Union-Berlin-Blog: Flottes Spiel trotz knüppelharter Heidenheimer

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.  © Archiv

Die Autoren:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der Siebzigerjahre Unioner und als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet und hat ein erwachsenes Kind. Icke lebt heute in Grünheide und schreibt hier als Gründer des Blogs.

Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

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1. FC Union Berlin Nach Pyro-Party im Stadion: Satte Strafe für Union Berlin!

Beecke (Christian Beeck), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union. Beecke hat 2 Kinder. In unserem Union-Blog fungiert Beecke als Berater.

25. Februar: Flottes Spiel trotz knüppelharter Heidenheimer

Union-Trainer Bjelica bezeichnete das Ergebnis bei der Pressekonferenz als gerecht.
Union-Trainer Bjelica bezeichnete das Ergebnis bei der Pressekonferenz als gerecht.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Das war kein alltägliches Spiel „An der Alten Försterei“. Sehr intensiv, sehr viel Kampf und dabei über weite Strecken schnell und ansehnlich. Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Wobei von Anfang an ins Auge fiel, Schiedsrichter Aytekin wollte unbedingt bestätigen, dass er ist kein Heim-Schiri ist. Was die Heidenheimer teilweise als kämpferischen Einsatz sahen, waren zu großen Teilen Fouls, die der Schiedsrichter als Körpereinsatz durchgehen ließ. Das war einfach zu viel. Und es ging über 90 Minuten so. Es gab mehrere Abschnitte im Spiel, wo sich Union-Spieler im Minuten-Takt auf dem Rasen wiederfanden und man die Schmerzen in ihren Gesichtern sah.

Trotzdem sahen wir ein flottes Spiel. Heidenheim überraschte Union nach 3 Minuten und ging in Führung. Frank Schmidt, der sympathische Heidenheim-Trainer meinte dazu, die Führung war bis dahin verdient. Nach 3 Minuten? Das ist natürlich Quatsch. Weil bis dahin kaum etwas passiert ist. Union drückte nun und zog ein schnelles Spiel auf. Schäfer und Gosens waren die Antreiber. Aber auch Hollerbach und Aaronson hatten gute Szenen und auch Chancen, den Ausgleich zu erzielen.

Und dann kam das Ende der 1.Halbzeit. Ein Doppelschlag von Gosens und Schäfer – mit schönen Toren garniert – brachte Union in Führung. Mit einem 2:1 gingen die Teams in die Pause. Heidenheims Trainer sah zwar auch Teile der ersten Halbzeit besser für Heidenheim, die Wahrheit ist aber, dass Union immer einen Tick besser war. Fast alle statistischen Zahlen (außer die Luftzweikämpfe) bestätigen das auch so. Ich hatte nicht nur in der ersten Halbzeit, nie das Gefühl, ein Union-Sieg wäre gefährdet. Selbst bei einem Rückstand nicht.

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1. FC Union Berlin Trauer um Andreas Brehme: Union-Coach Nenad Bjelica gedenkt WM-Held von 1990

Und dann kam die 2.Halbzeit und diese konnte an das Niveau vom ersten Durchgang nicht mehr durchgängig anknüpfen. In dem zweiten Teil war dann Heidenheim wirklich gleichstark. Beste erzielte mit einem zweiten Geschenk von Union an die Gäste, mit einem schönen Heber den Ausgleich. Union war – wie schon erwähnt – in allen relevanten Spiel-Daten besser. Die Laufleistung lag knapp um 2 ½ Kilometer höher. Ebenso hatte Union - um immerhin 8% - länger den Ball in den eigenen Reihen als umgekehrt. Mehr Torschüsse und eine um 9% bessere Passquote, runden die Spiel-Daten ab.

Es blieb aber beim 2:2. Union-Trainer Bjelica bezeichnete das Ergebnis bei der Pressekonferenz als gerecht. Heidenheims Schmidt sah seine Mannschaft teilweise sogar leicht vorn. Ich für meinen Teil, war selbst nach dem 2:2 (71.Minute) noch sicher, gewinnen zu können. Ein falsches Bauchgefühl. Es sollte nicht sein. 12 Torschüsse und mehr als 2/3 erfolgreiche Dribblings reichten Union nicht für 3 Punkte.

25 Punkte auf der Haben-Seite reichen in der Bundesliga-Tabelle für Platz 12. Immerhin Punktleich mit dem Elften – Gladbach. Der Abstand zu den 3 letzten Plätzen beträgt 8, 10 und 13 Punkte. Diese Polster sind auch notwendig. Die nächsten zwei Gegner heißen Dortmund und Stuttgart, bevor wir am 16.3. mit Bremen wieder ein Team aus dem Mittelfeld der Liga empfangen.

Das hat Bjelica mit seinem Team – in der Gesamtheit - sehr ordentlich hinbekommen. Eisern und einen heißen Fight gegen den BVB in Köpenick!

23. Februar: Union auf Rekordjagd - auf zum fünften Heimsieg in Folge!

Auch Unions Robin Gosens (29) hofft auf den nächsten Sieg der Eisernen.
Auch Unions Robin Gosens (29) hofft auf den nächsten Sieg der Eisernen.  © Arne Dedert/dpa

Unionfux: Dass wir in dieser Saison noch mal auf positive Rekordjagd gehen - wer hätte das gedacht? Gegen eine der Überraschungen der Spielzeit, den FC Heidenheim, könnte man den fünften Heimsieg in Serie klarmachen - das wäre eine neue Bestmarke (zumindest in der Bundesliga) und würde unsere wiedergewonnene und so wichtige Heimstärke unterstreichen.

