Fürth bleibt in der 2. Bundesliga: Als die Spieler mit ihren Fans feiern wollen, trauen sie ihren Augen kaum!
Fürth - Die Erleichterung nach einer Saison am sportlichen Abgrund in der 2. Bundesliga und dem Happy End in letzter Sekunde in der Relegation war bei Greuther Fürth am Dienstagabend riesig. Beim Gang vor die Fankurve, wo die Party so richtig starten sollte, trauten die Spieler aber ihren Augen kaum.
Denn statt ausgelassener Jubelstimmung schlug den Profis erst einmal der pure Frust der eigenen Anhänger entgegen. Neben Schmähgesängen hing ein Banner vor der Kurve, auf dem geschrieben stand: "Auf dem Platz und in den Gremien: Versager raus. Neuanfang jetzt."
Spieler wie der Torschütze zum 2:0, Branimir Hrgota (33), schauten erst einmal völlig verdutzt, als die ganze sportliche Last von ihren Schultern abfiel. Trainer Heiko Vogel (50) zeigte Verständnis für die Reaktion der Anhänger: "Ich kann den Frust der Fans ein Stück weit verstehen. Sie wenden unglaublich viel Zeit und Geld auf, damit wir hier jetzt als Sieger der Relegation stehen. Ich hoffe, dass nächste Saison die Plakate wegbleiben", so der Coach bei Sky.
Das Banner richtete sich nicht nur gegen die Spieler, sondern vor allem Geschäftsführer Holger Schwiewanger (48). Auch Sportdirektor Stephan Fürstner (38) soll seinen Hut nehmen, für ihn soll nach TAG24-Informationen mit Daniel Meyer vom Halleschen FC bereits ein Nachfolger in der Pipeline sein.
Schon vor der Relegation hatten die Fans eine Petition gegen die Bosse des Klubs gestartet. "Für einen echten Neuanfang - Verantwortung übernehmen und professionelle Strukturen schaffen", nennt sich das Papier.
Nach dem verpassten Aufstieg beklagt sich Essens Ben Hüning über Noel Futkeu
Gefeiert wurde am Ende dann aber doch noch. Emotional wurde es für Hrgota, der nach sieben Jahren den Klub verlässt, um nochmal eine neue Herausforderung zu suchen.
Auch Zweitliga-Torschützenkönig Noel Futkeu (23) war happy, Fürth kurz vor seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt noch mit gerettet zu haben. Um den Stürmer gab es allerdings seit dem Hinspiel jede Menge Zoff.
Er und Gegenspieler Ben Hüning (21) hatten sich hitzige Duelle geliefert. Futkeu war belastet durch vier Gelbe Karten ins Hinspiel gegangen.
"Es war für alle im Stadion ersichtlich, dass Rot-Weiss Essen von Anfang an nur ein Ziel hatte. Ich glaube, das Ziel, Noel Futkeu aus dem Spiel zu nehmen, war größer als der Wille, ein Tor zu schießen", hatte Trainer Heiko Vogel auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gesagt und angefügt: "Das eine haben sie geschafft, das andere nicht, zum Glück. Er freut sich auf das Rückspiel, weil er da befreit aufspielen kann. Es war für ihn definitiv nicht leicht, mit den ganzen Provokationen immer die Ruhe zu bewahren."
Sein angestauter Frust entlud sich nach dem Treffer zum 1:0, er hinterließ Hüning einige Worte und machte auch Gesten zur Essener Bank. "Für mich komplett daneben, komplett lächerlich, das geht einfach nicht. Es ist einfach unsportlich", polterte Innenverteidiger Hüning bei Sky.
Futkeu wollte sich dazu gar nicht mehr äußern. "Ich gehe nicht auf ihn ein, möchte ich nicht. Wir haben gewonnen, Klassenerhalt, fertig", meinte der 23-Jährige. "Er weiß genau, was er im Hinspiel gemacht hat. Die wissen genau, was sie im Hinspiel gemacht haben. Mehr brauche ich nicht sagen."
Titelfoto: IMAGO / Steinsiek.ch
