Hohnstein - Das ist DIE Jahreszeit für die Märzenbecherwiesen im Polenztal (Sächsische Schweiz). Hier ist die Natur gesetzlich geschützt. Doch dem blühenden Juwel droht langfristig Gefahr.
Die Sonne scheint, die Märzenbecher blühen, die Welt ist in Ordnung. Zumindest scheint es so.
Aber: "Die Wiesen hier sind nicht in einem ganz guten Zustand", sagt Thomas Westphalen (68) vom Vorstand des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Dem Verein gehören insgesamt 29 Hektar Teilflächen im Tal. Sie formen das Naturschutzgebiet "Märzenbecherwiese".
Als der Verein 1928 die ersten zwei Hektar unterhalb der Bockmühle bei Cunnersdorf erwarb, "da war das hier ein Blütenteppich. Jetzt sind es einzelne Flecken", so Westphalen.
Märzenbecher sehen aus wie große Schneeglöckchen und gehören zur gemeinsamen Familie der Amaryllisgewächse. Größere Vorkommen finden sich im Leipziger Auwald und in der Jahna-Aue bei Riesa.
"Aber hier gibt es das einzige und größte Märzenbecher-Vorkommen in Sachsen außerhalb des Waldes", sagt Biologe Wolfgang Böhnert (76).
Märzenbecher stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten
Insgesamt gesehen ist der Bestand gefährdet. Märzenbecher stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Häufig ist die zunehmende Austrocknung der angestammten Areale das Problem, so auch im Polenztal. Hier beförderte eine künstliche, historisch gewachsene Bewässerung das massenhafte Wachstum der Frühblüher.
Helfen könnte ein Wehr, mit dessen Hilfe Wasser aus der Polenz abgeleitet wird, und die Instandsetzung der alten Wiesenbewässerung, meint Westphalen. Er ist heute nicht allein im Naturschutzgebiet unterwegs.
Kann der Umweltminister helfen? Man lebe in einer "sparsamen" Zeit, sagt Georg-Ludwig von Breitenbuch (54, CDU).
"Aber das Märzenbecher-Vorkommen zu erhalten, ist mir schon wichtig." Heißt: Anliegen angekommen, wird aber mindestens dauern.