Denn der Schlüssel für den Klassenerhalt (und hier und da mehr) lag und liegt in der Alten Försterei: die nächsten beiden Spiele zu Hause gewinnen und die Monate der Sorge würden für diese Saison hinter uns liegen.

Gegen Heidenheim hatten wir immer so unsere Schwierigkeiten, schon in Liga 2 und auch im Hinspiel können wir unsere Überlegenheit nicht in Tore ummünzen und verlieren durch einen (zugegeben herausragenden) Freistoß mit 0:1. Doch in unserem Stadion sieht es da anders aus: zuletzt schlugen wir die Heidis im Pokal relativ locker mit 2:0 und auch das letzte Spiel in der Zweiten Liga zu Hause war ein Knaller - und sei es nur wegen des spektakulären Ausgleichs durch Gikiewicz per Kopf nach Vorlage von Andersson in der Nachspielzeit. Aber letztlich ist das alles Schnee von gestern.

Ich muss zugeben, dass ich den Aufsteiger in letzter Minute als klaren Abstiegskandidaten gesehen habe, kaum Erstligaerfahrung, keine spektakulären Neuverpflichtungen vor dem Bundesligadebüt - aber das alles wird wett gemacht durch Kompaktheit und Kampfgeist und Mut und es ist nicht so, dass Heidenheim regelmäßig den Bus vorm Tor parkt: die haben immerhin schon zehn Tore als wir auf dem Konto.

Erstaunlich, was man doch so alles erreichen kann, wenn’s taktisch und in der Truppe stimmt - aber wem erzähl ich das? Das haben wir ja mal aus dem Effeff beherrscht, wobei wir gerade wieder auf dem Weg dahin sind, gerade die letzten beiden Spiele waren ja ein Muster an Effektivität und unbändigem Kampfgeist und hinterließen weinerliche und zutiefst enttäuschte Gegner, die nicht verstehen konnte, wie ihre vermeintliche Überlegenheit in null Punkten enden konnte.

Kriegen wir diesen Schneid auf den Platz und haben außerdem verinnerlicht, dass die Aufgabe keinen Deut leichter wird als zuletzt, dann sind weitere drei Punkte allemal drin. Die Sperren von Volland und Diogo Leite sind nicht von Vorteil, aber es steht hochkarätiger Ersatz bereit: Knoche beginnt wieder in der Innenverteidigung und Vertessen könnte in der Startelf stehen. Auf jeden Fall sollten wir ohne Wenn und Aber ab der ersten Minute klarmachen, wer Herr im Hause ist, Zaghaftigkeit ist keine gute Idee. Also: Geschichte schreiben und den fünften Heimsieg in Folge einfahren!

Und es dürfte mal wieder, nach langer Zeit, ein Spiel ganz ohne Tennisbälle werden, denn die DFL hat die Investorenverhandlungen abgebrochen, die Ultras haben tatsächlich gewonnen. Ist zwar nicht so, dass es jetzt nichts mehr gäbe, weswegen die Fanszene zutiefst unzufrieden ist und die Sache mit den Bällen hat sich ja als ebenso simpel wie wirkungsvoll erwiesen.

Nichtsdestotrotz stehen uns, bis auf Weiteres, relativ normale Fussballspiele bevor - wenn auch die S-Bahn in nächster Zeit zwischen Karlshorst und Rahnsdorf per Schienenersatzverkehr verkehrt und die Unterführung Hämmerlingstraße ist ebenfalls mal wieder dicht, was unweigerlich zeigt: irgendwas ist immer …

20. Februar: Wer hat Recht? Ultras oder Normalos?

Die Berliner Fans werfen mehrfach Tennisbälle aus Protest gegen die DFL aufs Spielfeld.
Die Berliner Fans werfen mehrfach Tennisbälle aus Protest gegen die DFL aufs Spielfeld.  © Jan-Philipp Strobel/dpa

Icke: Schon seit längerer Zeit fliegen Tennisbälle und Schokolade auf den grünen Rasen. Warum eigentlich? Sind die Fußball-Ultras jetzt Schokoladevertilgende Tennisspieler? Oder steckt da Substanz dahinter?

Jedes Wochenende das gleiche Theater. Spielunterbrechungen in vielen Stadien. Die Spieler kommen aus ihrem Rhythmus und die Muskeln werden kalt. Zehntausende müssen dumm rumstehen und warten. Auch wer zu Hause vor dem Fernseher wartet - hat keine Freude. Die längsten Unterbrechungen gab es bei Union. Da waren es knapp über 20 Minuten. Ein Wunder, dass es noch keine Spielabbrüche gab. Aber die werden kommen. Ganz sicher sogar.

Sind die Proteste berechtigt? Jein. Auf der einen Seite ist die Forderung der Ultras in ganz Deutschland die Gleiche. Sie wollen keinen Einstieg von Investoren haben. Es wird befürchtet, dass diese dann Einfluss auf sportliche und/oder wirtschaftliche Dinge nehmen werden. Das halte ich zumindest für diskussionswürdig. Es kommt dann eben doch auf den Sponsor im Detail an. Sicherlich gibt es schwarze Schafe unter ihnen. Aber eben auch ordentliche Kaufleute, die einfach ihren Taschenrechner gut beherrschen und das Risiko zum Geld verdienen nicht scheuen.

DFB und DFL betonen immer wieder, die 50+1-Regel bleibt. Somit wäre erst einmal keine Gefahr im Verzug. Aber so ganz Unrecht haben die Ultras natürlich nicht. Man schaue sich nur Herrn Hopp und sein Fußball-Konstrukt an. Er bekommt überall Extra-Würste und Sonder-Regelungen. Und so ganz zufällig ist (bzw. war) er auch Sponsor beim DFB (Premium-Partner). Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die Fakten sind, Hopp gibt dem DFB Geld und dafür ändert der DFB seine Regeln extra für Hopp. Aber über Hopp wollten wir ja gar nicht reden, ihn nur als mahnendes Beispiel benennen.

