Gewalt, Lärm, Dreck: Zwickau prüft noch schärfere Maßnahmen am Problem-Hotspot
Zwickau - Noch mehr Kontrollen, ein Alkoholverbot bis 2028 und womöglich bald Kameras: Das Zwickauer Rathaus will am neuen Brennpunkt Marienplatz noch schärfere Maßnahmen ergreifen. Sogar der Stadtrat wird aus dem Sommerurlaub geholt.
Pöbeleien, Schlägereien, Lärm und Dreck: Der Marienplatz ist seit der Umgestaltung Ende 2025 das Sorgenkind der Zwickauer Innenstadt.
Anfang Juli verhängte das Rathaus ein Alkoholverbot und sieht eine leichte Entspannung. "Die von uns ergriffenen Maßnahmen scheinen zu greifen", sagt Bürgermeisterin Silvia Queck (38, parteilos). "Allerdings ist es zu früh, um schon Entwarnung zu geben. Wir wollen das Alkoholverbot fortsetzen."
Das Verbot soll nun gleich für weitere zwei Jahre gelten. Doch dafür braucht es einen Beschluss durch den Stadtrat, der am 30. Juli außer der Reihe tagen wird.
Die Bürgermeisterin verweist auf konkrete Maßnahmen: Zwischen dem 4. und 13. Juli führten Ordnungsamt und Polizei 39 sogenannte Präsenzstreifen durch. Die Botschaft: Die Ordnungskräfte sind da - und sie bleiben sichtbar.
34 Verstöße oder andere Auffälligkeiten wurden festgestellt. Sechs Schilder weisen an den Zugängen auf die Verbotszone hin, außerdem verteilen die Ordnungskräfte deutsch- und englischsprachige Handzettel.
Stadt prüft Videoüberwachung am Marienplatz
Doch beim Alkoholverbot soll es womöglich nicht bleiben. Weiter auf dem Tisch liegt eine Videoüberwachung. "Wir prüfen sorgfältig und wollen das Thema der Videoüberwachung im September mit den Stadtratsfraktionen in Ruhe und sachlich erörtern", erklärt Queck.
Rechtlich sind die Hürden hoch: Bevor Kameras installiert werden dürfen, müssen weniger einschneidende Mittel ausgeschöpft werden.
Grünen-Stadtrat Wolfgang Wetzel (58) wollte die Verbotsdebatte sogar auf Cannabis erweitern. Doch das könne die Stadt nicht untersagen, weil Verbote im Bundesgesetz von 2025 geregelt sind.
Kritik am gesamten Kurs kommt vom BSW. Fraktions-Chef Bernd Rudolph (64) hält die Sorgen von Händlern und Anwohnern zwar für berechtigt. Doch er warnt davor, den Marienplatz vorschnell zum Kriminalitätsschwerpunkt zu erklären und spricht von "Aktionismus".
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold, Ralph Köhler/propicture, Ralph Kunz
