Union-Berlin-Blog: Latte, Tor! Unions Ü30 stoppt Hoffenheims Lauf

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es ab sofort bei TAG24 einen Union-Berlin-Blog.

V.l.n.r.: Christian Beeck (50), Jürgen Heinemann (58) und Tobias Saalfeld (54).
V.l.n.r.: Christian Beeck (50), Jürgen Heinemann (58) und Tobias Saalfeld (54).  © Archiv
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 50), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union, lebt heute an der Küste, 2 Kinder und arbeitet als Geschäftsführer bei Energy World.

Icke (Jürgen Heinemann, 58) ist seit 1976 Unioner, als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig, stammt ursprünglich aus der IT-Branche, verheiratet, 1 erwachsenes Kind, lebt heute in Grünheide - im Speckgürtel Berlins und arbeitet bei Tag24 in Berlin.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 54) ist seit über 40 Jahren Unioner, arbeitet als Autor für Bühne, Funk und Fernsehen, war aber auch schon Journalist, Comedian, Veranstalter und Sänger, ist verheiratet und hat 3 erwachsene Ziehkinder, lebt in Berlin.

16. Januar 2022: Latte, Tor! Unions Ü30 stoppt Hoffenheims Lauf

Jubel nach dem Abpfiff für Union Berlin.
Jubel nach dem Abpfiff für Union Berlin.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: In Leverkusen war die Latte (und der Pfosten) noch unser Feind, diesmal war sie unser Freund: beim Ausgleich prallt Voglsammers Kopfball nach geschmeidiger Oczipkaflanke an die Latte, von da an Baumanns linken Arm und ins Tor. Beim Siegtreffer, phantastisch von Kruse eingeleitet, kommt der Ball von Becker wieder zu Kruse, dessen Schuss an die Latte abgefälscht wird, den Abpraller köpft Prömel hellwach ein. Zweimal Latte, Tor und da wir bis hierher in dieser Bundesligasaison nie mehr als zwei Tore geschossen haben (das schaffte außer uns nur Wolfsburg und wo stehen die?), muss das reichen und es reicht!

Da kann Hoffenheim optisch überlegen sein, mit über sechzig Prozent Ballbesitz und acht Ecken (zum Vergleich: wir hatten nicht eine einzige und das in einem Heimspiel!) und überaus glücklich in Führung gehen, weil Baumgartl zum dritten Mal in dieser Spielzeit ins eigene Tor abfälscht - macht alles nichts: die älteste Unionmannschaft aller Zeiten (30,1!) dreht das Spiel und behält die drei Punkte in der Festung Alte Försterei: Platz fünf, 31 Punkte.

Dabei geht nach vorn nicht allzu viel, abgesehen von den beiden Toren - Prömel hat noch eine Chance in Hälfte eins, Becker in Hälfte zwei. Doch unsere Abwehr ist auch ohne Friedrich (ging gerade für bis zu sieben Millionen inkl. Boni nach Gladbach) ziemlich sattelfest (allein, wie Trimmel den einschussbereiten Kramaric abkocht, ist ein Fest) - und wenn nicht, ist da noch Luthe, der einige Male aufmerksam und bärenstark rettet.

TSG-Trainer Hoeneß lobt Union Berlin: "Keiner fährt so richtig gern hierher"
1. FC Union Berlin TSG-Trainer Hoeneß lobt Union Berlin: "Keiner fährt so richtig gern hierher"

Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie diese Truppe spielerisch starken Gegnern den Zahn zieht: immerhin ist Hoffenheim die Mannschaft der Stunde, keine war in den zurückliegenden sieben Spielen erfolgreicher - fünf Siege, zwei Unentschieden, neunzehn Tore, zehn Gegentreffer. Das, im Übrigen für alle sichtbare, Geheimnis liegt in einer beinahe unfassbaren mannschaftlichen Geschlossenheit und das trotz fünf Startelfänderungen inkl. Neuzugang Heintz und einer hohen taktischen Disziplin in der Abwehr: das Einfache, das so schwer zu machen ist.

Aber wenn du’s erstmal hast, dann ist es eigentlich unkaputtbar und es ist auch nicht zu knacken bzw. auszulesen für den Gegner. Da kann der mit Abstand beste Torschütze fehlen (Awoniyi trifft heute beim 3:1 von Nigeria gegen Sudan) und einer der besten Innenverteidiger der Liga wechseln, der formstarke Außenverteidiger verletzt sein - die Mannschaft steckt das weg, verliert selten die Nerven, wird kaum kopflos.