Ja die Ultras haben Gründe, sich gegen bestimmte Dinge zur Wehr zu setzen. Die Frage ist an dieser Stelle nur, ist dieser Protest mit diversen Spielunterbrechungen genau das richtige Mittel? Und da habe ich meine Zweifel. Die gleiche Situation hatten wir bei den Klimaklebern. Gute Gründe, aber schlechte Mittel. Eben weil beide Gruppen mit ihren "Kampf-Mitteln" Tausenden anderen Menschen (Normalos) Schaden zufügen. Und sei es nur, ihnen Zeit zu stehlen. Und es gibt noch eine Übereinstimmung, beide Gruppen denken mit Absolutheit, sie haben "die Weisheit mit Löffeln gegessen" und sie vertreten eine große Mehrheit. Dem ist wohl eher nicht so.

Eine spannende Frage gilt es noch anzusprechen. Ultras und auch viele andere Fußball-Fans und hier schließe ich mich an, verlangen von der DFL eine Neu-Abstimmung. Die letzte Abstimmung endete mit einer Stimme Plus - für einen Investoren-Einstieg. War denn diese Abstimmung rechtens? Und dazu kann man klar und deutlich "nein" sagen. Wer den Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96 – Martin Kind – als Freund hat, der braucht eigentlich keine Feinde mehr. Hannover 96 hat seinem Mehrheitsgesellschafter bei der Wahl einen klaren Auftrag erteilt, mit "nein" zu stimmen. Trotzdem gab es nach der geheimen (warum eigentlich?) Abstimmung plötzlich eine Stimme im Plus. Kind weigert sich auch, zu berichten, wie er gestimmt hat. Trotz harter Attacken von Hannover 96, dem Fanvertreter Thomas Kessen und Gegenwind aus fast allen Stadien in Deutschland. Kind schweigt. Und wer seine früheren Meinungen zur 50+1-Regel und zu Investoren beim Fußball im Allgemeinen kennt – der hat nicht nur berechtigte Zweifel an seiner Loyalität, sondern weiß es ziemlich sicher. Wahrscheinlich wird es eine Neuabstimmung ohne geheime Wahl geben. Anders kommen DFB und DFL aus dieser Nummer gar nicht mehr raus. Die schlussendlich entscheidende Frage ist, ergibt die Abstimmung wieder ein "ja"… hört dann der Protest auf oder geht er weiter?

Vergangene Nacht verstarb Andy Brehme mit erst 63 Jahren. Einer der Helden unserer Jugend. Die Einschläge in 2024 sind mir zu viele. Ruhe in Frieden und ein kräftiges Eisern nach oben…

18. Februar: Ein unverdienter Sieg in Hoffenheim? Ganz und gar nicht!

Gegen Hoffenheim holte Union Berlin am Samstag wichtige drei Punkte.
Gegen Hoffenheim holte Union Berlin am Samstag wichtige drei Punkte.  © Jan-Philipp Strobel/dpa

Unionfux: Union gewinnt nach einem runden halben Jahr endlich wieder auswärts und sowohl die Presse als auch der Sky-Reporter sprechen doch tatsächlich von einem unverdienten Erfolg in Sinsheim.

Dabei haben wir bei diesem Sieg, den die eingewechselten Roussillon, Vertessen toll vorbereiten und schließlich Aaronson mit seinem ersten Bundesligatreffer klarmacht, nun wirklich nicht den Papst in der Tasche.

Doch der Reihe nach: sicher haben wir Glück, dass Bebou kurz nach Spielbeginn seine herausragende Doppelchance nicht verwerten kann - erst hält Rönnow super, dann schießt Bebou gegen den Pfosten, aber dazwischen foult er Khedira, der daraufhin schon nach wenigen Minuten ausgewechselt werden muss. Dann schießt Hollerbach nach herausragender Vorarbeit von Trimmel und Volland frei leider nur an den langen Pfosten, Tousart später knapp übers Tor, obendrauf ein Gosenstor nach Hollerbachpass, der aber knapp aus dem Abseits kommt.

Über die gelb-rote Karte gegen den Hoffenheimer Nsoki muss man nicht diskutieren, Gelb-Rot gegen Volland ist dagegen eine klare Fehlentscheidung von Schiedsrichter Hartmann, aus meiner Sicht eine absolute Konzessionsentscheidung. Nichtsdestotrotz kann da Volland im Vorfeld wesentlich weniger Angriffsfläche bieten, von einem erfahrenen Spieler muss man das erwarten können. Es ist es doch tatsächlich unser fünfter Platzverweis (und der zweite für Volland) - das dürfte einen fragwürdigen Vereinsrekord darstellen.

Nach der Halbzeit gibt es zunächst nur eine Chance von Tousart, der nach schönem Pass von Trimmel lediglich das Außennetz trifft, dann sind wir für die folgende halbe Stunde dauernd in der Verteidigung gebunden, nach vorn läuft im Grunde gar nichts mehr - bis zum perfekt ausgespielten Konter der drei frischen Jungs. Danach schießt Juranovic noch einen schönen Freistoß an den Pfosten, offenbar leicht abgefälscht und Aaronson legt für Vertessen auf, der aber aus der Drehung an Baumann scheitert - Hoffenheim kann hingegen keine Möglichkeit mehr für sich verbuchen.

