Union Berlin "eine Mannschaft von Helden": Wie passt das mit Testkick-Pleiten zusammen?
Berlin - Dass in der Saisonvorbereitung Testspiele in die Hose gehen, ist nicht ungewöhnlich - dass sich Union Berlin gegen zwei Klubs aus der Regionalliga blamiert, liefert aber schon ein wenig Anlass zur Sorge, oder nicht?
Nach dem 1:1 beim Chemnitzer FC und der 0:2-Pleite gegen Carl Zeiss Jena schrillen beim neuen Coach Mauro Lustrinelli (50) offenbar noch längst nicht die Alarmglocken, ganz im Gegenteil.
"Mein Fazit zum Spiel ist, dass wir eine Mannschaft von Helden haben", erklärte der Schweizer vollmundig nach der Schlappe in Jena. Geht das Schönreden von Niederlagen etwa schon wieder los?
Seine doch etwas überraschende Aussage begründete der 50-Jährige mit dem Trainingsrückstand seiner Mannschaft. Schließlich habe man in den vergangenen zwei Wochen "mehr Testspiele als Training gemacht", merkte der Trainer an.
Eigentlich rechtfertigen die Hauptübungsleiter schlechte Spiele in der Vorbereitung oftmals mit dem harten Trainingsprogramm ihrer Schützlinge und nicht mit zu wenig.
"Die Spieler wollen unbedingt. Sie haben die Bereitschaft, die Sachen, die wir trainieren, auf den Platz zu bringen und man sieht die Entwicklung". Allerdings sei sein Team noch sehr weit weg, von dem, was er sich als Spielidee vorstelle, merkte Lustrinelli an. Die Resultate wolle er außen vor lassen.
Mangelnde Fitness als Ursache für Schlappe bei Carl Zeiss Jena
"Ich glaube, es war schwierig, weil diese Jungs fitter als wir sind. Sie trainieren schon länger", stellte Neuzugang Zeno Van Den Bosch (23) fest. Sicher, die Regionalliga Nordost startet bereits in elf Tagen wieder in die neue Spielzeit, aber sollte ein gestandener Bundesliga-Klub nicht dennoch in der Lage sein, ein viertklassiges Team in die Schranken zu weisen?
"Klar sind wir jetzt erst seit zwei Wochen dabei, aber ich glaube auch, es war heute nicht sehr zufriedenstellend. Da müssen wir auf jeden Fall gucken, was wir dort besser machen können", betonte Tom Rothe (21).
Dabei wollte der Abwehrspieler auch den Neuanfang unter Lustrinelli, der einen neuen Spielstil im Team etablieren wolle, nicht als Ausrede gelten lassen. "Ich glaube, wir können aus dem Spiel auch einfach viel lernen", war sich der 21-Jährige sicher.
Knackpunkt war wieder einmal die mangelhafte Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Kasten. "Wir haben genug Torchancen, um zwei Spiele zu gewinnen", konstatierte der FCU-Coach. Ein altbekanntes Problem, denn in Köpenick wartet man bereits seit dem Abgang von Taiwo Awoniyi (28) auf einen zuverlässigen Knipser.
Auf die Möglichkeit, es besser zu machen, muss der Hauptstadtklub nicht lange warten, denn schon am Freitag und Samstag stehen in der Heimat von Mauro Lustrinelli die nächsten Testspiele gegen FC Winterthur und FC Aarau an.
Titelfoto: Soeren Stache/dpa (Bildmontage)

