Das verborgene Herz der Talsperre Gottleuba: Zum 50. Geburtstag öffnet die Staumauer ihre Tore
Bad Gottleuba - Ein Ort, den sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt, öffnet seine Tore und gewährt tiefe Einblicke ins Herz einer gewaltigen Staumauer. Zum 50. Geburtstag der Talsperre Gottleuba wird aus einem sonst verborgenen Innenleben ein Erlebnis für Tausende. Was sich hinter Beton, Stufen und schweren Türen verbirgt, ist spektakulärer als viele ahnen.
65 Meter ragt Sachsens höchste Staumauer in die Höhe - ein Koloss aus Beton, der seit den 1970er-Jahren Wassermassen bändigt und die Region schützt.
Hinter der Fassade verbirgt sich ein fein austariertes System: 29 einzelne Felder, durchzogen von Schächten, in denen Pendel frei schwingen. "Damit messen wir, wie sich die Mauer bewegt", erklärt Staumeister Heiko Hinz (61).
Denn der Druck des Wassers wirkt permanent. Gemessen wird hier fast alles: kleinste Biegungen, Fugenspalten zwischen den Betonfeldern, Sickerwasser und Druckverhältnisse.
Der Alltag? Hochkomplex. "Bauwerksüberwachung, Niederschlagsmessungen, Wassergüte - das gehört alles dazu", sagt Hinz.
Unterstützt wird die Arbeit heute durch moderne Technik: automatisierte Messsysteme und sogar Satellitentelefone. "Das ist keine Schönwettertechnik. Das hat sich bei Hochwasser bewährt."
Denn gerade Extremsituationen prägen den Job. Das Hochwasser 2002 bleibt unvergessen: "Ich habe hier 2002 als Staumeister angefangen. Das war also ein sehr herausfordernder Start."
Highlight am Weltwassertag: Besucher dürfen ins Innere der Staumauer hinabsteigen
Aktuell ist die Talsperre zu 97 Prozent gefüllt, bis zu 14 Millionen Kubikmeter Wasser werden hier gespeichert und für die Trinkwasserversorgung im Umland genutzt. Dieses System schützt übrigens auch die Region bis in Richtung Pirna vor Hochwasser.
Zum Weltwassertag am Sonntag wird die Anlage nun zum Publikumsmagneten. Von 10 bis 15 Uhr dürfen Besucher über die sonst nicht frei zugängliche, 327 Meter lange Mauerkrone laufen und die 200 Stufen ins Innere der Staumauer hinabsteigen.
Neben Führungen gibt es Einblicke in die Arbeit der Fachleute, historische Filme, Technik-Ausstellungen und Mitmachangebote. Ein Rundweg führt sogar durch die Sperre bis zum Wasserwerk und zurück.
Titelfoto: Steffen Füssel