Dann zählen wir mal zusammen: zwei Pfostenschüsse, ein knappes Abseitstor, ein unberechtigter Platzverweis und die frühe Auswechslung eines wichtigen Stammspielers nach Foul des Gegners - Glück sieht anders aus. Obendrauf ein perfekter Konter, eine weitgehend souveräne Verteidigung und ein sicherer Torwart, die zusammen wenig zulassen, abgesehen von der bereits erwähnten frühen Großchance. Insofern kann ich nicht so recht die angebliche Unverdientheit erkennen.

Gut, schön anzuschauen ist das über weite Strecken nicht gerade, aber darauf kommt's ja auch nicht so unbedingt an. Auf jeden Fall ist die mannschaftliche Geschlossenheit der letzten Spielzeiten langsam wieder zurück, hier und da gepaart mit der alten Effektivität. Zudem zeigt ein Spieler wie Lucas Tousart mittlerweile, warum er eine gute Verpflichtung ist: kämpferisch stark, unfassbar lauffreudig (abermals dreizehn Kilometer) und zuweilen torgefährlich. Und wenn dann noch Vertessen und Aaronson ihre Qualität aufblitzen lassen, dann kann man durchaus in Hoffenheim gewinnen und sämtliche optische Überlegenheit des Kontrahenten hat nur statistischen Wert.

Jetzt stehen wir auf Platz 12, punktgleich mit dem VfL Wolfsburg, acht Punkte auf den Relegationsplatz und das obere Mittelfeld ist wieder in Sichtweite. In doppeltem Sinne: schönes Wochenende!

15. Februar: Mit Spielglück auf Platz 11?

Gegen Wolfsburg holte Union Berlin in der vergangenen Woche drei Punkte.
Gegen Wolfsburg holte Union Berlin in der vergangenen Woche drei Punkte.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Unser "Spielglück" scheint ja seit dem Wolfsburg-Spiel zurückgekehrt zu sein. Und es ist kein Witz, Platz 11 wäre am Wochenende für Union möglich.

Wenn Bochum gegen die Bayern verliert und Gladbach in Leipzig verliert ... Wolfsburg müsste dann auch noch gegen Dortmund verlieren und Augsburg in Mainz den Kürzeren ziehen. Ja das sind viele "Wenns", auf dem Papier ist das alles machbar.

Ach so, und fast hätte ich vergessen, um das alles so zu "planen" müsste der 1. FC Union natürlich in Hoppenheim gewinnen. Warum bin ich hier gerade so optimistisch? Weil Hoppenheim alles andere als heimstark ist.

Die beiden Heimspiele in diesem Jahr endeten je mit einem Unentschieden gegen Köln und Heidenheim. Davor spielte man kurz vor Weihnachten auch gegen Darmstadt nur Remis. Insgesamt verloren die Hoppenheimer in dieser Saison auch schon vier Mal zu Hause. Wenn man das im Zusammenhang – mit unserem wiedererlangten Spielglück sieht – dann ist es gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass wir dort drei Punkte holen und einige Plätze nach oben steigen. Ob es denn nun gleich Platz 11 wird, das sei mal dahingestellt. Immerhin müssten so – fünf Spiele – am "Reißbrett" funktionieren.

Was da Trainer Matarazzo im Augenblick in Hoppenheim genau macht, ist schon eine Wundertüte. Die schlechten Ergebnisse, gerade zu Hause, lassen ihn viel experimentieren. So ließ er gegen Heidenheim noch im 4-3-1-2 System spielen, um dann in der folgenden Woche gegen Köln auf ein 3-4-3 zu wechseln. Einige warfen Matarazzo auch vor, Kramaric im letzten Spiel nur eingewechselt zu haben. Und genau dieser Kramaric erzielte in der 94. Minute das rettende 1:1.

Allerdings, und nun dämpfe ich den Optimismus mal wieder, hat die BSG SAP eine – nach Einzelspielern betrachtet – Bomben-Mannschaft zusammen. So stark, dass sie es sich erlauben konnten, Vogt an uns abzugeben, der bei uns in kürzester Zeit zum Abwehr-Chef wurde. Neben dem schon erwähnten Kramaric können sie mit Beier, Weghorst und Bebou auf Top-Angreifer setzen.

Eine ganz besondere Motivation dürfte wieder Ex-Unioner Prömel haben, der unangefochtener Stammspieler ist. Nimmt man die Kader-Marktwerte zur Hilfe, dann hat Union ein leichtes Plus. Etwa 150 Millionen auf Berliner Seite stehen 134 Millionen dort gegenüber.

Die gute Entwicklung, die Union unter Bjelica zu Hause nimmt, gilt es jetzt auch einmal Auswärts zu bestätigen. Die Umstände und die aktuelle Situation sind gar nicht so schlecht, um ein weiteres Ausrufezeichen zu setzen. Zumal Union den kompletten Kader wieder zur Verfügung hat. Keiner ist mehr verletzt oder gesperrt!

Mal schauen, ob die Zeit für die Neuzugänge Bedia und/oder Vertessen reif ist. So langsam, aber sicher sollten sich beide eingewöhnt haben und auch taktische Details verinnerlicht haben. Man hat beide sicherlich verpflichtet, damit sie auch eingesetzt werden und zeigen können, wie sie Tore erzielen. Eisernes Daumen drücken!

12. Februar: Elf Spiele - Kleines Zwischenfazit zu Bjelica

Union-Coach Nenad Bjelica (52) konnte den freien Fall der Eisernen vorerst stoppen.
Union-Coach Nenad Bjelica (52) konnte den freien Fall der Eisernen vorerst stoppen.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Dann wollen wir mal ein kurzes Fazit im Abstiegskampf ziehen. Elf Spiele haben wir jetzt mit Nenad absolviert. Vier wurden gewonnen, drei endeten Unentschieden und vier wurden verloren. 15 Punkte in der Gesamtheit geholt - das macht 1,36 Punkte im Durchschnitt.

