Zwickau - Stephan Zantke (64) ist seit über 30 Jahren Richter in Zwickau und schrieb zwei Bücher - unter anderem den Bestseller "Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?" In ein paar Wochen geht der Jurist in Ruhestand.
Als Strafrichter standen für Zantke die Opfer von Verbrechen im Fokus. "Der Täter ist nach unserem Strafrecht stets im Mittelpunkt und oft wird das Opfer dabei vergessen".
Dabei musste er lernen, dass einige seiner Entscheidungen am Amtsgericht von der zweiten Instanz abgeändert - oder in ganz seltenen Fällen kassiert wurde.
Einer dieser Fälle war die mutmaßliche Vergewaltigung einer Tochter durch ihren Vater. Das Motiv für die Tat: Er wollte sie laut Aussage der Tochter auf ihren ersten Freund "vorbereiten". Zantke verknackte den Mann zu vier Jahren Haft. "Eine solche Aussage kann kein Kind erfinden", so der Jurist.
Weil die Tochter in der zweiten Instanz jedoch wegen der enormen psychischen Belastung nicht mehr aussagefähig war, wurde der mutmaßliche Vergewaltiger konsequenterweise aus Mangel an Beweisen freigesprochen. "Ich habe lernen müssen, dass ich das zu akzeptieren habe, auch wenn es mir nicht gefällt", erzählt Zantke.
Ein drittes Buch von Stephan Zantke ist in Planung
Nach seinen beiden Büchern "Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier" und "Wenn nur das Böse übrig bleibt", ist noch ein drittes Buch über seine jetzige Zeit als Betreuungsrichter in Planung.
Dort schreibt er über Fälle, in denen er entscheiden musste, ob zum Beispiel jemand anhand von medizinischen Gutachten ins Pflegeheim muss, oder nicht.
Ende September endet die Dienstzeit für Stephan Zantke.
Der Richter blickt zufrieden auf seine jahrzehntelange Tätigkeit - sowohl als Zivilrichter als auch als Strafrichter oder als Betreuungsrichter: "Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf und keinen anderen ausüben durfte. Es war eine große Verantwortung, denn man hat über Menschenschicksale entschieden."