Kaum mehr Astronomie-Unterricht: Wer erklärt Sachsens Schülern die Sterne?

Rodewisch - Erstmals seit 50 Jahren hat die Menschheit wieder Kurs auf den Mond genommen. Doch in Sachsen stellt sich eine ziemlich irdische Frage: Wie viel Weltall steckt eigentlich noch im Unterricht unserer Kinder? Die ehrliche Antwort: nicht mehr besonders viel.

Die astronomischen Einrichtungen in Rodewisch haben eine lange Tradition: Die Sternwarte gibt es seit 1950, das Planetarium wurde 1985 eingeweiht.  © Jan Woitas/dpa

Das Fach Astronomie wurde an Sachsens Schulen schon 2007 abgeschafft. Wissen über Sterne und Planeten steckt heute nur noch verteilt in anderen Fächern. Umso wichtiger sind Orte, an denen das Universum nicht trocken gelehrt, sondern erlebbar wird: Sternwarten und Planetarien.

Wie wichtig außerschulische Lernorte sind, zeigt Rodewisch (Vogtlandkreis). Dort vermittelt Olaf Graf (59) in der Schulsternwarte und im Planetarium "Sigmund Jähn" astronomische Grundbildung für Tausende. Rund 12.000 Schüler kamen im vergangenen Jahr zu 270 Veranstaltungen, insgesamt waren es 20.000 Besucher.

"Wir versuchen, die Bildung über das All für alle zugänglich zu machen", sagt Graf. Doch solche Einrichtungen sind kein Selbstläufer. Sie hängen am Engagement der Kommunen, und auch dort wird Personal knapp. Selbst dort, wo das Weltall noch lebendig vermittelt wird, läuft also vieles längst auf Verschleiß.

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Olaf Graf (59) von der Sternwarte Rodewisch richtet die Teleskope in der historischen, drehbaren Holzkuppel ein.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
In Einrichtungen wie der Sternwarte Drebach wird Astronomie für Kinder ganz konkret erlebbar – hier beobachten Anna (11) und Lea (5) eine partielle Sonnenfinsternis mit Schutzbrillen.  © Uwe Meinhold

Deutsches Zentrum für Astrophysik entsteht in der Lausitz

Thomas Weisbach (62) betreut seit etwa 30 Jahren das Schulplanetarium an der Chemnitzer Albert-Schweitzer-Oberschule.  © Jan Woitas/dpa

Dabei steckt in dem Thema enorme Zukunft. Carsten Drebenstedt (67) von der TU Bergakademie Freiberg sieht in Sachsen durchaus Potenzial. "Die jungen Menschen, die zu uns zum Studium kommen, haben ein gutes Grundwissen über unser Sonnensystem", sagt er. Zugleich mahnt er, wie wenig wir bislang überhaupt verstanden haben: "Was wir heutzutage messen, ist nur ein Bruchteil von dem, was wirklich da ist."

Thomas Weisbach (62) vom gerade wiedereröffneten Chemnitzer Schulplanetarium weiß, wie schnell selbst Grundwissen verloren geht. "Wir können nur rund fünf Kilometer weit schauen", sagt er zur Frage, wie weit es bis zum Horizont ist - für ihn simpel, für viele längst nicht mehr. Dabei wäre gerade jetzt die Zeit, Kinder für Raumfahrt, Forschung und Technik zu begeistern.

In der Lausitz entsteht das Deutsche Zentrum für Astrophysik, Sachsen ist beim Einstein-Teleskop im Gespräch, sogar ein eigener Satellit namens "Saxon-1" wird diskutiert. Oben also Aufbruchsstimmung - unten im Klassenzimmer oft Ebbe.

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