Mehr konnte man nicht erwarten. Umso mehr wir uns an den desolaten Zustand der Mannschaft mit endlosen Niederlagen erinnern. Da erscheint es besonders positiv, dass alle vier Siege unter Nenad - Bundesliga-Siege sind. Denn die Bundesliga ist unsere Pflicht, alles andere die Kür.

Diese insgesamt 14 Meisterschafts-Punkte, die wir mit Bjelica holten, waren wohl das Maximum der positiven Erwartungen, die man bei Union (realistisch) haben durfte. Und dass trotz absolut widriger Umstände. Die "Schlag-Sane-Affäre" und die ständig für Spielunterbrechungen sorgenden "Bälle-Werfer" machten Nenads Job nicht wirklich leichter. Und trotzdem hat er es geschafft, zumindest die Defensive wieder zu festigen. Dass in der Offensive noch viel Luft nach oben ist, wissen alle Beteiligten. Obwohl auch hier schon Verbesserungen zu sehen sind, wenn man genau hinschaut. Volland und Gosens haben unter Nenad beide ihren Platz in der Mannschaft gefunden und sind unverzichtbar geworden.

Keeper Rönnow scheint er stark geredet zu haben. Unter Bjelica ist der Däne noch einmal besser geworden. Und auch Hollerbach wurde urplötzlich unverzichtbar. Seine Tricks, seine Schnelligkeit und der unermüdliche Einsatz bereichern unser Spiel. Wir dürfen ja dabei auch nicht vergessen, dass wir mit Becker, Behrens und Fofana drei Stamm-Stürmer verloren haben. Vertessen und Bedia scheinen noch nicht angekommen zu sein. Vogt war der absolute Wunsch-Kandidat von Nenad. Und auch damit hatte er Recht. Ab der ersten Sekunde war er ein Stabilisator und inzwischen ist er zum Abwehrchef aufgestiegen.

Vier der ersten fünf Spiele versuchte Nenad, die Viererkette einzuführen, um dann zu erkennen, dass die Mannschaft sich mit Dreier-Kette sicherer und wohler fühlt. Ein kluger Trainer lernt daraus und stellt das System nach den zur Verfügung stehenden Spielern auf. Und genau das hat er getan. Und auch hier musste Bjelica gegen weitere Störfeuer kämpfen. Laut einem Medienbericht sollen mehrere Spieler von Union sich beim Präsidenten über den Führungs-Stil des Trainers beklagt haben. Dirk Zingler selbst stellte das richtig und verbannte die Berichterstattung damit in die Fabelwelt.

Wenn man den Zeitraum zusammen mit allen Umständen betrachtet, dann kann man nur zufrieden sein. In der Bundesliga hat Nenad 14 Punkte geholt und 13 Punkte (darunter in Leipzig und in München) abgegeben. Nach dieser exorbitanten Niederlagenserie sind diese 14 Punkte nicht hoch genug zu bewerten. Eisern!

11. Februar: Ende gut, (nicht) alles gut: drei wichtige Punkte gegen Wolfsburg

Unioner Danilho Doekhi (25) hat den Ball im Tor von Wolfsburg versenkt und freut sich.
Unioner Danilho Doekhi (25) hat den Ball im Tor von Wolfsburg versenkt und freut sich.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Natürlich: Ende gut, alles gut. So muss man es wohl sagen. Am Ende stehen drei Punkte gegen den VfL Wolfsburg und die sind fraglos eminent wichtig. Gut daran ist eine läuferisch (fast 130 Kilometer sind eine Ansage!) und kämpferisch tadellose Leistung, insbesondere nach dem ungemein kräftezehrenden Auswärtsremis unter der Woche in Mainz.

Gut daran ist ein nahezu perfekter Standard, getreten von Kevin Volland und unwiderstehlich eingeköpft von Danilho Doekhi, gut ist, wie immer, der aufmerksame und sichere Rönnow, der immer da ist, wenn er gebraucht wird und eine nach hinten aufopferungsvoll und weitgehend sichere Truppe, die auch den Ausfall von Kevin Vogt letztlich kompensieren kann.

Aber man muss auch ganz klar sagen, dass unser Tor gleichzeitig unser einziger Schuss bzeziehungsweise Kopfball auf's Tor ist, nennenswert ist noch eine gute Aktion nach der Pause von Tousart, der aus der Drehung knapp über den Kasten schießt und vielleicht der Kopfball von Schäfer nach Gosensflanke, der zum entscheidenden Eckball führt.

Viel mehr ist nicht, nach vorn findet (wieder mal) einfach zu wenig statt, der Wolfsburger Ersatzkeeper Pervan hat kaum was zu tun. Normalerweise gewinnt man so ein Spiel nicht. Zudem wechselt der an die Seitenlinie zurückgekehrte Nenad Bjelica ziemlich ängstlich, was der einsame Kaufmann am Ende da vorne sollte, so allein und ungefüttert, weiß nur er. Sicher, wer gewinnt, hat recht, aber warum ein Vertessen für fast fünf Millionen unbedingt aus Eindhoven losgeeist werden muss. Und dann spielt er nicht, in einem wichtigen Heimspiel. Von Bedia will ich erst gar nicht reden. Ging's nicht darum, unsere Mannschaft offensiv zu verstärken? Entweder ist das bis hierher schiefgegangen - oder es war offenbar nicht nötig, da man gleichzeitig auf Behrens, Becker und Fofana verzichtet hat.

