Hochland-Politiker toben: Rathaus streicht alle Versprechen fürs TV-Turm-Projekt

Dresden - Die städtischen Pläne zur Wiederbelebung des Fernsehturms und einer möglichen Eröffnung in 2030 stoßen insbesondere vor Ort auf Skepsis.

Während viele Dresdner von der Wiedereröffnung des Fernsehturms in Wachwitz träumen, fürchten Anwohner gravierende Nachteile wie Verkehrschaos.  © Stefan Häßler

Den Anwohnern wurde im Vorfeld viel "versprochen", wovon kaum etwas geblieben ist. Nun musste die Verwaltung mit ihrem abgespeckten Verkehrskonzept in die "Höhle des Löwen" ins Schönfelder Hochland - und konnte am Ende einer Blamage entgehen.

Voller Saal: Neben den Räten waren Montagabend auch Anwohner, Vertreter des Fernsehturmvereins und der Bürgerinitiative gekommen. Ihnen stellte sich die Verwaltung mit Amtsleiterin, Verkehrsplanern und Co.

Zwei Stunden ging es teils sehr emotional her. Knackpunkt ist das Verkehrskonzept, das zur Inbetriebnahme des Turms umgesetzt werden soll.

Sachsen Morgen muss diese A72-Auffahrt gesperrt werden

Ursprünglich hatte die Verwaltung weit mehr als die jetzt geplanten 66 Parkplätze oder ein neues Parkhaus vor Ort vorgesehen, die Sanierung der Zufahrtsstraßen geplant und auch die ÖPNV-Anbindung sollte verbessert werden.

Zudem war von einem Shuttle-Betrieb die Rede gewesen. "Uns wurde vor Jahren viel versprochen, als die Stadt noch Geld hatte", so Ratsmitglied Christoph Braun (46, SPD). "Aber nun hat sie ja kein Geld mehr."

Anzeige
Am Montagabend diskutierte der Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig gut zwei Stunden über das Rathaus-Konzept zur Turm-Revitalisierung.  © Norbert Neumann
Trotz nicht gehaltener städtischer Versprechen glaubt der CDU-Chef im Hochland, Felix Stübner (36), weiter an die Chancen des Projekts.  © Norbert Neumann

Zu viel versprochen? Parkhaus, Straßensanierung, verbesserte Bus-Anbindung und Shuttle-Betrieb wurden im Konzept gestrichen

Das war anders geplant: Die Taktung der Buslinie 61, die am Turm-Parkplatz hält, soll nicht verbessert werden.  © Petra Hornig

Heißt: Parkhaus, Straßensanierung, verbesserte Bus-Anbindung und Shuttle-Betrieb wurden im Konzept gestrichen oder sind jetzt nicht mehr zwingend für den Turm-Betrieb (mindestens 200.000 Besucher pro Jahr) erforderlich.

Im Vorfeld gab es darum mehrere Anträge, welche der Stadt die Zustimmung verweigerten.

"Chancen und Stärken des Projekts werden betont, Risiken und Schwächen aber nicht ausreichend aufgezeigt", begründete etwa Jens Mizera (41, Grüne) seine Ablehnung.

Sachsen In Oskarshausen planen sie schon den Frühling

Am Ende stand eine Art Kompromiss. "Ich verstehe die Bedenken der Anwohner vor Chaos auf den Straßen", so Felix Stübner (36), Chef der CDU im Hochland, der selbst in Gönnsdorf lebt.

Risiken werden ausgeblendet: Ortschaftsratsmitglied Jens Mizera (41, Grüne) bleibt skeptisch.  © Norbert Neumann

Das letzte Wort hat im März der Stadtrat

Umliegende Straßen wie die Schönfelder Straße haben teils noch nicht mal einen Fußweg.  © Petra Hornig

Er glaube aber auch an die Chancen, etwa für die örtliche Infrastruktur.

So fand sein Antrag eine Mehrheit, das städtische Revitalisierungs-Konzept abzunicken, sich aber gleichzeitig bei OB Dirk Hilbert (54, FDP) stark zu machen, die ursprünglichen Verkehrsverbesserungen wieder aufzunehmen (150 Parkplätze, Sanierung Quohrener Straße, Fußwege zwischen Oberbühlau und Gönnsdorf, bessere Bus-Taktung).

Stübner: "Wenn davon aber gar nichts käme, wäre es eine miese Nummer." Auch im Finanzausschuss ging das Konzept durch, das letzte Wort hat im März der Stadtrat.

Mehr zum Thema Sachsen: