So will Sachsen von der Kernfusion profitieren
Dresden - Im Windschatten der Weltmächte USA und China setzen derzeit sechs Bundesländer zum Überholen an, darunter Sachsen. Und das mit dem Energie-Hoffnungsträger der Zukunft. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47, CDU) erklärt der TAG24-Redaktion Sachsens Pläne zur Kernfusion.
Es ist nicht weniger als die Macht der Sonne: Bei der Kernfusion verschmelzen, kurz gesagt, zwei kleine Atomkerne zu einem großen. Im Gegenteil zur Atomkraft, bei der ein Kern gespalten wird.
In beiden Fällen wird Energie freigesetzt. Bei der Kernfusion aber etwa viermal so viel - bei viel geringerem Aufwand. Und ohne Atommüll. So die Hoffnung.
Deshalb forscht die ganze Welt daran. Denn die Zukunft - voller KI, Rechenzentren, E-Mobilität - braucht viel mehr Energie. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bayern, Hamburg, Hessen und Sachsen haben sich deshalb nun aufgemacht, das erste kommerziell betriebene Kernfusionskraftwerk der Welt in Deutschland entstehen zu lassen.
"Die Hoffnung ist, dass die weltweit führende wissenschaftliche Expertise, kombiniert mit den ingenieurtechnischen Fähigkeiten Deutschlands, es früher möglich macht, die Kernfusion zur Energiegewinnung auf der Erde nutzen zu können", so Gemkow.
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Sachsen spielt bereits ganz weit oben mit
Der Freistaat spielt schon jetzt vorn mit. Im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf entsteht etwa eine neue Plattform für Hochleistungslaser, mit denen sich Fusionsprozesse zünden lassen sollen.
Parallel entwickelt das CASUS in Görlitz digitale Modelle, die bestimmen, welche Designs eines Reaktors überhaupt funktionieren können.
Das Experten-Rückgrat bildet "Saxfusion", ein Netzwerk, das Leibniz- und Fraunhofer-Forscher, Unis von Dresden bis Görlitz und Industrie verknüpft und schon heute Komponenten liefert, die später im Reaktorbau unverzichtbar werden könnten.
Weltweit läuft längst ein Wettlauf um die Fusionsenergie: Ein US-Pilotreaktor soll schon 2026 mehr Energie liefern als reingesteckt wurde, China peilt 2027 seinen ersten Testreaktor an.
Doch Gemkow geht es nicht "nur" um den Reaktor: "Auf dem Weg zum ersten Fusionsreaktor Europas sind in jedem Falle technologische Innovationen zu erwarten, die sich wiederum zu Anwendungen und Produkten entwickeln können."
Wie etwa die Mikrowelle, deren Erfinder eigentlich an Radarsystemen im Zweiten Weltkrieg forschte.
Titelfoto: Fotomontage/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/KI-Foto