Gegen Wolfsburg geht das offensive Sparprogramm irgendwie gut, auch weil die Gastmannschaft ihre Überlegenheit nicht in Tore ummünzen kann. Stattdessen offenbaren Kovac und sein Kapitän nach dem Spiel fehlendes Regelwissen. Natürlich muss der blutende Jenz nach dem Zusammenprall mit Schäfer das Feld verlassen (die Regel gibt es doch wirklich nicht seit gestern) und natürlich schaltet sich der VAR nicht ein. Erstens gibt es keinen Grund und auch sonst hätte er es nicht gedurft. Kann schon sein, dass Jenz beim fraglichen Eckball gefehlt hat, aber das ist einfach Pech und kommt nach Verletzungen schon mal vor, hüben wie drüben.

Aber warum seine Mannschaft in dieser Situation so lausig verteidigt und außerdem keinen Treffer erzielt, darüber schweigt des Trainers Beschränktheit. Hauptsache, alle anderen sind wieder mal Schuld. Laaaangweilig!! Die drei Punkte sind also großartig, die Zwanzig-Punkte-Marke ist endlich überschritten, das Spiel weniger. Ich gebe auch zu, dass der Erfolg letztlich wichtiger ist als, sagen wir mal ein rasantes Unentschieden. Es ist nun mal ein Ergebnissport. Nur sollten Bjelica und die Mannschaft wissen, dass man so eher nicht durch die restlichen dreizehn Spiele kommt. Im Moment haben wir mehr Punkte als erzielte Tore.

Nach einem wirklichen Plan sieht das alles kaum aus, und den braucht man on the long run dann schon… Ob das Spiel nach dem mittlerweile obligaten Tennisballprotest wirklich abgebrochen worden wäre? Mit welchem Ergebnis? Wird dann wiederholt? Insgesamt oder ab Abbruch? Was wäre passiert, wenn wir drei Tore vorn gelegen hätten? Hätte dann die Wolfsburger Anhängerschaft noch ein paar Abbruchtennisbälle in petto gehabt? Ich denke nicht, dass sich dieses Problem kurzfristig erledigen wird. Insofern muss man überlegen, was wäre, wenn; denn sonst könnten Meisterschaften und Abstiege so mitentschieden werden. Das kann niemand wollen, noch nicht mal die Ultras. Schon die Unterbrechungen sind ja für die Mannschaften nicht folgenlos, auch wenn das nicht konkret messbar ist…

Außerdem muss man wohl ne Stunde Stadionzeit mehr einplanen. Schweigeminuten, Regenbogenarmbinden, Transparente diskussionswürdigen Inhalts, Tennisbälle. Die Stadien werden immer mehr zu Plätzen der Statements, Kundgebungen und Proteste. Wir sollten aufpassen, dass die Hauptsache, immer noch der (ja, professionelle) Fussball, nicht zur Nebensache wird. Auch, wenn es durchaus Grund für all diese Meinungsäußerungen gibt. Und ganz zum Schluß: Herzlichen Glückwunsch, Robin Knoche, zum 300. Bundesligaspiel! Dazu passt ein Zu-Null-Spiel doch ganz hervorragend, oder?

9. Februar: Die kleine Heimsieg-Serie ausbauen - Wolfsburg schlagen!

Union Berlin empfängt am Samstag in der Alten Försterei Wolfsburg.
Union Berlin empfängt am Samstag in der Alten Försterei Wolfsburg.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Ich kann nicht sagen, dass ich so ein Spiel noch nie gesehen habe, speziell in den 80er und 90er Jahren war sowas nicht unüblich - und doch ist es schon eine ganze Weile her: der grauenvolle Pfützenacker von Mainz ließ wenig Fussball zu und mit zunehmender Spielzeit immer weniger - insofern entzieht sich das Spiel in einer gewissen Weise einer Bewertung, ja, Schlammschlacht trifft es doch eher.

Nichtsdestotrotz war alles dabei: Pech bei Latte- und Pfostentreffer von Volland, Glück beim nicht gegebenen Elfmeter (ich sehe ihn auch eher im Graubereich, keine wirkliche Fehlentscheidung), Pech bei der Chance von Vertessen, Glück bei der vergebenen Chance von Onisiwo nach unfassbarer Laidouni-Slapstick-Vorlage - und abermals Kampf ohne Ende und ein hervorragender Rönnow.

Erste Hälfte stark mit viel Offensive, zweite Hälfte plötzlich kaum noch. Und endlichendlich, ein Auswärtstor, ein schönes noch dazu, obendrein zum wichtigen Zeitpunkt, unvorstellbar, hätten wir in der zweiten Hälfte einem Rückstand hinterherhecheln müssen. Ein Außenbahnspieler ist jetzt bester Torschütze bei uns: Robin Gosens machte sein fünftes Tor und es war ein typisches Gosenstor, eine Mischung aus Athletik, Akrobatik und Willen. Am Ende muss man wohl mit diesem Unentschieden zufrieden sein, auch wenn mehr drin war - weniger aber auch - sagen wir mal: Mindestziel erreicht.

Mal sehen, wie die Mannschaft diesen Kraftakt verdaut hat, denn am Samstag kommt ein Gegner, der im Moment auch nicht gerade auf der Erfolgswelle schwimmt, aus den letzten acht Spielen holten die Wolfsburger nur sieben Punkte, wir immerhin elf. Das heißt, da kommt nicht der Übergegner und wir müssen unsere wiedergewonnene Heimstärke nutzen, um weiter Boden nach unten gutzumachen.

Wird nicht einfach, nach dem Mittwoch und ohne Vogt, Trimmel und Haberer (alle gesperrt), wobei Vogt wohl am schwersten zu ersetzen ist - da Doekhi aber wieder da ist, könnte das machbar sein, auch wenn wir unbedingt unsere Anfälligkeit nach Standards wieder ad acta legen müssen - eine unserer vielen Spezialdisziplinen, die wir, wie auc himmer, verlernt haben (ist das denn nicht wie Fahrrad fahren?).