Damit gleicht man die fehlende Geschwindigkeit, technische Unzulänglichkeiten und oft überschaubare spielerische Möglichkeiten aus - und wie! Und diesmal fährt Hoffenheim nach Hause und wird noch eine Weile darüber grübeln, wie Unions Ü30 ihren Lauf beendet hat.

14. Januar 2022: Mein Tipp für die Aufstellung

Icke: Die Aufstellung morgen im Heimspiel gegen Hoffenheim ist eine spannende Sache. Spielt Heintz schon nach ein paar Trainingseinheiten? Hat Becker nach seiner Corona-Zeit schon wieder den Anschluss geschafft? Gießelmann, obwohl im Kader, dürfte noch angeschlagen sein. Da würde dann Oczipka spielen. Kein Risiko! Läuft der zuletzt formschwache Haraguchi wieder auf? Oder bekommen Möhwald oder Öztunali mal wieder eine Chance - von Beginn an aufzulaufen? Gerade Beckers Einsatz wäre wichtig, weil ich mal vermute, das die Software-Fußballer von SAP relevanten Ballbesitz haben werden. Für unser dann schnelles Umkehrspiel wäre Becker sehr sehr wichtig. Ich vermute wir spielen so:

Luthe

Baumgartl – Knoche – Heintz

Trimmel – Khedira – Oczipka

Möhwald – Prömel

Becker – Kruse

Mal schauen, ob der Alleinherrscher der TSG – Hopp – mit in Berlin ist. Er freut sich sicher auf einen – für ihn – ruhigen Fußball-Nachmittag. Es sind schlichtweg zu wenig Fans im Stadion, 3.000 werden es sein.

Inzwischen hat übrigens Eberl reagiert. Ginter darf bei einem entsprechenden Angebot sofort den Verein verlassen. Uns solls egal sein, unsere Defensive steht.

Letztens schrieb ich fälschlicherweise, Niederlechner sei ein Mainzer. Das habe ich – nach Hinweis von Don J. aus dem Unionforum geändert. Übrigens mit besagtem Don J. habe ich viele Jahre zusammen Fußball gespielt. Früher war Don J. ein Typ wie Becker heute. Ups, ich schweife ab … hat aber viel Spaß gemacht selbst zu kicken.

Und was muss ich da aus Bremen lesen? Pascal Groß verhandelt mit Werder Bremen, dem Zweitligisten. Nö, oder? Wenn Groß schon wechselwillig ist, dann doch bitte zu uns. Er wäre genau der Stratege, der Kruse im Spielaufbau ergänzen kann. Und wir erinnern uns … Freistöße a la bonne heure kann der auch. Gut, er würde die Anzahl unserer Ü30-Fraktion noch einmal vergrößern, aber egal. Ich halte es da mit König Otto, es gibt für mich nur gute und schlechte Spieler, sagte er mal sinngemäß. Und zurzeit müsste Rehhagel unser Team eigentlich lieben. Genauso wie er damals seine Teams zusammenstellte, haben wir es jetzt seit 2 ½ Jahren auch gemacht. Wir haben mit das älteste Team in der Bundesliga und hinten haben wir ausschließlich lange Kerle. Wir legen unsere erste Prämisse auf die Abwehr bzw. den Abwehrverbund. Die Null muss stehen und dann überfallen wir den Gegner blitzartig. Alles uralte Rehhagel-Weisheiten 😉 ...

Und für janz vorn? Da grübelt Petersen gerade öffentlich, ob er wechseln soll oder nicht. Nun von Berlin aus wäre es ein Katzensprung nach Hause. Ein klasse Backup für Awoniyi für 1,5 Jahre wäre er allemal! Aber das wichtigste Argument: 184 Tore in 467 Pflichtspielen sprechen Bände! Dazu noch der beste Joker in der Geschichte der Bundesliga und 84 x davon knipste er in der Bundesliga (bei 253 Spielen). Das heißt übersetzt - in jedem dritten Bundesligaspiel trifft er und das seit einem Jahrzehnt (2011) ! ! !

Ich glaube, Ruhnert hat derzeit mitnichten lange Weile ;-)

Eisern auf Sieg Morgen!

