Ein Union-Sieg für die Geschichtsbücher: Hat dieser Eta-Kniff Folgen?
Berlin - Im vierten Anlauf hat es geklappt! Nach dem Punktgewinn hat Marie-Louise Eta (34) endlich den ersten Sieg eingefahren. Ausgerechnet bei Ex-Trainer Urs Fischer (60) gewann Union Berlin mit 3:1. Ein Sieg für die Geschichtsbücher.
"Ich freue mich insgesamt für das gesamte Team, für den Staff, für die Mannschaft, für die Jungs", blieb Eta bescheiden. Und doch gehören die Schlagzeilen ihr: Als erster Cheftrainerin in der Bundesliga gelang der 34-Jährigen der erste Sieg.
"Klar bin ich als Trainerin heute auch sehr glücklich, weil am Ende geht es immer darum, Fußballspiele zu gewinnen, und es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man das auch schafft."
Union zeigte mal wieder, dass die Eisernen Last-Minute-Siege können. Ex-Unioner Sheraldo Becker (31) egalisierte zwar kurz nach der Pause (48. Minute) den Ilic-Treffer, doch die Schlussphase ging klar an die Unioner. Oliver Burke (29/88. Minute) und Joker Josip Juranovic (30/90.+1) machten den geschichtsträchtigen Auswärtssieg perfekt.
Auffällig: Eta setzte in Mainz auf eine Viererkette. Dabei ist die Fünferkette eigentlich so etwas wie ein Gesetz bei Union. "Wir wollten mutig sein, wir wollten im Ballbesitz den Gegner laufen lassen und uns Torchancen erspielen. Da haben wir in den letzten Wochen viel dran gearbeitet."
Der Kniff ging auf: Union belohnte sich für ein starkes Auswärtsspiel, ließ sich auch vom Tennisball-Protest nicht aus der Ruhe bringen.
Unions Abwehr-Bollwerk bröckelt
Allzu hoch wollte Eta die Systemfrage nicht hängen - und doch könnte sie die Trendwende eingeleitet haben. Schon Vorgänger Steffen Baumgart (54) ist eigentlich Verfechter der Viererkette, setzte dann aber doch auf Altbewährtes.
Der Erfolg der Fünferkette gab ihm recht: Er führte Union letztlich souverän zum Klassenerhalt und spielte auch eine mehr als ordentliche Hinrunde.
Problem: Das Bollwerk bröckelt - und das nicht nur wegen der drohenden Abgänge der Leistungsträger Danilho Doekhi (27) und Diogo Leite (27). Union ist längst nicht mehr so sattelfest wie in besten Zeiten. 58 Gegentore haben die Eisernen schon schlucken müssen. Genau so viel wie bei der Last-Minute-Rettung vor zwei Jahren.
Klar ist: Die Abwehr wird sich in der neuen Saison verändern. Leite und Doekhi werden den Kult-Klub wohl beide ablösefrei verlassen. Mit Zeno van den Bosch (22) und Marvin Friedrich (30) hat Union vorgesorgt, aber welches System bevorzugt der neue Coach?
Am Eta-Plan hat sich auch nach dem historischen Dreier nichts geändert. Die 34-Jährige übernimmt nach der Saison das Bundesligateam der Frauen. "Es war klar kommuniziert und ich freue mich einfach jetzt noch mal auf die letzte Woche mit den Jungs und da werden wir wieder alles dafür tun, sie gut vorzubereiten und gemeinsam dann zu Hause bestmöglich auch noch mal drei Punkte zu holen", sagte Eta.
Titelfoto: Torsten Silz/dpa

