Transfers untermauern Ambitionen: Drei Nordost-Klubs wollen in die 3. Liga aufsteigen!

Berlin - Wer vor der Saison nach dem Meister der Regionalliga Nordost gefragt wurde, bekam teilweise bis zu zehn verschiedene Kandidaten genannt. Nach Abschluss der Transferphase lassen sich drei Klubs identifizieren, die mit aller Macht diese Saison den Drittliga-Aufstieg schaffen wollen.

Aufstiegskandidat Nummer 1: VSG Altglienicke

Für den 1. FC Magdeburg durfte Steffen Schäfer (28) in der Saison 2018/19 18-mal in der 2. Bundesliga ran.
Für den 1. FC Magdeburg durfte Steffen Schäfer (28) in der Saison 2018/19 18-mal in der 2. Bundesliga ran.  © PICTURE POINT / S. Sonntag

Auf Philipp Türpitz (31) folgte am Montag Steffen Schäfer (28) und am Dienstag Keeper Lino Kasten (22). Die VSG Altglienicke setzte mit ihren Verpflichtungen ein Statement Richtung Meisterschaft, zumal Türpitz und Schäfer auch Primus Energie Cottbus angeboten wurden.

Offensivspieler Türpitz kommt auf 230 Spiele in der 2. und 3. Liga (79 Scorerpunkte) und soll dank seiner Abschlussstärke die ausbaufähige Effektivität erhöhen. Manndecker Schäfer soll die oftmals wacklige Defensive stabilisieren, er sammelte unter anderem 22 Einsätze in der Eredivisie, Hollands 1. Liga.

Fragezeichen gibt es vor allem in puncto Fitness - ihre letzten Ligaspiele liegen fast ein Jahr zurück. Türpitz zog sich im letzten Testspiel vor dem Restart eine Oberschenkelzerrung zu, Schäfer ist erst seit Dienstag im Training. Aber auch ohne die beiden Großkaliber wurden am vergangenen Wochenende die zu Hause bisher punktverlustfreien Cottbuser mit 2:0 besiegt.

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Deswegen stellt sich die Frage, ob Türpitz und Schäfer, die keine Verbindung zu Berlin aufweisen und nur bis Saisonende unterschrieben, nicht eher für Unruhe im Kader sorgen werden. Für sie müssten zwei andere Stammkräfte weichen.

Im Fall Lino Kasten ist die Situation sogar noch prekärer, denn Leon Bätge (25) ist bereits in der dritten Saison hintereinander Altglienickes Nummer 1. Nichtsdestotrotz besetzen alle drei Positionen und Rollen, die bisher zu den Altglienicker Schwachstellen zählten.

Grundsätzlich fragt sich der geneigte Beobachter, welche Motivation hinter Mäzen Daniel Böhm (46) steckt, die VSG unbedingt in die 3. Liga zu hieven. Der Klub besitzt kein Regionalliga-taugliches Stadion und der Zuschauerschnitt ist trotz der jüngsten Erfolge weiterhin der schwächste der Liga.

Aufstiegskandidat Nummer 2: FC Energie Cottbus

Vor wenigen Wochen noch im Testspiel gegen den italienischen Erstligisten Sampdoria Genua auf dem Platz, in den kommenden Monaten in der Regionalliga Nordost unterwegs: Die Dresdner Leihgabe Jan Shcherbakovski (21, l.).
Vor wenigen Wochen noch im Testspiel gegen den italienischen Erstligisten Sampdoria Genua auf dem Platz, in den kommenden Monaten in der Regionalliga Nordost unterwegs: Die Dresdner Leihgabe Jan Shcherbakovski (21, l.).  © Lutz Hentschel

Die Lausitzer führen nicht nur vor Beginn des 19. Spieltags - vorbehaltlich den Nachholpartien - die Tabelle an, sie verstärkten sich auch mit zwei Hochkarätern im Winter.

Mitte Januar wurde der Transfer von Timmy Thiele (31) verkündet, für die Regionalliga ein absoluter Hochkaräter. 2016/17 schoss er Jena mit 14 Liga-Treffern und zwei in den Aufstiegsspielen in die 3. Liga. Auch dort knipste Thiele zuverlässig (75 Scorerpunkten in 188 Spielen).

Dass er überhaupt eine Liga tiefer wechselte, liegt an den Nachwehen einer Leisten-OP, die er sich vergangenen Sommer unterziehen musste. Jetzt ist der Angreifer auf dem besten Weg zu alter Stärke und soll mit seinen Abschlussqualitäten Cottbus zum Aufstieg verhelfen.

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Trainer Claus-Dieter Wollitz (57) und zahlreiche Mitspieler finden in den ersten Tagen warme Worte für Thiele, für den aufgrund der Perspektive und des Standorts zum Beispiel ein Wechsel zu Drittligist Meppen keine Alternative war - der Familienvater will in Rand-Berlin sesshaft werden.

