Von Andreas Hummel
Zwickau - Die extrem hohen Spritpreise machen Elektro-Laster trotz einer Reihe von Nachteilen immer attraktiver. Bei einer Zwickauer Spedition ist die rollende Alternative zum Verbrenner bereits im Dauereinsatz.
Kraftfahrer Uwe Lenk ist von seiner Tour nach Hessen zurück, nun parkt er seinen Lkw auf dem Gelände der Zwickauer WP Spedition. Die drastisch gestiegenen Dieselpreise kümmern ihn wenig.
"Es ist ein ganz anderes Fahren", schwärmt Lenk. Nicht nur, dass das Schalten wegfalle. "Er fährt viel leiser und hat viel mehr Kraft. Du gibst Gas und bis zu 800 PS sind sofort da."
Neun der 350 Lastwagen der Spedition fahren rein elektrisch. Der erste E-Lkw wurde Ende 2023 in Betrieb genommen, erzählt Fuhrparkleiter Mike Henniger.
Trotz etwa doppelt so hohem Anschaffungspreis rechneten sich die Fahrzeuge dank eigener Ladesäulen und der Mautbefreiung, sagt er.
Verbrenner-Lastwagen dominieren weiter in Sachsen
Sachsen- und deutschlandweit dominiert aber immer noch der Verbrenner. 2025 war nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes nur jeder achte neue Lastwagen kein herkömmlicher Diesel. Das liege auch am fehlenden Ladenetz, so Dirk Engelhardt.
Er steht dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung vor und kennt die Branche genau. Für eine volle Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs brauche es grob geschätzt 40.000 bis 50.000 Ladepunkte im Megawatt-Bereich. Aktuell gibt es bundesweit aber nur 69 öffentlich zugängliche Standorte mit 270 Ladepunkten.
Uwe Lenk schafft mit seinem E-Laster 400 bis 500 Kilometer problemlos. Je nach Leistung der Ladesäule dauere das Laden eine bis zweieinhalb Stunden, wenn der Akku leer sei, erzählt er. Häufig nutzt er dazu auch das Be- und Entladen beim Kunden.
"Ich habe mir von anderen schon anhören müssen: So eine Straßenbahn fahre ich nie im Leben", erzählt Lenk. Aber wer es einmal ausprobiert, werde sicher anders denken - da ist er sicher.