Wo gibt Sachsen 2026 eigentlich seine Millionen aus?
Sachsen - Der sächsische Doppelhaushalt - womöglich der vorerst letzte ohne Neuverschuldung - geht in sein zweites Jahr. So werden für 2026 Ausgaben in Höhe von 25,178 Mrd. Euro veranschlagt, die sich auf insgesamt 15 Einzelhaushalte verteilen. Doch wohin fließt das ganze Geld eigentlich? Wir haben die Haushaltspläne gewälzt und geschaut, wo Sachsen seine Milliarden ausgibt.
Man muss nicht lange suchen, um den ersten großen Kostenpunkt auszumachen: die Personalkosten. Viele staatliche Kernbereiche wie Bildung, Sicherheit, Verwaltung und Justiz sind sehr personalintensiv.
26,5 Prozent des Gesamthaushalts entfallen deshalb auf Löhne und Gehälter für Beamte und Angestellte im Landesdienst. Aber auch Sozialversicherungs- und Pensionsanteile, Zulagen und andere personalbezogene Aufwendungen fallen darunter. In Summe macht das etwa 6,7 Mrd. Euro.
Den Bärenanteil hat mit 3 Mrd. Euro das Kultusressort. Aber auch das Innenministerium hat mit 1,2 Mrd. Euro hohe Personalkosten. Dabei entfallen knapp 700 Mio. Euro nur auf die Landespolizei.
Um den immer weiter steigenden Personalkosten entgegenzuwirken, auch aufgrund von Tariferhöhungen und wachsenden Altersversorgungen, will der Freistaat bis 2040 bis zu 6 131 Stellen abbauen.
Kommunale Zuweisungen, Bildung und Forschung sind große Ausgaben-Schwerpunkte in Sachsen
Ein zweiter großer Ausgaben-Schwerpunkt sind die kommunalen Zuweisungen an Städte, Gemeinden und Landkreise mit 8,1 Mrd. Euro. Mit 32,3 Prozent fast ein Drittel des Haushalts. So entfallen allein auf Schlüsselzuweisungen 3,37 Mrd. Euro. Aber auch für Investitionen, zum Beispiel in die kommunale Infrastruktur, Schulen und Sportstätten fließen Gelder in die Kommunen.
Allerdings sind dabei nur 5 Mio. Euro für den Schulhausbau und 21 Mio. Euro für den Brandschutz vorgesehen. Der Kulturlastenausgleich beträgt 30,7 Mio. Euro und soll insbesondere die Kultur im ländlichen Raum stärken. Das Gros dieser Ausgaben wickelt die Allgemeine Finanzverwaltung ab.
Einer der größten Kostenbereiche ist die Bildung und Forschung, die mit insgesamt 8,15 Mrd. Euro zu Buche schlägt und ebenfalls ein Drittel vom Haushaltsvolumen einnimmt. Hier verbergen sich natürlich auch Personalkosten ebenso wie kommunale Zuweisungen.
Gleichzeitig finden sich hier aber auch zwei große Förderschwerpunkte. So entfallen 9,9 Prozent der staatlichen Fördermittel auf die Bildung und ganze 24,3 Prozent auf Forschung und Technologie.
