Dresden/Leipzig - Sachsen sind seine Flughäfen in Dresden und Leipzig lieb und teuer.
Der Betrieb der beiden Airports wird mit Millionen aus dem Haushalt bezuschusst.
Nachdem die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) über Jahre ein straffes Sanierungsprogramm umgesetzt hat, plant sie jetzt für die Zukunft.
Der Dresdner Airport könnte verkleinert und Strukturen in Leipzig optimiert werden.
Hier dazu die Ideen, Zahlen sowie Pläne der Bundesregierung. Sie will dem Luftverkehr aus der Krise helfen.
Sorgenkind Nummer eins: Flughafen Dresden
Die Mitteldeutsche Flughafen AG beginnt, Zukunft zu denken. Sie hebt dabei nicht ab, sondern betrachtet nüchtern die Fakten. Der Flughafen Dresden ist und bleibt ihr Sorgenkind.
Dresden International wurde beim Bau für 3,5 Millionen Passagiere ausgelegt. Tatsächlich lag die Zahl der Fluggäste 2025 lediglich bei 886.578 Passagieren (+0,5 % gegenüber Vorjahr).
"Die wichtigste Frage ist nicht, wie viel Infrastruktur wir haben. Die wichtigste Frage ist, welche Infrastruktur wir wirklich brauchen", sagt MFAG-Chef Götz Ahmelmann (54).
Er plädiert dafür, den Flughafen Dresden als "Zukunftsort" zu denken und zu investieren: zum Beispiel in ein neues Terminal mit einer Kapazität von einer Million Passagieren pro Jahr. Ein entsprechendes Betriebskonzept hat Ahmelmann in der Schublade.
Konkrete Ausführungsplanung derzeit nicht vorhanden
Er betont dabei aber auch: "Die Zukunft des Flughafens Dresden entscheidet sich nicht an der Größe des Terminals, sondern an seiner Wettbewerbsfähigkeit."
In den nächsten Schritten wird geprüft werden, ob dieses Modell strategisch, wirtschaftlich und technisch sinnvoll umsetzbar ist. Eine konkrete Ausführungsplanung gibt es derzeit nicht.
Ahmelmann: "Wir haben keine fertigen Antworten präsentiert, sondern die Fragen definiert, die wir in den kommenden Jahren beantworten müssen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit."
Er lässt keinen Zweifel daran, gestalten zu wollen. "Wir nehmen unser Schicksal stärker selbst in die Hand", sagt Ahmelmann, der seit 2018 die MFAG führt.
Flughäfen sollen zukunftssicher werden
Auch für den Standort Leipzig/Halle werden neue Betriebskonzepte untersucht. Sie konzentrieren sich auf die Optimierung von Abläufen bei der Passagier- und Gepäckabfertigung und eine mögliche Verlagerung des Check-in-Bereiches.
Zudem wird ein verstärkter Einsatz sogenannter Walk-Boarding-Lösungen untersucht. Dabei laufen Passagiere zu Fuß über das Vorfeld zu ihren Flugzeugen. Fluggastbrücken werden so eingespart.
Ahmelmann: "Unser Anspruch ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit beide Flughäfen auch in zehn oder 20 Jahren noch leistungsfähige und wirtschaftlich stabile Infrastruktur für Sachsen sind."
Ahmelmann bekommt beim Nachdenken Raumdeckung von Sachsens Finanzminister Christian Piwarz (50, CDU): "Wenn dieser Weg dazu beiträgt, die Kosten deutlich zu senken und den Flughafenbetrieb wirtschaftlich zu stabilisieren, ist das ein Beitrag für eine gute Zukunft des Standorts."
Flughafen Dresden wird dringend gebraucht
Tatsächlich spielen beide Airports - so unterschiedlich sie auch sind - eine bedeutende Rolle Sachsens Wirtschaft.
Der Flughafen Dresden ist das Tor zur Welt für die Halbleiterindustrie und die Elbe Flugzeugwerke.
Ohne die Nähe zum Flughafen wäre ein Großprojekt wie die TSMC-Ansiedlung kaum denkbar gewesen.
Der Flughafen Leipzig/Halle stellt mit seinem 24-Stunden-Betrieb und der Funktion als globales DHL-Drehkreuz einen Standortvorteil von enormer Strahlkraft dar.
Dresden im Minus, aber Leipzig im Plus
Sachsens Staatsregierung erwartet für das Jahr 2025, dass die MFAG ein voraussichtliches Jahresergebnis in Höhe von 2,2 Mio. Euro erzielt. Das Ergebnis basiert auf einem Minus von 12,5 Mio. Euro der Flughafen Dresden GmbH und einem Plus von rund 15 Mio. Euro der Flughafen Leipzig/Halle GmbH.
"Das erste positive Jahresergebnis unserer Unternehmensgeschichte ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis harter Arbeit, vieler unbequemer Entscheidungen und des großen Engagements unserer Mitarbeitenden", sagt dazu Götz Ahmelmann.
Die mitteldeutschen Flughäfen sind seit ihrem Bestehen auf Kredite und Zuschüsse der Länder Sachsen-Anhalt (hält 18,54 % der Anteile der AG) und Sachsen (77,29 % Anteile) angewiesen. 2025 pumpte Sachsen-Anhalt insgesamt 18,7 Mio. Euro in das Unternehmen. Sachsen führte 41,2 Mio. Euro als Erstattung von Aufwendungen nichtwirtschaftlicher Art zu.
In diesem Jahr wird der Freistaat 37 Mio. Euro zubuttern. Welche Beträge ab 2027 fließen, wird gegenwärtig im Rahmen der Haushaltsverhandlungen in Dresden und Magdeburg ermittelt. Zum Ende des Jahres 2026 erwartet die Firmen-Gruppe ein ausgeglichenes Jahresergebnis.
Bund plant Entlastungen für die Luftfahrtbranche
Die Luftfahrtbranche kann mit Unterstützung vom Bund rechnen. Die Pläne sehen eine Reduzierung der Flugsicherungsgebühren vor. Noch 2026 sollen die Gebühren fallen und bis 2029 um insgesamt mehr als zehn Prozent abschmelzen.
Zudem soll es eine Senkung der Kosten für Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen geben durch effizientere Abläufe und optimierte Prozesse. Die Luftverkehrsteuern sinken zum 1. Juli wieder auf das Niveau vor dem 1. Mai 2024.
Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) über seine Luftfahrt-Strategie: "Sie zielt darauf ab, Deutschland als starken Standort zu sichern. Im Zentrum stehen Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in einer Zukunftsbranche unseres Landes."
Deutschlands Luftverkehr verliert zunehmend im internationalen Vergleich. Schuld sind hohe Standortkosten, gestrichene Verbindungen, fehlende Entlastungen.
Das Passagieraufkommen in Deutschland stagniert im Zehnjahresvergleich nahezu (plus 1,7 %), während Frankreich im selben Zeitraum um 30 Prozent und Polen sogar um 122 Prozent wächst.