P.S. Mein Tipp ist 2:1 für die Guten 🙂

12. Januar 2022: Da warten noch einige Transfers diesen Winter

Icke: Autsch, das tat mal kurz weh. Blitzwechsel bei Friedrich nach Gladbach. Weil BMG international spielt? Nö, das machen wir. Gladbach spielt eher gegen den Abstieg. Allerdings verstehe ich Friedrich. Er bekommt für einen 5-Jahresvertrag insgesamt 10 Millionen Euro brutto. Sphären, die wir noch nicht bedienen. Und wer würde für 5 Mio. Netto nicht wechseln? Das heißt ja auch, für dieses Leben ausgesorgt zu haben.

Union will gut gerüstet Rückrunde meistern.
Union will gut gerüstet Rückrunde meistern.  © Marius Becker/dpa

Und wir? Bekommen wohl eine kleine Ablöse. Die Gerüchte reichen hier von 2 bis 7 Mio. Ablöse. Gehen wir mal vom kleinsten Fall aus, also 2 Mio. für ein halbes Vertragsjahr. Das ist schon ok. Jetzt wird es auch sehr deutlich, warum wir Heintz geholt haben. Aber ich schiebe hier keine Panik. Wir sind mit Baumgartl, Knoche, Heintz und Jaeckel hinten bestens gerüstet. Da brennt nichts an.

Sentimentalitäten sind im heutigen Profi-Fußball fehl am Platz. Und ja ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin der Oberverfechter von Teams, die regionalen Charakter besitzen, nur ist das leider Fantasterei.

Schade, dass Union bei der Nennung der Ablöse auch die nordkoreanische Kommunikations-Variante bevorzugt. Unsere immerhin doch 40.000 Mitglieder interessiert das schon! Bei der Nicht-Bekanntgabe von Vertragslängen kann ich ja noch mitgehen, aber bei der Ablöse nicht.

Das war aber noch lange nicht die letzte Transfertätigkeit bei uns. Ich möchte sogar behaupten, es wird die aktivste Winter-Transferzeit, die wir je erlebt haben. Etliche Abgänge von Tribünenspieler werden noch folgen. Und ich denke sogar 1 oder 2 Verstärkungen werden wir uns aus unseren Erlösen (Ablösen und Gehaltseinsparungen) leisten.

Puchacz und Awoniyi holen sich gerade Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen. Der eine beim Afrika-Cup, wo er gleich beim ersten Spiel im Stamm auflief. Der andere möchte türkischer Meister werden und ließ sich verleihen. Beides tut Union gut. Und bringt in einem Fall weitere Taler in unsere Kriegskasse.

Wie geht’s denn nun weiter?

  • Am 19.1. bei Hertha zum Derby
  • Am 22.1. bei Gladbach zum Punktspiel (welche Fußball-Ironie!)
  • Am 26.1. Testspiel zu Hause gegen Aue
  • Am 5.2. Punktspiel in Augsburg

Das sind 3 Auswärts-Pflichtspiele hintereinander. Treten wir so auf, wie in der 2. HZ in Leverkusen, so wird die Zeit bis Anfang Februar eine schöne Zeit. Das wäre auch wichtig, weil eben danach – am 13.2. – ein nicht ganz unwichtiges Spiel zu Hause gegen Dortmund ansteht.

Wer wäre denn für uns machbar und eine Verstärkung? Schaue ich mal auf die offensiven Mittelfelder in der Bundesliga, so fallen mir Stöger aus Mainz und Schaub aus Köln ins Auge. Stöger hatte nur Kurzeinsätze und für seine Position holten die Mainzer Ingvartsen von Union. Schaub hatte – bis auf die letzten 3 Spiele – nur kleinste Kurzeinsätze in dieser Saison. Bei beiden laufen die Verträge aktuell aus.

So Abdullahi und Ujah noch einen neuen Verein finden, wäre Niederlechner für uns wohl noch eine Verstärkung. Es sieht bei ihm nicht nach einer Vertragsverlängerung für seinen auslaufenden Vertrag in Augsburg aus. Das Gleiche gilt für den Wolfsburger Ginczek. Beides gestandene Bundesligastürmer, die meiner Meinung nach – nur wieder das Vertrauen des Trainers brauchen, um wieder wie in der Vergangenheit Tore zu erzielen.

Eine spannende Zeit 😊! Eiserne Grüße in die Runde!

