Rabat (Marokko) - Dieses Endspiel wird wohl in die Geschichtsbücher eingehen, doch das nicht auf die positive Art! Senegal hat das Finale des Afrika-Cups mit 1:0 (0:0, 0:0) n. V. gegen Gastgeber Marokko für sich entschieden - doch ein irrer Elfmeterzoff samt viertelstündiger Spielunterbrechung überschattete die komplette Partie.
Es lief die siebte Minute der Nachspielzeit, als Schiedsrichter Jean Jacques Ndala (38) beim Stand von 0:0 nach einem VAR-Check plötzlich auf Elfmeter für Marokko entschied.
Die Senegalesen rasteten komplett aus, schließlich hatte El Hadji Malick Diouf (21) Brahim Díaz (26) nur leicht berührt und der Unparteiische gerade einmal fünf Minuten vorher einen Treffer des Senegals wegen eines ähnlich leichten Fouls nicht anerkannt.
Es kam zu minutenlangen Wortgefechten zwischen Spielern, Trainern, Schiedsgericht - dann schickte Senegal-Coach Pape Thiaw (49) seine Mannschaft in die Kabine!
Beinahe alle Athleten inklusive der Ersatzspieler kamen der Aufforderung ihres Trainers nach und verschwanden in die Katakomben, nur Ex-Bayern-Star Sadio Mané (33) blieb auf dem Platz, auf den inzwischen auch Fans gestürmt waren. Der frühere Bayern-Star war es auch, der seine Mannschaft nach rund zehn Minuten wieder aus der Kabine holte.
Afrika Cup: Brahim Díaz scheitert mit Panenka-Elfmeter, Marokko verliert Finale im eigenen Land
Etwa eine Viertelstunde nach dem Elfmeterpfiff konnte es schließlich weitergehen - und das Drama nahm kein Ende, denn der gefoulte Díaz trat selbst an und wollte den Ball in bester Panenka-Manier im Kasten unterbringen, doch Senegal-Keeper Edouard Mendy (33) blieb in der Mitte stehen und fing die Kugel einfach weg.
In der Verlängerung hatte der Senegal das Glück dann schließlich auf seiner Seite, Pape Gueye (26) traf zum 1:0, das Marokko nicht mehr kontern konnte, und feierte schließlich den zweiten Afrika-Cup-Titel seiner Verbandsgeschichte.
Auch danach beruhigten sich die Gemüter noch nicht: Während auf der Tribüne wilde Schlägereien zwischen Fan-Gruppierungen ausuferten, feuerte Marokkos Trainer Walid Regragui (50) gegen den Final-Gegner und sprach von "beschämenden Handlungen", die Afrika nicht ehren würden.
Thiaw sagte daraufhin seine Pressekonferenz ab, entschuldigte sich laut BBC aber bei BeIN Sports für seine spontane Entscheidung, sein Team vom Platz geholt zu haben.
"Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, habe ich sie zurückkommen lassen – man kann in der Hitze des Gefechts reagieren. Wir akzeptieren die Fehler des Schiedsrichters", sagte der 49-Jährige: "Wir hätten das nicht tun sollen, aber es ist nun einmal geschehen, und jetzt entschuldigen wir uns beim Fußball."