Am Deadline-Day stieß mit Ex-Dynamo Jan Shcherbakovski (21) eine Offensiv-Perle zur den Lausitzern, die vergangenen Sommer bei nahezu jedem Drittligisten hoch im Kurs stand. Der talentierte, aber nicht immer fokussierte Weißrusse will es nach einem halben Jahr ohne Spielpraxis allen zeigen. Geht der spielstarke Offensivallrounder mit klarem Kopf auf den Platz, wird er dem Cottbuser Spiel die zuletzt vermisste Kreativität einhauchen. Funktioniert der eigenwillige Techniker nicht, ist Frust vorprogrammiert.

Noch sind die Energetiker Erster, doch bei Nicht-Aufstieg droht ein Neuaufbau der funktionierenden Achse - die Verträge von Schlüsselspielern wie Axel Borgmann (28), Jonas Hildebrandt (26) oder Jonas Hofmann (25) sollen sich nur bei Aufstieg verlängern.

Aufstiegskandidat Nummer 3: Rot-Weiß Erfurt

Osayamen Osawes (29, Nr. 35) letzte Station in Deutschland hieß Drittligist KFC Uerdingen.
Osayamen Osawes (29, Nr. 35) letzte Station in Deutschland hieß Drittligist KFC Uerdingen.  © PICTURE POINT / S. Sonntag

Erst am Mittwoch, einem Tag nach dem Ende der Transferperiode vermeldete Rot-Weiß Erfurt den Wechsel von Osayamen Osawe (29). Und sendete damit ein Ausrufezeichen an die Liga. Denn der Nigerianer erzielte von 2016 bis 2018 elf Tore und acht Vorlagen in der 2. Bundesliga.

Sein größter Trumpf sind seine raumgreifenden Schritte. Gepaart mit seiner Geschwindigkeit war er nur ganz schwer für Gegenspieler zu stoppen. Aus dem Grund passt Osawe auch als Spielertyp ideal zum Erfurter Überfallfußball. Doch wie steht es um die aktuelle Verfassung Osawes?

Ähnlich wie bei Thiele plagte sich Osawe über anderthalb Jahre mit Verletzungen herum. Seit vergangenen Sommer war der Halb-Brite in Englands fünfter Liga aktiv, erzielte am 1. Januar dieses Jahres sein erstes und einziges Saisontor.

Eine Wundertüte, die, wenn sie explodiert, für einen großen Knalleffekt sorgen kann. Auch Erfurts zweiter Neuer, Caniggia Elva (26), war lange aufgrund einer Knieverletzung außer Gefecht. Selbst das Probetraining Mitte Januar bei Zwickau musste der Kanadier aufgrund Muskelbeschwerden abbrechen.

Vor wenigen Jahren war Elva dank seiner Beweglichkeit und Technik ein begnadeter Drittliga-Spieler, jetzt soll er der Erfurter Offensive zusätzliche Impulse geben. Als Perspektivspieler wurde zudem Innenverteidiger-Talent Ismael Mansaray (19) geholt.

Generell verstärkt die Erfurter Transferoffensive den Eindruck, dass der Klub noch in dieser Saison aufsteigen muss, will man einen Kay Seidemann (22), Romario Hajrulla (24) oder Aaron Manu (23) halten. Aufgrund der Nachwirkungen des Insolvenzverfahrens fürchtet man im Sommer den Verlust der Shootingstars.

Auch der Chemnitzer FC und Lok Leipzig sind im Aufstiegskampf der Regionalliga Nordost dabei

In einem intensiven Nachholspiel trennten sich Lok Leipzig und der Chemnitzer FC am Dienstagabend mit 2:2.
In einem intensiven Nachholspiel trennten sich Lok Leipzig und der Chemnitzer FC am Dienstagabend mit 2:2.  © Picture Point / Roger Petzsche

Und dann sollte man nicht den Chemnitzer FC und Lok Leipzig vergessen. Die Sachsen lieferten sich am Dienstagabend (2:2) einen Fight auf höchstem Regionalliga-Niveau.

Speziell die Elf von CFC-Coach Christian Tiffert (40) ist seit dem 8. Spieltag die punktstärkste der Liga, verzichtet aber auf Winter-Zugänge. Dafür kehrten mit Tobias Müller (29) und Dominik Pelikan jüngst zwei Stützen nach langen Verletzungspausen zurück. Kapitän Müller bereitete gegen Lok zum Beispiel das 2:1 per Kopfball vor.

Die Loksche setzt dagegen auf Kontinuität und Teamspirit von Trainer und Team. Der Kern spielt schon seit mehreren Jahren erfolgreich zusammen, sodass kein Wintertransfer getätigt werden musste.

Nachteilig könnten sich für beide Teams die relativ schmalen Kader auswirken, da speziell im Februar viele englische Wochen anstehen.

Titelfoto: Fotomontage: PICTURE POINT / S. Sonntag, Lutz Hentschel, PICTURE POINT / S. Sonntag

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