11. Januar 2022: Einer der letzten Aufstiegshelden geht

Abwehrspieler Marvin Friedrich (26) wechselt nach Gladbach.
Abwehrspieler Marvin Friedrich (26) wechselt nach Gladbach.  © Matthias Koch/dpa

Unionfux: Der Transfer kam doch etwas überraschend, zumindest zu diesem Zeitpunkt: Marvin Friedrich, einer der letzten Aufstiegshelden und gemeinsam mit Robin Knoche eine der stärksten Innenverteidigungen der Bundesliga bildend, wechselt Knall und Fall zu Borussia Mönchengladbach und unterschreibt dort bis 2026.

Wir kriegen gerüchteweise sechs Millionen Euro, für mich die untere Grenze, ich sehe ihn eher bei acht bis zehn Millionen, allerdings habe ich keine Ahnung, ob sein Vertrag bei uns noch über den Sommer 2022 gelaufen wäre - die einen sagen so, die anderen so.

Er kriegt die nächsten viereinhalb Jahre zwei Millionen brutto - auch nicht schlecht. Die Gladbacher brauchten einen Ersatz für Ginter, der spätestens nach der Saison weg will und hatten wohl Angst, dass nach der Spielzeit zu viele Mitbewerber in Sachen Friedrich eine Verpflichtung extrem verkomplizieren würden.

Ob jetzt Gladbach die bessere Adresse ist, sei mal dahingestellt, ein alteingesessener Bundesligist der besseren Sorte ist er ja doch - so vom Gefühl her hat er sich wohl verbessert. Und am Ende der Karriere dürfte er einigermaßen ausgesorgt haben, denn der Typ mit dem goldenen Lambo ist er ja nicht unbedingt, der die Kohle wie bescheuert raushaut...

Jetzt ist auch klar, warum Dominique Heintz bereits jetzt verpflichtet wurde - wir brauchen ihn tatsächlich. Und das Geld konnten wir wohl auch gebrauchen. Klar tut der Abschied weh, der Junge hat schon zu uns gepasst, aber daran werden wir uns gewöhnen müssen. Sobald einer der vermeintlich „Großen“ vorbeikommt, können wir nur bedingt mithalten. Hoffentlich leidet unser Abwehrbollwerk darunter nicht all zu sehr.

So, und Tymo Puchacz wechselt auch, wie schon vermutet in die SüperLig zu Trabzonspor und zwar nur bis zum Sommer. Keine Kaufoption für die Türken, das heißt, es wird schon noch an sein Potential geglaubt, die Leihgebühr beträgt 200.000, er kriegt 400.000 netto, das klingt wie eine Win-win-Situation für alle.

Puchacz kommt, mit ziemlicher Sicherheit, als türkischer Meister zurück, kriegt Spielpraxis, wir kriegen Platz im Kader, Geld und sparen noch welches. Wäre schön, wenn der zweite Anlauf von Puchacz dann wirklich funktioniert…

Taiwo Awoniyi hat sein erstes Spiel beim Afrikacup mit Nigeria gegen Ägypten gewonnen, stand in der Startelf und wurde nach einem ordentlichen Spiel eine gute Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt. Wir trocknen also unsere Tränchen in Sachen Marvin Friedrich, wünschen ihm alles Gute (außer gegen uns!) und freuen uns auf die Aufgabe gegen die Hoffenheimer - mal sehen, wer dann neben Knoche aufläuft…

10. Januar 2022: So liebe ich Fußball

Berlins Grischa Prömel (m) trifft gegen Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky zum 1:1-Ausgleich.
Berlins Grischa Prömel (m) trifft gegen Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky zum 1:1-Ausgleich.  © Marius Becker/dpa

Icke: Is' ja irre. Habt Ihr den Jubel der Werkself gesehen, als sie kurz vor Schluss gegen uns noch ein Remis retteten?

Und wir? Sahen in der 1. HZ kaum Land, um dann in der 2. HZ aufzudrehen. Und wie! Es war dann ein exzellentes Bundesligaspiel. Immer wieder setzten wir unser schnelles Umkehrspiel gekonnt ein. Und ja, wir hatten nicht mehr, dafür aber die größeren Chancen das Spiel zu gewinnen. Wir führten lange 2:1 und auch nachdem die Werkself ihren Ausgleich frenetisch bejubelte … trafen wir noch das Holz in Leverkusen. Alles in allem ist der Punkt für Leverkusen ein wenig glücklich.

Diese Aussage ist es, die „irre“ ist. Da ist diese Millionen-Truppe des Pharma-Riesen froh, gegen uns zu Hause nicht zu verlieren 😊 … wir reden vom 1. FC Union, der gerade seine 3. Saison in der Bundesliga bestreitet und ohne fremde Finanzspritzen vielen etablierten Mannschaften gehörigen Respekt abfordert!

