Provokation nach WM-Sieg gegen England: Argentinier treten mit politischer Botschaft nach
Atlanta - Die argentinische Nationalelf hat ihren Sieg gegen England im WM-Halbfinale mit einem provokanten Banner bejubelt und damit einen historischen politischen Konflikt neu aufflammen lassen.
"Die Falklandinseln sind argentinisch", war auf dem weißen Banner zu lesen, mit dem die Spieler um Superstar Lionel Messi (39) vor der Fankurve ausgelassen ihren Einzug ins WM-Finale feierten.
Wenn es abseits des Fußballplatzes etwas gibt, dass die Rivalität zwischen England und Argentinien unterstreicht, dann sind es die Falklandinseln (Malvinen) - eine Inselgruppe im Atlantik, vor der argentinischen Südküste und mit kaum 4000 Einwohnern.
Im Jahr 1982 führten die beiden Nationen einen mehrwöchigen Krieg um die Falklandinseln, die offiziell als Überseegebiet zum Vereinigten Königreich gehören. Rund 900 Menschen kamen damals ums Leben, der Großteil davon auf Seiten der Argentinier.
Streitigkeiten über die Besitzansprüche reichen jedoch bis ins 18. Jahrhundert zurück - und reißen bis heute nicht ab. Auch eine Volksabstimmung im Jahr 2013, bei der die überwältigende Mehrheit der Inselbewohner (99,8 Prozent) für eine Zugehörigkeit zu Großbritannien gestimmt hatte, sorgte nicht für eine Entspannung der politischen Lage.
Aufgrund dieser langjährigen Streitigkeiten wurde das WM-Spiel zwischen England und Argentinien im Vorfeld sogar als Hochrisikospiel eingestuft, wie die argentinische Zeitung "La Nacion" berichtete.
Streit um Falklandinseln: Schon Maradona wollte "Vergeltung"
Mit verstärktem Polizeiaufgebot, strikter Trennung beider Fanlager und einem Verbot von Plakaten mit provokativen Botschaften wollten die Sicherheitsbehörden verhindern, dass der Falkland-Streit beim WM-Spiel in Atlanta (Bundesstaat Georgia) zum Thema wird.
Doch bereits kurz nach Abpfiff hatte "La Albiceleste" - so der Spitzname der argentinischen Nationalelf - bereits ein solches provokatives Banner aus dem Publikum erhalten. Für die Aktion könnte der Verband nun mit einer Geldstrafe belegt werden.
Der britische Sender "BBC" bezog sich in einem Bericht dabei auf einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2014, bei dem argentinische Spieler im Zuge eines Freundschaftsspiels gegen Slowenien mit einem Banner samt ähnlicher Aufschrift posiert hatten. Damals sprach die FIFA eine Strafe von über 20.000 Euro aus.
Interessant: Als Argentinien die Engländer im Viertelfinale der WM 1986 dank der "Hand Gottes" besiegten, sprach Legende Diego Maradona (†60) in seiner Autobiografie rückblickend von einer "Vergeltung" für die vielen Todesopfer während des Falklandkrieges wenige Jahre zuvor.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / Brazil Photo Press, Bradley Collyer/PA Wire/dpa