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Haushaltsetat 2026 der sächsischen Ministerien
- Allgemeine Finanzverwaltung: 6,48 Mrd. Euro
- Kultus: 5,38 Mrd. Euro
- Wissenschaft, Kultur & Tourismus: 2,51 Mrd. Euro
- Inneres: 2,28 Mrd. Euro
- Infrastruktur & Landesentwicklung: 2,2 Mrd. Euro
- Soziales & Gesundheit: 1,64 Mrd. Euro
- Justiz: 1,03 Mrd. Euro
- Hochbau & Liegenschaft: 955 Mio. Euro
- Wirtschaft, Arbeit, Energie & Klimaschutz: 951 Mio. Euro
- Umwelt & Landwirtschaft: 708 Mio. Euro
- Finanzen: 683 Mio. Euro
- Staatskanzlei: 249 Mio. Euro
- Landtag: 90 Mio. Euro
- Rechnungshof: 26 Mio. Euro
- Datenschutz: 5 Mio. Euro
Weitere Informationen findest du unter: Sächsisches Staatsministerium für Finanzen
Was die Ministerien mit dem Geld machen: Kultusministerium
- 938 Mio. Euro für die Förderung der Kindertageseinrichtungen und -pflege
- 647 Mio. Euro Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft
- 53 Mio. Euro Zuschüsse für Bildungsinfrastruktur, zum Beispiel für den Neubau des Exzellenz Berufsschulzentrums für Elektrotechnik in Dresden zur Förderung des Halbleiterstandorts Dresden
- 52,6 Mio. für berufliche Orientierung
- 33 Mio. Euro für Ganztagsangebote an Schulen
- 7,4 Mio. Euro für Maßnahmen zur Medienbildung und Digitalisierung von Schulen
Was die Ministerien mit dem Geld machen: Innenministerium
- 1 Mrd. Euro für Bereitschafts- und Landespolizei sowie 104 Mio. Euro fürs Landeskriminalamt
- 483 Mio. Euro für Aufenthalt, Unterbringung und Rückführung von Asylbewerbern
- 50,7 Mio. Euro für Breiten- und Behindertensport sowie Olympiastützpunkt und Spitzensport
- 21 Mio. Euro Verfassungsschutz
- 10 Mio. Euro Katastrophenschutz
Was die Ministerien mit dem Geld machen: Ministerium für Infrastruktur & Landesentwicklung
- 631 Mio. Euro zur Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
- 211 Mio. Euro für Straßen- und Brückenbau, davon 89 Mio. Euro für konkrete Baumaßnahmen, wie die Fortführung der Maßnahme Ortsumgehung S 177 Wünschendorf/Eschdorf
- 313 Mio. Euro für Wohngeld
- 159 Mio. Euro Zuschüsse für sozialen Wohnungsbau
Was die Ministerien mit dem Geld machen: Ministerium für Soziales, Gesundheit & Gesellschaftlicher Zusammenhalt
- 724,6 Mio. Euro für soziale Mindestsicherung, davon 453 Mio. Euro für Unterkunft und Heizung sowie 265 Mio. Euro Leistungen der Grundsicherung
- 238 Mio. Euro für die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familie
- 144,6 Mio. Euro Krankenhausförderung und Digitalisierung im Gesundheitswesen
- 105 Mio. Euro im sozialen Bereich, z.B. 15,5 Mio. Euro zur Unterstützung psychisch Kranker und für Suchtprävention
Was die Ministerien mit dem Geld machen: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie & Klimaschutz
- 407 Mio. Euro Wirtschaftsförderung, davon 190,5 Mio. Euro für die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GWR) und 136 Mio. Euro für Investitionen zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Sachsen, u.a. im Bereich Batteriezellen, Wasserstoff und Mikroelektronik
- 159,4 Mio. Euro zur Förderung der beruflichen Bildung (z.B. 93 Mio. Euro für Aufstiegs-BAföG) und Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit
- 152 Mio. Euro Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), z.B. für Technologieförderung (89,8 Mio. Euro), Förderung von Kreislaufwirtschaft (8,7 Mio. Euro) und Klimaanpassung (6 Mio. Euro)
Doppelhaushalt 2027/28
Schon jetzt wirft der nächste Doppelhaushalt 2027/28 seine Schatten voraus. Der Entwurf muss vor dem 1. Januar 2027 verabschiedet werden, um eine vorläufige Haushaltsführung zu verhindern.
Doch es droht derzeit eine Finanzlücke von etwa 2,9 Mrd. Euro. Um sich etwas Luft zu verschaffen, erließ Finanzminister Christian Piwarz (50, CDU) bereits einen Stopp für Verpflichtungsermächtigungen.
Diese finanziellen Vorbindungen greifen quasi auf spätere Haushaltsjahre vor. Auch eine Neuverschuldung wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.
Sondervermögen vom Bund
Zusätzlich zum Landeshaushalt erhält Sachsen ab 2026 aus dem Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" des Bundes über 12 Jahre etwa 4,84 Milliarden Euro - also 400 Mio. Euro jährlich.
So fließen etwa 2,8 Mrd. Euro direkt an die Kommunen, von denen 1,7 Mrd. Euro nach eigenem Ermessen für Schulen, Straßen und Brücken genutzt werden können.
Weitere 1,1 Mrd. Euro werden über Landesförderprogramme ausgeschüttet. 1,5 Mrd. Euro will der Freistaat selbst für Investitionen sowie die restlichen 483,8 Mio. Euro für übergeordnete Projekte wie die Landesfeuerwehrschule oder die Olympiabewerbung nutzen.
Titelfoto: Fotomontage/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/ronaldbonss.com/Jan Woitas/dpa

