Philadelphia (USA) - Am Ende macht Frankreich es besser als Deutschland, besiegt Paraguay dank eines Elfmeters von Kylian Mbappé (27) mit 1:0 und steht im Viertelfinale der WM. Doch auf dem Weg dahin müssen Les Bleus einiges einstecken - die Wut auf die Treter-Taktik der Südamerikaner und den Schiedsrichter ist nicht nur bei den Franzosen enorm.
"Sie haben endlos gefoult", kritisierte Trainer Didier Deschamps nach Abpfiff, Bradley Barcola (23) ergänzte: "Ich habe noch nie so ein Spiel gesehen, mit so vielen unfairen Tricks, so vielen Schubsern von hinten. Es war echt hart."
Was war passiert? Paraguay schien mit der taktischen Vorgabe ins Spiel gegangen zu sein, möglichst jede Gelegenheit zu nutzen, um der Équipe Tricolore eins auszuwischen. Da wurde getreten, geschlagen und mit dem Ellbogen zugehauen, teilweise sogar direkt vor den Augen des Schiedsrichters.
"Die paraguayischen Spieler waren eine absolute Schande. Wenn sie in meiner Mannschaft wären, würde ich sie vom Platz zerren", tobte BBC-Experte Joe Hart (39) im Anschluss, sein Kollege Thomas Hitzlsperger (44) setzte sogar noch einen drauf.
"Ich bin froh, dass mein englischer Wortschatz nicht so gut ist, denn Joe hat gerade 'Schande' gesagt – mir fallen auf Deutsch zwar verschiedene andere Wörter ein, die ich für sie verwenden würde, aber auf Englisch kenne ich sie nicht", sagte der ehemalige deutsche Nationalspieler: "Das ist nicht nur eine Schande, das ist sogar noch schlimmer."
Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich: "Schlechteste Leistung bei dieser WM"
Das Verhalten der Paraguayer unterbinden oder zumindest eindämmen können hätte an diesem Abend nur ein Mann, nämlich Schiedsrichter Ilgiz Tantashev (42). Doch der Usbeke ließ wirklich jede Szene laufen, La Albirroja sah keine einzige Karte - außer für den Co-Trainer Carlos González (62), der sich nach Abpfiff noch über etwas aufregte.
Keine Tätlichkeit wurde geahndet, selbst der Elfmeter, der schließlich zum Siegtreffer führte, hätte nach Meinung des 42-Jährigen eigentlich keiner sein sollen. Denn als Désiré Doué (21) sich durch den Strafraum tankte und schließlich gefällt wurde, winkte Tantashev trotz guter Sicht ab, erst nach rund einer Minute schaltete sich der VAR ein und bescherte Frankreich schließlich doch noch den Strafstoß.
Der Schiedsrichter sei "überfordert" gewesen, wütete MagentaTV-Experte Patrick Ittrich (47), "für mich war das die schlechteste Leistung bei dieser WM". Der ehemalige Top-Schiri sprach von einem kompletten Kontrollverlust, die Krönung sei schließlich eine Situation zwischen Michael Olise (24) und Matías Galarza (24) gewesen, als der Paraguayer den Bayern-Profi erst foulte und sich dann im anschließenden Wortgefecht ohne Zutun des Franzosen einfach fallen ließ.
Die Verwarnung dafür sah nämlich Olise - genau wie zwei seiner Kollegen, während Paraguay tun und lassen durfte, was es wollte. Doch die Franzosen ließen sich nicht aus der Reserve locken, spielten ihren Stiefel trotz der ständigen Provokationen runter und zogen schließlich verdient in die Runde der letzten Acht ein.
Eine einzige Trotzreaktion erlaubte sich Kapitän Kylian Mbappé nach Abpfiff dann aber doch noch: Er verweigerte Paraguays Keeper Orlando Gill (26) den Handschlag.