Die Leiden des 1. FC Union: Steht dieser Derby-Held vor dem Absprung?

Berlin - Es lief bereits die 74. Minute als Felix Magath (68) einen Doppelwechsel vorbereitete. Mit Suat Serdar (25) und Jurgen Ekkelenkamp (21) sollten beim Stande von 1:2 zwei Offensive nochmal für frischen Wind sorgen, doch einer war schneller: Sheraldo Becker (27).

Sheraldo Becker (l.) jubelt mit seinen Teamkollegen. Zum dritten Mal in dieser Saison ließ Union Hertha keine Chance.
Sheraldo Becker (l.) jubelt mit seinen Teamkollegen. Zum dritten Mal in dieser Saison ließ Union Hertha keine Chance.  © Sören Stache/dpa

Leicht und locker schüttelte der Niederländer Hertha-Kapitän Dedryck Boyata (31) ab und ließ auch Keeper Marcel Lotka (20) keine Chance - 3:1 aus Sicht des 1. FC Union Berlin.

Spätestens nach seinem Treffer war das Spiel entscheiden. Auch im dritten Duell in dieser Saison liefen die Eisernen dem Stadtrivalen im wahrsten Sinne des Wortes davon. Hertha BSC hatte mal wieder keine Chance!

Gerade mit seiner Schnelligkeit stellte der 27-Jährige die zugegeben löchrige Abwehr der Hausherren immer wieder vor Probleme. Das 1:0 bereitete er mustergültig vor und krönte sich mit seinem entscheidenden Treffer endgültig zum Derbyhelden.

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"Sheraldo hat eine unglaubliche Geschwindigkeit, das kannst du fast nicht verteidigen", lobte auch sein Coach Urs Fischer (56) die tadellose Leistung.

Der Cousin von Hertha-Leihgabe Javairo Dilrosun (23) ist vermutlich der Gewinner vom Abgang von Max Kruse (34). Machte er im Oktober noch mit Abschiedsgedanken von sich reden, ist der Angreifer längst wieder eine feste Größe. Sein Traumtor gegen den 1. FSV Mainz 05 (2:0) ist unvergessen, als er die Kugel aus etwa 20 Meter sehenswert in den Knick jagte.

Verlässt Sheraldo Becker den 1. FC Union Berlin im Sommer?

Tor und Vorlage! Sheraldo Becker (27) krönte sich selbst zum Derbyhelden. Seine Zukunft ist aber ungewiss.
Tor und Vorlage! Sheraldo Becker (27) krönte sich selbst zum Derbyhelden. Seine Zukunft ist aber ungewiss.  © Sören Stache/dpa

Das Problem: Seine Zukunft ist völlig ungewiss. Im Sommer 2023 läuft sein Vertrag aus. Für die Köpenicker ist es vermutlich die letzte Gelegenheit noch einmal die Kasse klingeln zu lassen. An Interessenten für den Flügelflitzer dürfte es angesichts der gezeigten Leistungen nicht mangeln, zumal Becker mit einem geschätzten Marktwert von vier Millionen Euro geradezu ein Schnäppchen ist.

Beim Sturmpartner Taiwo Awoniyi (24) sind gar noch ganz andere Summe im Gespräch. Angeblich soll unter anderem der neureiche Premier-League-Klub Newcastle United bereit sein, bis zu 30 Millionen Euro zu zahlen. Ein Abgang scheint immer wahrscheinlicher. Auf die Frage, ob Oliver Ruhnert (50) gerade Awoniyi verkauft habe, antworte Unions Manager im Doppelpass nur vielsagend: "Noch nicht."

Die Eisernen dürften damit nach Marvin Friedrich (25), Kruse und Grischa Prömel (27) innerhalb kürzester Zeit den nächsten Leistungsträger verlieren und damit einmal mehr das Schicksal eines immer noch recht jungen Bundesligisten durchleiden. Ob es aber nur beim Awoniyi-Abgang bleibt oder auch Sheraldo Becker die berühmte neue Herausforderung sucht, wird sich zeigen.

Titelfoto: Sören Stache/dpa

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