Schön wäre, wenn Juranovic wieder auf rechts auflaufen könnte, vielleicht sollte Aaronson Haberer ersetzen, das würde der Offensive mehr Möglichkeiten verleihen. Und kommt Bedia jetzt endlich zu seiner ersten echten Bewährungschance? Gegen Bayern und Leipzig war er ja mehr Zimmerschmuck, als Mittelstürmer hatte man da nicht wirklich eine Funktion. Und mir passt es nicht, dass der Junge schon als Fehlkauf abgestempelt wird, ohne überhaupt irgendwas zeigen zu können. Vertessen, Hollerbach, Volland, Bedia, Kaufmann - nach vorne muss doch was gehen. In Mainz konnte man sehen, dass eine einigermaßen brauchbare Flanke auch zum Tor führt - mehr davon!

Und zum ersten Mal nach seiner Sperre wird Nenad Bjelica wieder Cheftrainer ohne Wenn und Aber sein, ob das einen Schub bei der Truppe auslösen kann, werden wir sehen, klar ist jedoch: der Mann kämpft um seinen Job. Seine Bilanz liest sich zwar nicht so schlecht, aber von einer neuen Handschrift ist die Mannschaft doch noch ziemlich weit entfernt. Solange gepunktet wird, kann man das ja noch irgendwie verzeihen, insofern sind drei Punkte gegen Wolfsburg Pflicht - für Bjelicas Standing nach innen und außen, die weitere Konsolidierung der Jungs und das immer noch viel zu mickrige Punktekonto.

Wäre nicht schlecht, wenn man nach Abpfiff dann einen weiteren Platz nach oben klettern konnte - lasst uns unsere Jungs nach vorne schreien, auf geht’s Union, kämpfen und siegen!

8. Februar: Irrer Kampf – Union sammelt mühsam Punkte

Robin Gosens (29) von Union jubelt nach dem Tor zum 1:1.
Robin Gosens (29) von Union jubelt nach dem Tor zum 1:1.  © Arne Dedert/dpa

Icke: Ein 1:1 erkämpfte sich der 1.FC Union im wahrsten Sinne des Wortes in Mainz gegen den Mitabstiegskandidat und hielt diese somit auf einen 6-Punkte-Abstand. Spielerische Klasse konnte nicht erwartet werden. Zum einen wegen der Bedeutung dieses Spiels, aber auch das Wetter spielte nicht mit. Dauerregen und riesige Pfützen auf dem Platz, wo die Bälle hängenblieben, machten eins notwendig – bedingungslosen Kampf um jeden Meter Matsch auf dem Feld. Beide Teams kämpften bis zur Erschöpfung. Etliche gelbe Karten und die dazugehörigen Fouls ließen sich bei diesem Einsatz und Boden gar nicht vermeiden.

Den größten Aufreger gab es gleich in der 10.Minute. und ich gebe zu, die Situation auch erst falsch eingeschätzt zu haben. In der Schnelligkeit des Geschehens sah es auf den ersten Blick so aus, als wenn Knoche im Strafraum klärte und der Mainzer 2-Meter-Stürmer Ajorque den Kopf zu tief hatte. Ein böser und blutiger Wirkungstreffer war das Resultat. Bei etlichen Wiederholungen sah man dann aber, dass der Franzose den Ball zuerst Richtung Knoche köpfte und danach getroffen wurde. Das hätte Elfmeter geben müssen. Da haben wir Glück gehabt. Die Szene war schwer zu sehen, hier hätte der Video-SR Pascal Müller eingreifen müssen. Schiedsrichter Petersen machte insgesamt ein sehr gutes Spiel.

Ansonsten legte Union los wie die Feuerwehr. Der sehr agile Volland hatte nicht nur einmal Pech. Zweimal traf er „Holz“ und in der 77.Minute zirkelte er einen prima Freistoß auf das Mainzer Tor. Ein Tor hätte man ihm gegönnt. Insgesamt hatte Union sowieso ein leichtes Chancen-Plus bei diesem irren Kampf. In der 87. hatte Vertessen noch die Riesen-Möglichkeit zum Held des Abends zu werden. Es sollte nicht sein. Das 1:1 war letztendlich auch leistungsgerecht. Denn Mainz kämpfte genauso leidenschaftlich wie Union.

Die Klimakleber des Fußballs – die Werfer der Tennisbälle übertreiben es langsam, aber sicher. Immer wieder wurde das Spiel unterbrochen, weil die jungschen Bengels Aufmerksamkeit für ihre Sache suchten. In naher Zukunft wird ein Spiel abgebrochen werden und mit einer Niederlage am grünen Tische enden. Dann wird das Geschrei noch größer sein. Es ist mitnichten verboten seine Gehirnzellen vorher zu benutzen.

In der 72.Minute gab es noch eine kuriose Szene. Laidouni flankte völlig unbedrängt in unseren eigenen Strafraum. Und eröffnete damit Onisiwo eine gute Kopfball-Chance. Was ging da im Kopf des Unioners vor?

Eine Sache gilt es vor dem nächsten Heimspiel gegen Wolfsburg zu üben. Unsere Mauer bei Freistößen richtig zu organisieren. In der 53.Minute traute ich meinen Augen nicht. Mainz hatte einen Freistoß und wir sprangen nach beiden Seiten auseinander. Machten somit erst die Lücke für den Schützen auf. Gott sei Dank hielt Rönnow den Ball. Aber warum öffnen wir unsere Mauer?

