"Absoluter Schwachsinn": DFB-Stars gehen hart mit deutschen Fans ins Gericht

Stuttgart - Es war zwar noch nicht alles Gold, was glänzte, aber mit zwei Siegen in den letzten beiden Tests vor der Nominierung des WM-Kaders könnte die Stimmung bei der deutschen Nationalmannschaft eigentlich gut sein. Beim 2:1-Erfolg am Montagabend gegen Ghana trübten allerdings unschöne Pfiffe gegen Leroy Sané (30) die Atmosphäre.

Leroy Sané (30, oben) bereitete den Siegtreffer von Deniz Undav (29, r.) vor, nachdem ihn die deutschen Fans zuvor ausgepfiffen hatten.
Leroy Sané (30, oben) bereitete den Siegtreffer von Deniz Undav (29, r.) vor, nachdem ihn die deutschen Fans zuvor ausgepfiffen hatten.  © Christian Charisius/dpa

Als der Flügelstürmer von Galatasaray in der 78. Minute zur Einwechslung bereitstand, wurde es laut in der Stuttgarter MHP Arena. Er bekam jedoch keine Jubelarien wie zuvor Kollege Deniz Undav (29) zu hören, sondern ein schrilles Pfeifkonzert.

"Absoluter Schwachsinn", befand Keeper Alexander Nübel (29) anschließend in einer Medienrunde und kritisierte das Verhalten der Zuschauer in der Heimstätte seines VfB.

"Ich weiß nicht, was das soll. Wir wollen als Nation zusammen nach Amerika fahren und diese WM spielen, nicht getrennt. Diese Euphorie, die wir jetzt entfachen wollen, das geht nur zusammen. Und deswegen kann ich es nicht nachvollziehen, dass jetzt gepfiffen wird", so die deutsche Nummer zwei weiter.

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Ähnlich deutlich wurde Undav, der vom Publikum selbst bereits im Laufe des ersten Durchgangs als Bankdrücker frenetisch mit Sprechchören gefeiert worden war, das Thema aber dennoch selbst ansprach.

"Kann ich noch eine Sache sagen?", fragte er ARD-Reporter Alex Schlüter. "Ich hoffe und bitte da jeden Fan, wenn Leroy beim nächsten Mal reinkommt oder ein anderer Spieler, dass man da nicht buht."

DFB-Torwart Alexander Nübel (29) konnte die Pfiffe gegen Leroy Sané gar nicht verstehen.
DFB-Torwart Alexander Nübel (29) konnte die Pfiffe gegen Leroy Sané gar nicht verstehen.  © Marijan Murat/dpa
Deniz Undav (29, M.) kritisierte die Pfiffe gegen seinen DFB-Kollegen Leroy Sané scharf.
Deniz Undav (29, M.) kritisierte die Pfiffe gegen seinen DFB-Kollegen Leroy Sané scharf.  © Tom Weller/dpa

Deniz Undav und Bundestrainer Julian Nagelsmann stellen sich hinter Leroy Sané

Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) forderte nach Abpfiff Unterstützung für die deutschen Nationalspieler - zumindest, solange sie das DFB-Trikot tragen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) forderte nach Abpfiff Unterstützung für die deutschen Nationalspieler - zumindest, solange sie das DFB-Trikot tragen.  © Federico Gambarini/dpa

Es sei im Hinblick auf das anstehende Turnier wichtig, dass Fans und Mannschaft eine Einheit werden, betonte der beste deutsche Torschütze der Bundesliga außerdem.

"Deswegen fand ich es schade, weil wir im Endeffekt eine Mannschaft sind. Aber Leroy gehört genauso zu uns wie jeder andere hier im Staff. Ich hoffe, beim nächsten Mal supporten sie den auch", sagte der 29-Jährige.

Warum genau sich die Stuttgarter Zuschauer ausgerechnet an diesem Tag Sané rauspickten, bleibt wohl ihr Geheimnis. Der Linksfuß steht wahrscheinlich sinnbildlich für die vergangenen DFB-Jahre mit verschenktem Potenzial, aktuell reißt der Ex-Schalker in Istanbul auch keine riesengroßen Bäume aus. Gegen Ghana bereitete er nach dem Pfeifkonzert jedoch den Siegtreffer von Undav per Kopf vor.

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"Generell finde ich es wichtig, egal ob man jetzt mit der Leistung zufrieden ist oder nicht, dass man den Spieler zumindest bei der Einwechslung unterstützt, wenn er den Adler auf der Brust trägt", forderte Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) auf der Pressekonferenz nach der Partie.

"Wenn der Spieler den Adler nicht mehr trägt und der spielt bei irgendeinem Klub, den ich nicht so gerne mag, dann finde ich das Pfeifen zwar auch nicht toll, aber das kann dann jeder Fan für sich entscheiden", fügte der DFB-Coach an. "Wenn wir jetzt anfangen, uns gegenseitig zu zerfleischen, dann wird es garantiert nicht besser."

Titelfoto: Bildmontage: Christian Charisius/dpa, Marijan Murat/dpa, Tom Weller/dpa, Federico Gambarini/dpa

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