Herzstillstand während Bundesliga-Spiel: Marc wird neunmal defibrilliert
Köln - Den 2. November 2025 wird Marc Stentenbach wohl nicht so schnell vergessen - immerhin feierte der 52-Jährige dort seinen zweiten Geburtstag. Dafür dankt er auch dem 1. FC Köln.
Es lief die 50. Spielminute im Heimspiel der Rheinländer gegen Mit-Aufsteiger Hamburger SV, als der Fußball plötzlich zur Nebensache wurde: Stentenbach erlitt einen plötzlichen Herzstillstand im Businessbereich im Osten des RheinEnergie-Stadions. Insgesamt musste er neunmal defibrilliert werden. Er überlebt.
Rund ein halbes Jahr später hat der dreifache Familienvater einige seiner Retter am Ort des Geschehens wiedergetroffen. "Es ist ein Wunder, dass wir heute hier stehen", sagt Dr. Stefan Mauß (53) gegenüber "fc.de".
Der Mediziner war an dem Spieltag im Stadion als einer von zwei Ärzten im Einsatz und der erste, der den 52-Jährigen behandelte. Im weiteren Verlauf kamen weitere Kolleginnen und Kollegen hinzu, am Ende kämpften drei Notärzte um das Leben des Fans.
Der 52-Jährige selbst habe an den 2. November keine wirklichen Erinnerungen mehr, berichtet Stentenbach. Zudem betont er, dass er zum Zeitpunkt des Vorfalls eigentlich fit war. Wenige Monate vorher sei er sogar noch auf dem Kilimandscharo unterwegs gewesen, habe aber noch vor dem Gipfel umgedreht. Zum Glück, weiß er heute: "Auf dem Kilimandscharo hätte mir sicherlich niemand so schnell helfen können."
Beim Derby gegen Bayer 04 Leverkusen vor rund zwei Wochen war er das erste Mal seit dem Herzstillstand wieder im Stadion - und habe das Spiel mit Freude verfolgen können, erzählt er. Dem Aufsteiger ist er daher dankbar: "Der FC hat mir das Leben gerettet. Ich lebe, und das Leben ist schön."
DRK klärt auf: Darum ist das Einstellen des Supports bei einem Notfall so wichtig
Insgesamt waren mehr als 60 Personen in den Fall involviert - vom Wachdienst über die Koordinatoren der Veranstaltungsleitung bis hin zu den Medizinern. Dr. Mauß lobt dabei die gut einstudierten Abläufe, die ihm ein bestmögliches Arbeiten sichergestellt hätten.
"Wir haben viele Leute, die immer bereitstehen und ihr Möglichstes tun, um in solchen Situationen schnell reagieren zu können. Das ist bei einem Fußballspiel mit 50.000 Menschen, wo es vielen nicht nah genug, nicht schnell genug und nicht unkompliziert genug sein kann, nicht immer einfach", sagt Philipp Türoff (49), Sprecher der Geschäftsführung des 1. FC Köln.
Dem Aufsteiger sei es daher ein besonderes Anliegen, "dass wir dem Ganzen auch Raum geben, denn diese Menschen bekommen nicht immer die gebührende Aufmerksamkeit".
Statistisch gesehen kommt ein solcher Einsatz im RheinEnergie-Stadion etwa einmal im Jahr vor. "Meistens leider nicht erfolgreich", weiß Malte Pütz vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dass die übrigen Fans darauf meist sensibel reagieren und den Support einstellen, sei aber ein Glücksfall. "Das ist wichtig für uns, wir müssen uns während des Einsatzes gut verständigen können", betont Kollegin Johanne Stümpel.
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Anspach/dpa, 1. FC Köln/dpa

