Wilsdruff - Für die Ewigkeit! Die einen wollen eine Trophäe für die Wand, die anderen ihren geliebten Haustieren ein zweites Leben schenken. Michael Roth (46) kümmert sich zwar tagsüber als Sektionsassistenz in der Pathologie um Leichen. Doch nach Feierabend erfüllt er Tierliebhabern und Jägern genau diese Wünsche: In seiner Werkstatt in Mohorn bei Wilsdruff meistert er als seltener Tierpräparator den Spagat zwischen blutigem Handwerk und ästhetischem Anspruch.
Schon beim ersten Schritt durch die Tür schlägt einem ein Geruch entgegen, der eher an eine Metzgerei erinnert als an einen Künstlerbetrieb.
Auf dem Tisch liegt ein Ochsenkopf, darunter eine Plastikwanne mit abgezogenen Dachsfellen: "Man kann so einen Beruf nicht in einer Wohnung machen. Das kann schonmal riechen, wenn man einen Hirsch abkocht", erklärt Roth lachend.
Seit mehr als 25 Jahren bearbeitet Michael Roth in seiner Werkstatt Kadaver, schenkt den toten Tieren ein zweites Leben: "Ein fingergroßes Vögelchen oder ein drei Meter großes Krokodil aus Privathaltung. Es war schon alles dabei."
Bei großen Tieren wie Esel, Ochse oder Krokodil verwendet Roth einen individuell angepassten Hartschaumkörper. Die gegerbte Haut wird darüber gezogen und in Form gebracht: "Bei kleineren Tieren von Vögeln über Katze, Fuchs und Dachs verwende ich Holzwolle und Stricke."
Michael Roth trocknete als Kind bereits Fische
Zimperlich darf man dabei nicht sein. Vor der kreativen Arbeit steht das grobe Handwerk. Den toten Tieren muss im wörtlichen Sinn das Fell über die Ohren gezogen werden, das Fleisch wird von den Knochen gelöst: "Die Knochen ordne ich, mancher Kunde will dann doch noch ein Skelett aus seinem Esel haben."
Der Beruf scheint ihm vorgezeichnet. Als Kind versuchte er, Fische zu trocknen, bewahrte Schmetterlinge zwischen Buchseiten auf: "Mit mäßigem Erfolg." Mit 16 Jahren begann er seine Ausbildung am Walter-Gropius-Berufskolleg in Bochum, der einzigen Bildungsstätte für diesen Beruf.
Dort lernte er, wie man Tiere ausweidet, entfleischt, zerlegt und für die Ewigkeit bewahrt. Seit 1999 arbeitet er selbstständig.
Naturkundemuseen oder Schulen zählen inzwischen seltener zu seinen Auftraggebern: "Die Kundschaft geht quer durch die Gesellschaft, es sind aber vor allem Privatkunden mit ihren geliebten Haustieren oder Jäger mit Trophäen."
Michael Roth träumt von einer eigenen Ausstellung
Ein kleiner Hund oder eine kleine Katze kosten ab 300 bis 1500 Euro. Ein Wildsaukopf-Präparat 300, ein Fischkopf 250. Einen Wellensittich gibt es ausgestopft für 100 Euro und das Meerschweinchen für 120 Euro.
Wegen der eher schwankenden Auftragslage musste Roth irgendwann eine Entscheidung treffen. So arbeitet er täglich ab 17 Uhr als Präparator und tagsüber als Sektionsassistenz in der Pathologie, wo er bei der fachgerechten Öffnung von Leichnamen hilft oder entnommene Organe zur Nachuntersuchung präpariert.
Viele der Tiere landen auch im Archiv von Michael Roth, das mehrere hundert Präparate umfasst. Darunter Sammlungen von Faltern und Käfern, Vögel, Groß- und Kleintiere wie Kuh oder Strauß.
Sein Traum: "Irgendwann eine Ausstellung mit allen gesammelten Tieren machen, eine Art Naturkundemuseum eröffnen."