Ein insgesamt verdienter Punkt, den wir am Sonnabend mit einem Heim-Sieg gegen Wolfsburg vergolden können. Es wird schwer genug, aber es ist durchaus möglich. Eisern!

5. Februar: Ein (Union)Tor würde dem Spiel jetzt gut tun…

Christoph Trimmel (36) geht nach der Niederlage über den Platz.
Christoph Trimmel (36) geht nach der Niederlage über den Platz.  © dpa/dpa

Unionfux: So, es wird wieder ernst, nach einem Kann-man-mal-verlieren-Spiel kommt jetzt wieder ein Darf-man-nicht-verlieren-Spiel: in Mainz, beim direkten Konkurrenten, muss wenigstens gepunktet werden, eigentlich ja sogar dreifach.Nur: um ein Spiel zu gewinnen, muss man Tore schießen, wenigstens eins. Jetzt kommt die böse Statistik: in diesem Jahr haben wir lediglich ein Tor geschossen, auch wenn der Treffer optimal drei Punkte sicherte - Benedict Hollerbach traf im Heimspiel gegen Darmstadt. Und noch bedenklicher: das letzte Auswärtstor in der Bundesliga ist doch tatsächlich vier Monate her - Gosens und Bonucci trafen zur Pausenführung in Dortmund, Endstand leider 2:4. Nach sechs Auswärtsspielen in der Liga könnte/sollte/müsste also mal wieder ein Tor her, es kann nicht unser Anspruch sein, die Spiele mit der Golden-Goal-Regel zu bestreiten: fällt ein Gegentor, haben wir praktisch schon verloren und bemühen uns nur noch um Schadenbegrenzung.

Schauen wir doch mal darauf, wer die achtzehn Tore in neunzehn Spielen (Harry Kane hat alleine 24 gemacht…) bisher erzielt hat - vier Torschützen haben den Verein bereits verlassen als da wären der Neu-Wolfsburger Kevin Behrens mit vier Toren (an den ersten zwei Spieltagen), Milos Pantovic (mittlerweile in Belgien beim KAS Eupen), David Datro Fofana (zurück zu Chelsea und weitergereicht zum FC Burnley) mit einem Treffer vor Weihnachten gegen Köln und der schon erwähnte Leonardo Bonucci (jetzt bei Fenerbahce Istanbul) mit unserem letzten Auswärtstor per Elfmeter. Die verbleibenden elf Tore teilen sich Robin Gosens (vier Tore), Benedict Hollerbach (3 Tore), Kevin Volland (zwei Tore) und Danilho Doekhi und Mikkel Kaufmann mit jeweils einem Treffer.

Das nennt man mal übersichtlich. Wobei man sagen muss: das Problem sind weniger die vergebenen Torchancen, sondern es werden kaum welche herausgespielt - besonders auswärts braucht man keinen Chancen hinterherzutrauern, denn es gibt tatsächlich keine, zumindest keine ernsthafte. Nicht wenige hofften deswegen in der Winterpause inständig auf die Verpflichtung eines Spielmachers, der den vorletzten bzw. letzten Pass spielen kann, um die Stürmer in Szene zu setzen - allein: es kam keiner.

Mir würden jetzt nur noch Volland bzw. Schäfer einfallen, der fussballerisch dazu in der Lage wären und eben offensiv denken, bei den anderen zentralen Mittelfeldspielern liegt eher das Augenmerk auf der Defensive. Obendrein geben wir, aus nachvollziehbaren Gründen, mit Behrens einen Brecher ab, okay, nur spielt sein designierter Nachfolger kaum. Das kann daran liegen, dass Hollerbach mittlerweile erstmal gesetzt ist und Vertessen ebenso spielen soll, wir uns aber nicht trauen, auswärts mit drei Stürmern gleichzeitig zu agieren.

Gleichwohl fehlt uns dann vorne ein Zielspieler. Und so ein wenig verwundert es ja doch, dass man Chris Bedia zwar für zwei Millionen verpflichtet, ihm aber nicht so wirklich was zutraut, da er ja nur aus der Schweizer Liga kommt - als ob man das erst nach Öffnen des Pakets festgestellt hätte… Aber auch Standards könnten in unserer Situation helfen, doch diese, einst gefürchtete, Waffe ist zur Zeit ebenso etwas zu stumpf, nichtsdestotrotz wäre es schon gut, wenn Josip Juranovic am Mittwoch wieder fit ist, denn sein Pendant Christopher Trimmel wurde heute mit der Mindestsperre von zwei Spielen belegt (vielleicht kann ja noch ein Spieler ab und an mal…?). Nachdem wir uns hinten erfreulicherweise wieder stabilisieren konnten, muss jetzt im Mittelfeld und Angriff einfach mehr passieren - okay, ich denke, das müsste dem Trainerteam auch schon aufgefallen sein, auch wenn ich die geeigneten Maßnahmen dafür nicht so recht erkennen kann.

Aber das wird über Wohl und Wehe der nächsten Spiele entscheiden. Dass wir es können, zeigten die zweiten Spielhälften gegen Köln und Darmstadt. Trainer Nenad Bjelica sagte nach seiner Verpflichtung, er wolle jedes Spiel gewinnen. Richtig spüren konnte man das nur zu Hause gegen Mönchengladbach und eben teilweise gegen Köln und Darmstadt. Es wäre ebenso wichtig wie schön, wenn man in Mainz und auch am Samstag gegen Wolfsburg genau das mal wieder spüren und sehen könnte und am besten von der ersten Minute an: wir wollen dieses Spiel gewinnen! Und dazu gehört ein echtes Angriffsspiel und die Erkenntnis: ein (Union)Tor würde dem Spiel sehr gut tun… Gern auch mehrere!!