So liebe ich Fußball.

Und das alles sogar ohne Sanogo. Ich für meinen Teil beurteile Spieler ja nicht nur nach den letzten 8 Spielen. Ich schaue lieber auf die Gesamt-Entwicklung in B- und A-Jugend. Und da stehen in 34 Spielen – 24 Tore und weitere 12 Assists zu Buche. Also bei 36 Torbeteiligungen (davon 2/3 Tore und 1/3 Vorlagen) in 34 Spielen würde ich schon von einem Knipser sprechen. Aber da gehen die Meinungen halt auseinander 😊 … Für mich endlich mal wieder ein Lichtblick für die Zukunft. Denn mit bundesligareifen Talenten sind wir ja wirklich nicht sonderlich gut bestückt.

Bayern hat es uns übrigens am Wochenende vorgemacht. Ja aus Personalnot. Aber sie hätten ja auch – einen in der Entwicklung weiteren – Spieler aus der 2. Männer bringen können. Ne haben sie nicht gemacht. Sie brachten Wanner. Vor 2 Wochen gerade 16 Jahre jung geworden. Und was der auf dem Platz schon alles mit dem Ball anstellte, WOW! Ich wünsche mir hier mehr Mut bei uns!

Apropos fehlende Spieler, Hertha und Union mussten beide an diesem Wochenende jeweils ohne ihre 2 besten Stürmer auskommen. Bei Hertha ging es leider schief. Union konnte Awoniyi und Becker ersetzen. Zwar tauschte Fischer zur Halbzeit Voglsammer für Behrens, aber insgesamt funktionierte das Team. Überragend war Kruse. Mit seinen kleinen Haken, Ideen, Pässen usw. …

Puchacz scheint es nun doch in die Türkei zu ziehen. Eine wohl richtige Entscheidung. Die Entschlackung unseres großen Kaders geht voran. Und es passiert noch viel mehr …

Eiserne Grüße von Icke 😊

9. Januar 2022: Ein Punkt in Leverkusen ist tatsächlich zu wenig

Enttäuschte Minen bei Union. Ein Sieg gegen Leverkusen wäre drin gewesen.
Enttäuschte Minen bei Union. Ein Sieg gegen Leverkusen wäre drin gewesen.  © Marius Becker/dpa

Unionfux: Da holt man einen Punkt in Leverkusen und ist trotzdem leicht unzufrieden. Denn wir hätten das Spiel gewinnen können, vielleicht müssen, die Chancen dazu waren da, durch Voglsammer, Kruse und Oczipka, der kurz vor Ultimo leider nur den Pfosten trifft.

Andererseits braucht es einen bärenstarken Luthe, der selbst beste Leverkusener Chancen (69., Paulinho!) abwehrt. In der ersten Hälfte ist Bayer überlegen, geht in Führung durch Schick, wir haben nur eine Chance, kurz vor der Pause, aber die reicht: erst feuert Trimmel stark aus zwanzig Metern, dann köpft Behrens den Abpraller aufs Tor und dann reagiert Prömel am schnellsten, ein bisschen unerwartet der Ausgleich, aber genau zum richtigen Zeitpunkt.

In der zweiten Hälfte ist es eins der besten Auswärtsspiele Unions in der Bundesliga: nach unnachahmlicher Vorlage von Kruse muss wieder Prömel nur den Schlappen hinhalten und plötzlich führen wir!

Und wir haben in der Folgezeit durchaus Möglichkeiten die Führung auszubauen, aber entweder steht uns das Aluminium, Hradecky oder wir uns selbst im Weg. Der Ausgleich fällt relativ spät und ist ein astreines Tor, schwer zu verteidigen - Flanke und Kopfball sind leider optimal. Dass wir trotzdem noch zwei Chancen zum Sieg bekommen, die wir leider nicht nutzen können, passt zu diesem Spiel - ach, Bastian Oczipka, du hättest dich unvergesslich machen können. Aber es gibt ja bestimmt auch noch ein paar andere Gelegenheiten...

