zeigen die Antworten aus dem Innenministerium auf Anfragen der Linken-Angeordneten Juliane Nagel (47) zu queerfeindlicher Gewalt.
Veranstaltung statt Versammlung? OB Dirk Hilbert über neue CSD-Pläne in Dresden verärgert
163 dieser Fälle gab es, wobei diese nicht nur die Community treffen: Beim CSD in Bautzen wurde ein Zivilpolizist zu Boden geschlagen, die Angreifer wollten sein Handy, um festzustellen, dass er "keine Zecke" sei.
Es sei der zweithöchste Wert, nachdem es 2024 insgesamt 181 Angriffe gegeben habe. Gleichwohl gibt ein Großteil der Demonstranten an, wieder an den Demos teilnehmen zu wollen.
Wenn sie denn noch als solche stattfinden können: Die Landesdirektion teilte am Montag mit, das Straßenfest des Dresdner CSD nicht mehr als Versammlung, sondern als Veranstaltung einzuschätzen. Damit kommen auf Organisatoren enorme Ausgaben für die Absicherung zu.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert (54, FDP) reagiert verärgert: "Ich habe schon mehrfach aus Überzeugung die Schirmherrschaft für das CSD-Straßenfest übernommen. Politik spricht oft über Bürokratie-Abbau und mehr Bürgerfreundlichkeit. Deshalb verstehe ich nicht, warum ausgerechnet hier für den CSD ein Bürokratiemonster geschaffen und nicht im Sinne eines Teils der Bürgerschaft gehandelt wird."