Deutschland/Wales - In den vergangenen Wochen und Monaten hat Gerwyn Price (41) mehrfach durchblicken lassen, dass der Dartsport ihn aus verschiedensten Gründen aktuell offenbar nur noch spärlich amüsiert. Seinen deutschen Ex-Kollegen Florian Hempel (36) würde sogar ein zeitnaher Rücktritt des Weltmeisters von 2021 nicht mehr überraschen.
"Gerwyn Price ist für mich auch einer, bei dem ich mir jederzeit vorstellen könnte, dass er von heute auf morgen aufhört. Das ist so ein Typ, der würde wahrscheinlich einfach sagen: 'Pass auf, ich habe keinen Bock mehr'", verriet der Wahl-Kölner in der neuesten Ausgabe des "Game On"-Podcasts mit Elmar Paulke (56).
Allzu weit lehnt sich der frühere Handballtorwart damit wohl nicht mehr aus dem Fenster. Immerhin hatte der "Iceman" am Rande des US Darts Masters verlauten lassen, dass ihn die Arbeit auf seiner Farm derzeit mehr erfülle als das Werfen auf die Scheibe, und ihm vermehrt die Motivation fehle.
Selbst den World Cup of Darts Mitte Juni ließ er sausen und Nick Kenny (33) damit den Vortritt im walisischen Nationalteam. Bei vielen Anhängern kam das nicht gut an. "Gerwyn Price ist der Julian Nagelsmann von Wales, was die Kommunikation angeht", scherzte Hempel.
Allerdings präsentierte er auch eine Erklärung für das Verhalten des zweifachen World-Cup-Siegers: "Ich denke auch, das ist seine zweite Liebe", so der 36-Jährige. "Die große Liebe wird für Gerwyn Price immer Rugby sein. Darts ist für ihn ein geiler Sport (...), weil er damit deutlich erfolgreicher ist und viel mehr Geld verdienen kann. Es ist für ihn Arbeit."
Mit dem Rugbyball in der Hand leuchteten die Augen von Gerwyn Price
Price startete seine sportliche Karriere einst auf dem Rugbyfeld, spielte unter anderem für die South Wales Scorpions und die Glasgow Warriors. 2014 musste er seine Laufbahn aufgrund einer Handverletzung jedoch beenden. Stattdessen widmete er sich voll und ganz dem Darts, wobei er aber auch schon parallel auf gutem Niveau am Oche stand.
"Ich erinnere mich noch: Da waren sie, glaube ich, für die World Series in Australien. Als er dort mit Jonny Clayton den Rugbyball in der Hand hatte, haben seine Augen geleuchtet. Er hat sich gefreut wie ein kleines Kind", erklärte Hempel seine Vermutung weiter.
Der Iceman könnte sich laut dem gebürtigen Dessauer aber auch einfach damit arrangiert haben, mit Darts sein Geld zu verdienen, und jetzt ohne große Ambitionen weitermachen.
"Das Preisgeld wird immer höher. Gerwyn Price ist die Nummer sieben der Welt und verdient wahnsinnig viel Geld, mehr als früher im Rugby", so Hempel. "Dann fehlt dir vielleicht irgendwann die Motivation zu sagen: Warum muss ich unbedingt Nummer eins werden?"