Taktisch ist das übrigens wieder mal vom Feinsten, was Urs Fischer und die Mannschaft auf den Rasen bringt, denn Leverkusen ist uns in Sachen Technik und Schnelligkeit überlegen, aber wir nehmen die Geschwindigkeit raus und machen die Räume eng, lassen uns auf keinen Schlagabtausch ein: gut für uns, schlecht für den Gegner. Wie diszipliniert und lauffreudig die Mannschaft die Vorgaben des Trainers einhält, das erstaunt auch im dritten Jahr der Bundesligazugehörigkeit, so oft gesehen und immer noch begeistert.Solange wir so Fußball spielen, sind wir Bundesligist. Das mag oft nicht wirklich ansehnlich sein, besonders auswärts, aber gegen uns spielt niemand gern, das hat auch gestern Robert Andrich festgestellt: „Ich habe mich auf das Spiel gefreut, aber gegen Union zu spielen macht nicht so viel Spaß.“ Und die ganze Bundesliga nickt im Takt dazu...

Nach achtzehn Spieltagen stehen wir exakt so da wie im Vorjahr, insgesamt ist das alles extrem stabil. Ich wiederhole gern nochmal, was ich vor dem Spiel in Leverkusen schrieb: wir müssen vor keinem Verein der Bundesliga Muffensausen haben. Ein ziemlich gutes Gefühl, wie ich finde. Jetzt wird interessant, ob am Samstag gegen Hoffenheim wirklich 3000 Zuschauer in die Alte Försterei dürfen, unter sämtlichen denk- und undenkbaren Gesichtspunkten: selbst am Platz muss eine FFP2-Maske getragen werden. Besser als nichts? Ich weiß nicht… Nichtsdestotrotz kann bis dahin noch so einiges passieren. Vielleicht ganz gut, dass unser übernächstes Heimspiel erst am 13. Februar gegen die Borussia aus Dortmund ist.

7. Januar 2022: Union - nicht vegan und ungegendert

Unionfux: Die Partie gegen Leverkusen wird nicht leicht, erst recht nicht ohne Awoniyi (das wussten wir schon länger), ohne Becker (coronabedingt) und vielleicht ohne den werdenden Vater Behrens. Bisschen wenig Sturm, aber wir waren in dieser Saison nicht gerade von Ausfällen gebeutelt, wir müssen damit klarkommen und ich bin sicher, der Trainer hat schon entsprechende Pläne.

Hier und da wird gar der Ruf nach dem 17-jährigen Sanogo laut - aber zwei Tore in der U19 machen noch keinen Knipser und Urs Fischer wird eher nicht in Leverkusen das Experimentieren anfangen. Wir werden was mitnehmen, mittlerweile hab ich vor keinem Verein in der Bundesliga Muffensausen und Leverkusen mag eine gute Mannschaft haben, aber das hatten sie in der letzten Saison auch und da gewannen wir zu Hause und holten auswärts einen Punkt. Zudem steht Bayer nur einen Punkt vor uns - aber meinetwegen sind sie der Favorit, wir sind ja auch gern der Underdog.

In der Alten Försterei soll es keine veganen Würstchen geben.
In der Alten Försterei soll es keine veganen Würstchen geben.  © Matthias Koch / Imago

Das Transferkarussell dreht sich weiter - möglicherweise steht Puchacz vor einer Ausleihe zum designierten türkischen Meister Trabzonspor. Eine erste Offerte wurde zwar ausgeschlagen, aber das ist das übliche Klappern, jetzt ist noch interessant, ob wir eine Kaufoption (oder gar eine Kaufpflicht) einräumen und damit indirekt die Personalie als gescheitert ansehen. Ich fände es schade, aber vielleicht kommt ja ein Angebot, welches man nicht ablehnen kann.

Dirk Zingler hat wieder einmal für einen Aufschrei gesorgt - gut, in den Zeiten des Hysteriozän ist es auch leicht, den zu erzeugen. Diesmal sagte er in einem Interview mit der Sportbild sinngemäß, dass Union nicht jedem Trend hinterherlaufen kann und auch gar nicht will - deswegen gibt es, bis auf Weiteres, keine veganen Würstchen in der Alten Försterei - und weil man gerade beim Thema ist: gegendert wird auch nicht. Da wird natürlich Starrsinn dahinter vermutet und das Verschließen vor Veränderungen, TeBe twittert gleich aufgeregt, dass man bei ihnen auch vegan versorgt wird und die S3 von Köpenick durchfährt, sehr originell.

