Sachsens großer Mückenatlas: Das sind die gefährlichsten und fiesesten Blutsauger
Dresden - Überall nerven sie aktuell und sorgen für fieses Jucken - Mücken! Wer in unseren Breiten am häufigsten zusticht oder -beißt, findet sich im "Mückenatlas" zweier Forschungseinrichtungen. Und nein, die Asiatische Tigermücke ist trotz ihres üblen Rufes hierzulande nicht der gefährlichste Blutsauger.
"Es gibt viel Unwissen, wenn es um das Thema Mücken geht", sagt Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, das zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut das Projekt "Mückenatlas" betreibt. Vor allem mithilfe von Hobbyforschern, die den Wissenschaftlern Jahr für Jahr eingefangene Mücken schicken, die dann auf Erreger untersucht werden.
Obwohl die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) breite Aufmerksamkeit errege, gehe aktuell von der eingeschleppten Art keineswegs die größte Gefahr aus, weiß Werner.
"Bei den invasiven Mückenarten waren bisher noch keine Würmer oder Viren nachweisbar." Obwohl diese als potenzielle Überträger infrage kämen und etwa durch Güterverkehr und Touristen "praktisch ständig" aus dem Süden eingeschleppt würden, könnten sich Krankheitserreger wie Dengue- und Zika-Viren im Mückenspeichel unter den aktuellen klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht optimal über einen längeren Zeitraum vervielfältigen.
Als zentraler Überträger für Erreger wie das West-Nil-Virus, das vor allem für ältere oder kranke Menschen gefährlich werden kann, gilt hingegen ein hierzulande selbstverständlicher Begleiter: die Gemeine Hausmücke (Culex pipiens).
Daten der Institute zufolge haben die einheimischen Stechmücken das Virus von Berlin und Brandenburg ausgehend mittlerweile auch bis nach Sachsen verbreitet.
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Kriebelmücken sollte man nicht unterschätzen
Ein weiterer Plagegeist ist die Rheinschnake (Aedes vexans), eine Überschwemmungsmücke, deren Larven sich in überfluteten Wiesen und Auen massenhaft entwickeln. Laut Werner kann sie in kurzer Zeit enorme Populationsdichten erreichen.
Richtig fies juckt die Haut nach einem Angriff von Kriebelmücken (Simuliidae). Anders als Stechmücken, die ihren Opfern das Blut via Rüssel aussaugen, reißen die "Kriebel-Kräbel" einen Krater in das Unterhaut-Bindegewebe, bis sich ein Blutstropfen bildet, der dann aufgeleckt wird.
Problematischer als der Stich selbst seien die Folgen unsachgemäßer Behandlung, erklärt Mücken-Fachfrau Werner.
"Bei Kriebelmückenstichen gilt vor allem: Hände weg von der Hautöffnung." Selbst leichte Verunreinigungen, die beim Kratzen in die Wunde gelangten, könnten teils ernste Infektionen nach sich ziehen.
Welche Stiche sind am unangenehmsten?
Der kleinste Plagegeist ist hierzulande die Gnitze (Ceratopogonidae). Die nur ein bis zwei Millimeter große Mücke gelangt selbst durch Zeltplanen. Gnitzen blieben so oft völlig unbemerkt, bis sich der juckende Stich bemerkbar mache, berichtet Werner.
Wer nun die unangenehmsten Stiche verursacht, könne wissenschaftlich nicht eindeutig beantwortet werden, sagt Werner. Jede Reaktion auf einen Stich hänge vom eigenen Immunsystem ab.
Zudem beeinflusse der beim Stich abgesonderte Protein-Cocktail die Stärke der Abwehrreaktion. Wärme (ca. 50 Grad) zersetzt übrigens diese Eiweiße, was zu schneller Linderung des Juckreizes führt.
Im Handel gibt es dafür elektronische Stichheiler - ein erwärmter Löffel tut es aber auch. Als Hausmittel hilft auch eine aufgeschnittene Zwiebel, mit der man den Stich einreiben kann. Zwiebelsaft wirkt antiseptisch und lindert den Juckreiz.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/blickwinkel (2), IMAGO/imagebroker, Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

