Igel-Nachwuchs im Sommer: Das sollten Gartenbesitzer beachten
Zwickau - Igelbabys werden in Deutschland hauptsächlich in den Sommermonaten Juni bis August geboren. Dazu suchen sich die Igelmütter häufig ruhige Stellen für ihre Nester aus - auch in Gärten. Doch was macht man, wenn man solch ein Nest oder sogar ein Igelbaby findet? TAG24 hat bei den "Stachelnasen Zwickauer Land" nachgefragt.
Igelmütter bauen ihre Nester meistens unter Hecken, in Reisig- oder Laubhaufen, unter Holzstapeln oder in dichtem Bewuchs, erklärte Stephanie von den Stachelnasen.
Wer ein Nest findet, sollte dies auf keinen Fall öffnen, anfassen oder umsetzen. Der Bereich sollte stattdessen wieder so abgedeckt werden, wie er vorgefunden wurde, und anschließend möglichst weiträumig in Ruhe gelassen werden.
"Bei anhaltenden Störungen kann die Mutter flüchten und ihre Jungen im schlimmsten Fall zurücklassen", beschreibt Stephanie die Folge von zu großer Neugier.
Dennoch könnt Ihr den Igeln etwas Gutes tun. Stellt ihnen flache, standfeste Wasserschalen in schattigen Bereichen auf. Verzichtet dabei auf jeden Fall auf Milch. Dass Igel Milch vertragen, ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Die Wasserschale sollte täglich gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden.
Auch bei der Nahrung könnt Ihr helfen. Dafür eignet sich hochwertiges, fleischreiches Katzenfutter. An sehr heißen Tagen erweist sich jedoch Trockenfutter als praktischer, da das Nassfutter bei Wärme schnell verdirbt und Fliegen anzieht. Außerdem sollte das Futter nur in kleinen Mengen angeboten und regelmäßig erneuert werden.
Stellt die Trink- und Essensschalen nicht direkt zum Nest. So lockt Ihr keine Katzen, Füchse oder andere Fressfeinde in die Nähe des Nests. Aufgrund ihres guten Geruchssinns findet die Igelmutter die Futterstelle dennoch problemlos.
Ohne Gifte für einen tierfreundlichen Garten
Eine weitere Möglichkeit ist auch ein Igel-Futterhaus. Dies sollte aber unbedingt zwei Ein- beziehungsweise Ausgänge besitzen, damit der Igel bei Gefahr oder Konkurrenz durch andere Igel ausweichen und flüchten kann. Bei den Stachelnasen findet Ihr dafür eine Anleitung, um sogar eins selbst bauen zu können.
Ihr könnt Euren Garten auch tierfreundlich pflegen, bevor Ihr ein Nest gefunden habt. Wichtig ist vor allem vor dem Einsatz von Motorsensen, Freischneidern oder anderen Gartengeräten, hohes Gras, Heckenränder und unübersichtliche Bereiche sorgfältig zu kontrollieren. Der Mähroboter sollte zudem nur tagsüber und unter Aufsicht eingesetzt werden.
"Auf Gifte und insbesondere auf Schneckenkorn sollte in einem tierfreundlichen Garten möglichst vollständig verzichtet werden", führt Stephanie fort. Igel können mit den Mitteln direkt in Kontakt kommen oder belastete Beutetiere aufnehmen. "Gleichzeitig werden dadurch Tiere vernichtet, die zu ihrer natürlichen Nahrung gehören."
Und was soll man unternehmen, wenn man ein Igelbaby findet? Bei der Geburt sind sie blind und taub und ihre Stacheln noch sehr weich. Erst nach etwa drei Wochen brechen die ersten Zähne durch, und die Augen öffnen sich. Dann beginnen sie, tagsüber ihre Umgebung zu erkunden.
Wenn Ihr ein Igelkind entdeckt, beobachtet es zuerst aus sicherer Entfernung. Möglicherweise kehrt die Mutter gleich zurück. Prüft dann, ob das Tier verletzt oder kalt ist. Für das weitere Vorgehen holt Ihr Euch am besten umgehend fachliche Hilfe bei einer lokalen Igelstation, einem Igel-Notfall-Telefon wie den Stachelnasen oder bei einem Tierarzt.
Titelfoto: 123RF/yanadjana