Genau deswegen geht man nämlich ins Stadion, um kulinarisch in sämtlichen Richtungen umsorgt zu werden und politisch überkorrekt nebenbei einem Fussballspiel zu folgen. Der Präsident liegt schon ganz richtig, wie so häufig. So wie der Stadionname nicht verkauft wird und es kaum Werbeklingeling drumherum gibt („Diese Ecke wird Ihnen präsentiert von…“), so wird sich bei Union auf das Wesentliche konzentriert. Und das beinhaltet nicht, jede (durchaus berechtigte) Lebensweise zu bedienen, denn die Alte Försterei setzt auf Minimalprogramm, weil es im Grunde nur darum geht, in gut zwei Stunden (alles inklusive) einem Fussballspiel beizuwohnen und die eigene Mannschaft zum Sieg zu schreien.

Und wenn man das Prinzip aufweicht, dann wird das Ganze uferlos, denn es wird eine Menge kleinerer und größerer Gruppen geben, die sich dann am laufenden Meter unterrepräsentiert fühlen werden und was auch immer einfordern werden, zu Recht, zu Unrecht… Man denke bloß an die Musikauswahl - viel zu wenig Soul und Jazz…!!

Okay, ich gestehe auch, ich habe selten in der Alten Försterei gegessen, ich komme auch mal gut zwei bis drei Stunden ohne Nahrung aus. Mir persönlich geht schon das ewige Biergehole (und Weggebringe…) auf den Nerv, bei manchen wird man das Gefühl nicht los, das Getränk ist das Wichtigste, aber gut.

Ich mag Dirk Zinglers Purismus und seinen gewissen Starrsinn dabei, beides ist wichtig, zumindest für unseren Verein. Man muss nicht alles bedienen, solange jeder Mensch willkommen ist und gleichberechtigt sowieso - und das ist m/w/d bei uns. Das ist nämlich das Wichtigste, und natürlich der Fussball, und alles andere sind nur Nebengeräusche.

Und ich bin sehr froh, dass er auch diesem unsäglichen Gegendere eine Absage erteilt hat - denn Gleichberechtigung macht sich nicht an Sprachverrenkung fest, die soll vielmehr davon ablenken und die Wucht, mit der sie zudem durchgesetzt werden soll, macht sie noch fragwürdiger, so sehe ich das und er wohl auch.

So, zurück zum Fussball - freuen wir uns auf das Spiel in Leverkusen, das wird zwar kaum ein Vergnügen, aber ein hoffentlich guter Start in das Jahr 2022 für unsere Mannschaft: auf geht’s!

6. Januar 2022: Wenn keiner was von uns erwartet...

Taiwo Awoniyi fehlt in Leverkusen.
Taiwo Awoniyi fehlt in Leverkusen.  © Nico Paetzel/DeFodi Images

Icke: Jetzt fallen sogar Awoniyi und Becker aus. Viele denken jetzt, oh je wie soll das gehen. Schwamm drüber. Es ist zwar schade, aber kein Weltuntergang.

Dann spielen eben Behrens und Voglsammer im Sturm und Kruse und Haraguchi dahinter. Auf der 6 dann der maximal motivierte Khedira (wegen Andrich). Beflankt von Trimmel und Giesselmann. Und in der Abwehr und im Tor haben wir sogar Alternativen mit Qualität. Eine immer noch sehr gute Mannschaft.

Und immer wenn man uns nichts zutraut, dann holen wir Punkte. Ich kann mir sogar vorstellen, das Junioren-Dauer-Knipser Sanogo die letzten 15 Minuten eingewechselt wird. Den hat Leverkusen bestimmt nicht auf der Rechnung. Und manchmal gibt's ja unglaubliche Dinge bei Debütanten.

Nein realistisch betrachtet hat Leverkusen eine Bomben-Mannschaft und müsste klar gewinnen. Und genau deshalb glaube ich, holen wir da was...

Für unser Ziel, dem Klassenerhalt, und nichts anderes zählt erst einmal, brauchen wir noch 7, 8 Punkte. Will sagen, wir können ganz locker zum VEB Leverkusen fahren. Eben, weil auch keiner etwas von uns erwartet... Eiserne Vorfreude, trotz allem!

4. Januar 2022: Eine Truppe von Durchschnittsspielern

Kann als Team überzeugen: Union Berlin.
Kann als Team überzeugen: Union Berlin.  © David Inderlied/dpa

Unionfux: So, 2021 ist Geschichte, 2022 ist an der Reihe. Und weil offenbar keine Zeit zu verlieren ist, hat die Mannschaft schon am 1. Januar mit dem Training begonnen und bereits am 2. Januar geht es mit der Personalplanung weiter: Cedric Teuchert wechselt zu Hannover 96, ablösefrei, aber wenigstens soll es eine Prämie geben, falls die Hannoveraner bis 2024 aufsteigen - ich glaub zwar nicht daran, aber wer weiß?

