"Mistkerl auf der Bühne": Florian Hempel zweifelt an Charakter von Weltmeister Littler
München/Manchester - Luke Littler ist mit 19 Jahren das absolute Nonplusultra im Darts: jüngster Welt- und Doppelweltmeister, jetzt schon massenhaft Titel, Millionenverträge mit Sponsoren. Doch immer wieder legt sich "The Nuke" inzwischen mit Fans und Gegnern an. Sein deutscher Kollege Florian Hempel (35) stellte nun gar den Charakter des Engländers infrage.
Am vergangenen Donnerstag wurde es bei einem Match des amtierenden WM-Champions mal wieder hitzig. Im Viertelfinale der Premier League bei Littlers Heimspiel in Manchester giftete er seinen Gegner Gian van Veen (23) an und machte sich in Richtung des Publikums gar über den Niederländer lustig.
"Er ist ein Mistkerl auf der Bühne. Das ist so, aber das musst du auch sein. Das ist ein van Gerwen auch, alle Topspieler sind Mistkerle auf der Bühne. Weil du diesen Mistkerl in dir tragen musst, wenn du ihn brauchst. Ich hoffe aber nicht, dass das sein wahrer, eigentlicher Charakter ist", sagte Hempel in der neuesten Ausgabe des "Game On"-Podcasts im Gespräch mit Kommentator Elmar Paulke (56) zu dem Vorfall.
Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass der Shootingstar des Pfeilsports aneckt. Im vergangenen Jahr rechnete er mit deutschen Fans ab, seitdem spielt er hierzulande nur noch, wenn es sein muss. Bei der WM schoss er nach seinem Duell mit Rob Cross (35) ziemlich von oben herab gegen die Zuschauer. Jetzt reiht sich Manchester ein.
"Das ist ihm zu Kopf gestiegen. Der wollte so unbedingt in Manchester diesen Spieltag gewinnen, dass alle Sicherungen durchgebrannt sind", erklärte Paulke die Geschehnisse.
Zeigt Luke Littler in schwierigen Situationen seinen wahren Charakter?
Hempel stoße jedoch sauer auf, dass Littler das Thema Fans immer wieder selbst großmache und den Zoff in den sozialen Netzwerken befeuere. Zwar sei das auch sein gutes Recht, doch der Youngster übertreibe es in immer kürzeren Abständen.
"Nach der Bühne könnte ja Schluss sein. Es hört ja aber einfach nicht auf, dann kommt der erste Social-Media-Post", so der 35-Jährige. "Das braucht es nicht. Vielleicht ist das auf der einen Seite dann doch noch der kleine Junge, der in ihm steckt, und die Aufmerksamkeit sucht."
"Ich habe mich gefragt, verrät er sich da gerade selbst etwas?", ergänzte Paulke. "Die Sache bei der WM, jetzt das. Okay, der Kerl ist jung, das kann passieren. Aber es ist tatsächlich ein Zustand, wo er nicht mehr alles unter Kontrolle hat. Wo er nicht mehr genau weiß, was er macht und ein bisschen durchdreht. Und ich habe mich gefragt, ist das der wahre Kern, weil kein Kontrollmechanismus mehr funktioniert?"
Sollte Littler weiterhin regelmäßig Streit suchen, dann prognostiziert Hempel ihm eine schwierige Zukunft: "Wenn das sein wahrer Charakter wäre, boah, dann wird er noch oft anecken", sagte der viermalige WM-Teilnehmer.
Titelfoto: Bildmontage: Dave Shopland/AP/dpa, Zac Goodwin/PA Wire/dpa

