Putzige Tierchen haben sich zur Plage entwickelt: Schon 27.000 Problembären geschossen

Leipzig - Manche finden sie putzig. Andere nennen sie Plagegeister: Waschbären. Das Raubtier mit der Zorro-Maske hat sich rasant in Sachsen ausgebreitet. Im Jagdjahr 1992/93 wurden erstmals Waschbären in den sächsischen Wäldern geschossen - drei Exemplare.

Waschbären sind eine eingewanderte Art. Ihre massenhafte Vermehrung stellt ein Problem für heimische Tierarten dar. (Symbolfoto)
Waschbären sind eine eingewanderte Art. Ihre massenhafte Vermehrung stellt ein Problem für heimische Tierarten dar. (Symbolfoto)  © dpa/Patrick Pleul

Zehn Jahre später waren es 80. Im Jagdjahr 2024/25 sind knapp 27.000 Waschbären zur Strecke gebracht worden, berichtet der Landesjagdverband.

Der Waschbär ist in Sachsen nicht heimisch. Er wurde im 20. Jahrhundert aus Nordamerika nach Europa importiert - zur Pelzherstellung. Durch Auswilderung und Flucht aus Farmen gelangte die Population in die Natur.

Waschbären sind inzwischen hierzulande zu Problembären mutiert. Der anpassungsfähige, geschickte und intelligente Allesfresser erschließt sich extrem erfolgreich nahezu jede Nahrungsquelle.

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"Die Tiere sind erfinderisch, kooperieren im Familienverband, sind geduldig und lernfähig. Deshalb können sie zu simple Hindernisse oft leicht überwinden", berichtet René Sievert (53), Vize-Chef des Naturschutzbundes in Sachsen.

Gefangene Waschbären dürfen nicht erneut in die Freiheit entlassen werden. (Symbolfoto)
Gefangene Waschbären dürfen nicht erneut in die Freiheit entlassen werden. (Symbolfoto)  © Imago
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Die Tiere sind eine echte Gefahr für heimische Ökosysteme

René Sievert (53) vom NABU geht prinzipiell nicht davon aus, dass man Waschbären in der Natur ausrotten kann.
René Sievert (53) vom NABU geht prinzipiell nicht davon aus, dass man Waschbären in der Natur ausrotten kann.  © Alexander Bischoff

Der Waschbär plündert zur Brutzeit Vogelnester, frisst wandernde Amphibien zur Laichzeit, besetzt Höhlen, die für heimische Arten wie den Waldkauz dann nicht mehr verfügbar seien.

Auch Fledermäuse, Eichhörnchen und viele andere Tiere stehen auf seinem Speiseplan.

Lokal können Waschbären dafür sorgen, dass mühsam aufgepäppelte Vogel- und Amphibienvorkommen zusammenbrechen.

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"Menschlicher Frevel am Tierwohl und an der heimischen Fauna ist der eine Grund für die heutige Situation und die negativen Folgen für das Ökosystem", sagt René Sievert.

Waschbären unterliegen dem Jagdrecht und werden gejagt. Die Tiere dürfen aber nur von Menschen getötet werden, die dafür die notwendige Sachkunde besitzen - etwa Tierärzte und Jäger. (Symbolfoto)
Waschbären unterliegen dem Jagdrecht und werden gejagt. Die Tiere dürfen aber nur von Menschen getötet werden, die dafür die notwendige Sachkunde besitzen - etwa Tierärzte und Jäger. (Symbolfoto)  © picture alliance / Countrypixel

Der zweite Grund: Heimischen Ökosystemen fehlt heute oft die Robustheit und Widerstandsfähigkeit, auf invasive Arten wie den Waschbären zu reagieren.

Titelfoto: Bildmontage: dpa/Patrick Pleul; imago; Alexander Bischoff; picture alliance / Countrypixel

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