Schade, aber es hat eben nicht ganz gereicht für Teuchert (kein Punktspiel über die volle Distanz in anderthalb Jahren), die Konkurrenz war einfach zu groß, doch allein das goldene Tor gegen Leverkusen in der letzten Saison macht ihn unvergesslich - viel Glück bei den Niedersachsen!

Tja, ein Stürmer weniger und ohne Awoniyi in den nächsten Spielen, Abdullahi vor dem Absprung, bleiben nur Behrens und Voglsammer, kriegt etwa Ujah nochmal ne Chance? Oder holen wir einen weiteren Stürmer? Oder können wir uns ein paar Spiele die dünne Angriffsdecke leisten? Eigentlich schon, es sei denn, irgendwo ist da ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann…

Von den nächsten fünf Pflichtspielen findet nur eins in der Alten Försterei statt: nächstes Wochenende gegen Hoffenheim. Ansonsten gehen wir viermal auf Reisen - nach Leverkusen, zur Tante im Pokal, nach Gladbach und nach Augsburg. Nur mal am Rande: die Augsburger haben heute einen 18-jährigen Amerikaner verpflichtet, für immerhin 16 Millionen plus Boni. Das zeigt, wie weit selbst noch so ein Unter-ferner-liefen-Bundesligist wie der FCA uns finanziell voraus ist, auch durch einen amerikanischen Investor.

Umso bemerkenswerter, dass wir seit unserer Bundesligazugehörigkeit permanent vor ihnen stehen. Einige haben eben Investoren, aber nur wir einen Oliver Ruhnert...

Auswärts tun wir uns immer etwas schwerer, insofern sind die nächsten gut vier Wochen eine Nagelprobe. Gelingt die, bin ich sicher, dass wesentlich mehr als der Klassenerhalt herausspringt. Mit anderen Worten: sieben bis acht Punkte aus diesen Spielen und alles ist drin. Der „Kicker" hat seine Winter-Rangliste präsentiert und wir kommen darin so gut wie gar nicht vor, mit Ausnahme von Awoniyi und Kruse ist kein Spieler von uns vertreten. Soll man nun beleidigt sein oder stolz? Okay, solche Listen sind immer subjektiv, aber es zeigt schon etwas: dass bei uns offenbar die Mannschaft funktioniert und weniger die Einzelspieler. Ich find’s gut. Und es hätte schon was, wenn wir mit der Truppe von Durchschnittsspielern noch besser abschneiden würden als letzte Saison. Ab Samstag gilt’s!

3. Januar 2022: Wichtig wäre ein Spielmacher

Cedric Teuchert verlässt Union Berlin in der Winterpause.
Cedric Teuchert verlässt Union Berlin in der Winterpause.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Ein frohes neues Jahr allen Unionern und natürlich allen anderen ebenso! Ich schreibe heute aus Ägypten. Und ja, man kann hier noch baden.

Wir haben nun den Teuchert-Abgang vernommen. Ja das ist richtig, für den Spieler und für Union. Bei uns war er nur noch Stürmer Nr. 5. Wir brauchen hier auch keine neuen Stürmer. Wir haben genug, eher immer noch zu viele. Es sei denn, es ist eine ablösefreie Rakete auf dem Markt, der Awoniyi auch kurzfristig ersetzen kann. Das wird aber wohl kaum passieren.

Wichtiger wäre immer noch ein Spielmacher oder eine Top-8. Ich denke sogar, es werden uns noch mehr Spieler ohne Einsatz-Chancen verlassen.

Gerade in der 2. Liga haben ja noch viele Teams Aufstiegs-Chancen. Die kommenden Tage werden allesamt noch spannend, weil eben hinter den Kulissen die Drähte glühen. Und wir dürfen uns schon auf den Pokalschlager gegen Hertha freuen.

Fischer wird sich etwas einfallen lassen müssen, um unseren Knipser zu ersetzen. Hertha wäre sicherlich überrascht, wenn wir mit drei echten Stürmern, zum Beispiel Becker - Behrens - Voglsammer und dahinter Kruse als Spielmacher antreten würden 😛... wer weiß. Ein kräftiges Eisern in die Runde und Ruhnert ein glückliches Händchen!

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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