Sie stand plötzlich auf dem Wahlzettel: Antrittsbesuch bei Deutschlands unverhofftester Bürgermeisterin
Neschwitz (Kreis Bautzen) - Ihre Bürgermeisterwahl sorgte für bundesweite Schlagzeilen: Juliane Mazalla (43, parteilos) zog jüngst ins Neschwitzer Rathaus ein. Obwohl ihr Name gar nicht auf dem Wahlschein stand. Beim Antrittsbesuch von TAG24 hatte sie bereits erste Erfolgsmeldungen im Gepäck.
"Ein Handbuch für Kommunalpolitiker" liegt im staubfreien Wandschrank des Bürgermeisterbüros, darüber: der "Tarifvertrag öffentlicher Dienst" nebst Gedichtsammlung von Dostojewski bis Oscar Wilde.
"Ich weiß gar nicht genau, was da alles im Schrank steht", lacht Juliane Mazalla. Zum Auspacken und Ankommen blieb nur wenig Zeit.
Ihr Vorgänger verabschiedete sich in den Ruhestand, ein neues Oberhaupt der 2300-Seelen-Gemeinde musste her. Beim ersten Urnengang im September bewarb sich nur ein Kandidat um die Nachfolge, verlor gegen ein leeres Kästchen und zog sich zurück.
Das sächsische Wahlrecht sieht bei einer Einzelkandidatur so einen Kasten vor, in den die Neschwitzer schon beim ersten Wahlgang Mazallas Namen schrieben. Die kandidatenlose Stichwahl entschied sie für sich.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Juliane Mazalla sitzt jetzt im Rathaus von Neschwitz: "Sehr surreal"
Nun ist die bisherige Trau(er)rednerin als Bürgermeisterin vereidigt. "Es ist nach wie vor sehr surreal", schmunzelt sie bescheiden. Zwischen den Jahren wälzte sie in Vorschriften und anderen Stromschnellen der kommunalen Verwaltung, kann schon jetzt mit ihren Erfahrungen als Kauffrau glänzen.
Eine Gemeinde zu leiten, sei nicht mit der Betriebswirtschaft gleichzusetzen. "Aber unsere Haushaltskonsolidierung kann man durchaus mit einer Insolvenz vergleichen."
So sind Mazallas Ziele ambitioniert. Ihr erstes hat sie noch vor ihrer Vereidigung erreicht: Eine neue Kämmerin - zuständig für den schwierigen Haushalt - wird derzeit eingearbeitet.
"In diesem Job braucht man jemanden, der mit anpackt", sagt die Chefin und freut sich über ihre zehn "Mädels" in der Rathausverwaltung, die genau das tun.
Wer ist die Frau, die eigentlich nie Bürgermeisterin werden wollte?
Mit 19 war sie dem Job nach München hinterhergezogen, verliebte sich und bekam den ersten Sohn. Weil sie ein Eigenheim wollte, das nicht noch die Enkel abbezahlen müssen, zog es sie 2014 zurück in die Heimat ihres Vaters.
Dort züchtet sie mit ihrem Mann auch Araucana- und Seidenhühner. "Das beruhigt", bekräftigt Juliane Mazalla. Und macht auch die drei Kinder froh.
Diese Ruhe dürfte bald vorbei sein: Der Gemeinderat will nach TAG24-Informationen das historische Barockschloss verkaufen, um die Haushaltslage zu verbessern. Mazalla will es erhalten.
"Aber das ist kein Thema für die ersten 100 Tage!" Denn zunächst stehen Termine mit den Dorfvereinen an.
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler

